Aram Mattioli

Experimentierfeld der Gewalt

Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935-1941
Cover: Experimentierfeld der Gewalt
Orell Füssli Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783280060629
Gebunden, 239 Seiten, 32,80 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Angelo Del Boca. In Afrika zeigte Mussolinis Italien sein unmenschlichstes Gesicht. Hier hinterließ es eine Blutspur als Massentötungsregime, das selbst vor Genoziden nicht zurückschreckte. Was auf den ersten Blick als verspätetes Kolonialunternehmen erscheint, stellte in Tat und Wahrheit eine mit ausgeklügelter Logistik, immensem Aufwand und modernster Technologie geführte Aggression dar, die das Tor zu neuen Dimensionen organisierter Gewalt aufstieß. Luftangriffe, Giftgas und Konzentrationslager gehörten im brutal angegriffenen und besetzten Äthiopien ebenso zum Alltag wie Massaker, Pogrome, das Abbrennen ganzer Landstriche und das Abschlachten von Viehherden. In diesem Buch wird gezeigt, dass der Zweite Weltkrieg nicht mit dem deutschen Überfall auf Polen, sondern bereits am 3. Oktober 1935 mit der italienischen Aggression gegen das Kaiserreich Abessinien begann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.01.2007

Für Carl Wilhelm Macke gebührt dem Schweizer Historiker Aram Mattioli das Verdienst, dass er den Abessinienkrieg, in dem italienische Soldaten zwischen 1935 und 1941 weit mehr als 350.000 Äthiopier ermordeten, in einen internationalen Zusammenhang stellt. Für den Autor, erklärt Macke, erwies sich Abessinien als das "Experimentierfeld", auf dem die nachfolgenden monströsen Kriegsverbrechen erprobt wurden. Dass Mattioli bei der Untersuchung der Verbrechen des faschistischen Italiens in Afrika aber dennoch nicht darauf verfällt, damit die Kriegsverbrechen der Nazis zu relativieren oder sie gar mit ihnen auf eine Stufe zu stellen, hebt der Rezensent besonders anerkennend hervor.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2006

Gut geschrieben und solide gearbeitet sei Mattiolis Studie über den Abessinienkrieg, lobt Rezensent Rudolf Walther. Neben der Darstellung des Krieges und der politischen Zusammenhänge gehe der Autor im Schlusskapitel auch auf die Verdrängung des "Vernichtungskrieges" ein. Bis zur Befreiung Abessiniens durch die britische Armee seien 350 000 bis 700 000 Menschen zu Tode gekommen, entweder direkt durch den Krieg oder durch gezielt herbeigeführte Hungersnöte und Krankheiten. Italien, referiert der Rezensent, sei zwar vor dem Völkerbund in Genf verurteilt worden, aber das Resultat sei nur ein wirkungsloses Embargo gewesen. Mussolini habe bei diesem Krieg sowohl "Giftgas" gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt als auch nach der Eroberung ein System der Rassentrennung eingeführt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Sehr verdienstvoll findet Wolfram Wette diese Studie zum Krieg des faschistischen Italiens gegen Abessinien, in dem sich der Schweizer Historiker Aram Mattioli einen weiterem schwarzes Fleck in dem gern beschönigte Bild von Mussolinis Italien widmet, wie der Rezensent notiert. Denn auch wenn in Italien über Jahrzehnte die Legende vom sauberen Krieg in Abessinien gehalten wurde, weise Mattioli nach, dass es sich um einen sehr schmutzigen Krieg gehandelt habe, der insgesamt 250.000 Äthiopiern und 25.000 Italienern das Leben kostete. Es war, so Wette, ein Eroberungskrieg, mit dem Mussolini ein neues römisches Imperium schaffen wollte und der auf die begeisterte Zustimmung der italienischen Bevölkerung fiel. Zustimmend vermerkt der Rezensent auch, dass Mattioli den krieg nicht in die Kolonialgeschichte einordnet, sondern in die Vorgeschichte des zweiten Weltkriegs, da sich mit ihm erstmals das Sicherheitssystem des Völkerbunds, dem beide Länder angehörten, als völlig unzulänglich erwies.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2006

Wichtige Erkenntnisse hat Rezensent Georg Kreis dieser Dokumentation italienischer Kriegsverbrechen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts von Aram Mattioli entnommen, dies einer Meinung schnellstens ins Italienische übersetzt werden sollte. Der in Luzern lehrende Professor für neuere Geschichte Mattioli untersuche eine in Italien lange und gerne vergessene Tradition von Gräueltaten, die den nationalsozialistischen Verbrechen in Guernica, Lidice und Oradour in keiner Weise nach stünden. Selbst deutsche Militärhistoriker hätten, so der Rezensent, die Bedeutung des italienischen Vernichtungskrieges gegenüber der Zivilbevölkerung in Libyen (100.000 Tote) und Abessinien (350.000 bis 700.000 Tote) als "richtungsweisende Zäsur" der Militärgeschichte eingestuft. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es in Italien einen mit Nürnberg vergleichbaren Erinnerungsprozess nicht gegeben, erläutert der Rezensent, aus Rücksicht auf die junge Demokratie, und so sei es, nach Ansätzen in den sechziger Jahren, erst "um 1995" möglich geworden, gründlicher nachzuforschen. Mattioli habe eine "solide recherchierte und sorgfältig durchkomponierte Arbeit" vorgelegt, resümiert der Rezensent, die wohl endgültig mit der Legende vom "humanen Antlitz" des italienischen Kolonialismus aufräume.
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