Antonius Anthus

Vorlesungen über die Esskunst

Cover: Vorlesungen über die Esskunst
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783821845784
Gebunden, 320 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

Das Speisen als schöne Kunst betrachtet. Als im Jahre 1838 die zu einem Buch zusammengefassten Vorlesungen von Antonius Anthus erschienen, war damit nicht mehr und nicht weniger als das erste Buch über die Esskunst überhaupt veröffentlicht. Dass es dann ein so gleichermaßen gelehrtes, elegantes, witziges und originelles Werk war, kann nicht anders denn als Glücksfall bezeichnet werden. Mehr noch: Anthus schreibt als einziger der Gastrosophen aus der Perspektive des Essers, der sich der vorgesetzten Speisen als würdig zu erweisen hat. Die Speisen zu verfeinern überlässt er anderen; ihm geht es darum, das Speisen zu verfeinern - denn nur dadurch kann der Mensch erhöht werden. Anthus serviert eine Kulturgeschichte des Essens, Nachrichten aus der Welt des erlesenen Geschmacks und Betrachtungen über den Kosmos der verfeinerten Genüsse. Als Kostprobe einige seiner Ideen: Der Mensch ist das einzig kochende und damit das höchste Wesen der Schöpfung; je virtuoser der Mensch zu essen versteht, desto weniger merkt man die Absicht; je mehr man von allem zu essen versucht, desto reicher wird die eigene Welt - und man selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2007

Nach der Lektüre verschwand der Rezensent umgehend in die Küche. Die erstmals 1838 erschienenen Vorträge des liberalen Esskundlers Antonius Anthus hat Florian Welle quasi kauend genossen. Dass Kochen eine Kunst ist, wusste er ja. Wie sich das Einverleiben der Speisen historisch, ethnografisch und vor allem ganz konkret, als Anleitung betreffend den Umgang mit Besteck und den Verzehr von Schnecken etwa, fassen lässt, durfte Welle hier lesen. Wenn er das didaktische Ziel des Autors einer Menschheitsveredelung durch besseres Essen mitunter aus den Augen verlor, so lag das am Vergnügen an "flotten" Sätzen und ganz sicher auch an gesteigertem Appetit.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2007

Jürgen Dollase preist die Neuauflage der Gastrosophie-Vorlesungen des Antonius Anthus von 1838 als lohnenswerte Lektüre, auch wenn er manches, was der Genuss-Philosoph als unumstößliche Tatsache verficht, dann doch eher dem damaligen Zeitgeschmack verpflichtet sieht. Einige Anmerkungen dieser Vorlesungen, die im Rahmen der regelmäßigen Gastmähler des "Vereins mehrerer kunstsinniger und gelehrter Essliebhaber" entstanden, lassen sich heute leicht als schnöde Benimmregeln missverstehen, meint der Rezensent und manche Empfehlung, wie etwa, Wildschwein unbedingt nur mit Kapernsalat zu kombinieren, erscheinen Dollase den persönlichen Vorlieben des Autors geschuldet. Daneben allerdings sind Ausführungen, beispielsweise über den Geschmackssinn zu lesen, die äußerst modern sind, so der Rezensent gefesselt. Insgesamt lobt Dollase das Buch, wenn er auch die unreflektierte Behauptung von Objektivität als irrig bezeichnet, als unterhaltsam und er ist besonders als Restaurant-Kritiker nach eigenem Bekunden "stolz" auf die "Traditionslinie", die er für seine Profession bei Anthus findet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2007

Als Buch für "bibliografische und kulinarische Feinschmecker" stellt Rezensent Gerhard Neumann diese Neuedition eines Buches von 1828 vor. Es handelt sich bei diesen Vorlesungen Neumann zufolge um ausgesprochen kunstvolle und bildungspralle Auslassungen über ein Thema, das die Zeitgenossen einst eigentlich unschicklich gefunden hätten. Der unter dem Pseudonym Antonius Anthus publizierende Mediziner, Psychiater und Reichstagsabgeordnete Gustav B. Blumröder entwerfe eine Geschichte der Esskunst, und zwar als "jung-deutsch-biedermeierlichen" Versuch einer "Nobilitierung der Esskunst" durch die Verbindung eines "spießbürgerlichen Materialismus" mit Bildung. Dabei werde historisch, pädagogisch und ethnografisch argumentiert. So wird das Buch für den Rezensenten zu einer hochinteressanten Lektüre über eine der "wesentlichen Kulturtechniken und ihre Ästhetisierung". Bereichert wird die Edition auch durch Nachwort und Anmerkungen Alain Claude Sulzers sowie Stephan Jon Tramers Vignetten nach berühmten Stillleben.
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