Der Einfluss der Fasane
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103971712
Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
An einem frühen Morgen steht Hella Karl am Briefkasten und liest die Meldung, die sie aus der Bahn werfen wird: Der Star der Berliner Theaterszene und Gravitationszentrum der Kulturwelt hat sich das Leben genommen. Hella Karl, Feuilletonchefin einer großen Zeitung, ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und glaubt, alles im Griff zu haben. Doch sie hat einen folgenreichen Artikel über den gefeierten Mann verfasst - und jetzt wird sie für seinen Tod verantwortlich gemacht. Ist er an sich selbst gescheitert, oder hat Hella Karl ihn in den Tod geschrieben? "Der Einfluss der Fasane" erzählt von einer, die die Kontrolle verliert. Von den Erregungsdynamiken, die sich, einmal in Gang gesetzt, nicht mehr steuern lassen.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 12.07.2025
Kritiker Tilman Krause trifft sich mit Antje Rávik Strubel im Park von Schloss Babelsberg, um über ihren neuen Roman zu reden: In der Umgebung spielt auch die Geschichte um ihre Protagonistin Hella Karl. Karl ist Journalistin, schildert Krause, und bringt mit ihrer Berichterstattung den Theater-Tyrannen Kai Hochwerth zu Fall - und zum Suizid, was nun die Jagd auf sie selbst eröffnet. Strubel sei es darum gegangen, die Hybris beider Figuren zu zeigen und die Auswirkungen, die öffentliche Erregung haben kann. Krause ist besonders überzeugt davon, dass die Autorin eine Protagonistin in den Mittelpunkt stellt, die Ambivalenzen zeigt und selbst nicht wirklich sympathisch ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.04.2025
Rezensentin Wiebke Porombka staunt, dass Antje Ravik Strubel das Thema sexualisierte Gewalt an Frauen nach ihrem Buchpreis-prämierten Roman "Blaue Frau" nun noch einmal als bissige "Boulevardkomödie" angeht. Funktioniert aber, meint die Kritikerin, die hier die Geschichte der Feuilletonchefin Hella Karl liest, deren Leben in Schieflage gerät, nachdem sich ein Theaterregisseur in Folge eines Artikel von Hella das Leben nimmt. Jener Kai Hochwerth soll eine Schauspielerin zur Abtreibung gezwungen haben, um das Opfer geht es Strubel aber keineswegs, klärt die Rezensentin auf. Stattdessen steht Hellas Demontage ebenso im Vordergrund wie die das Vorführen medialer Dynamiken, denen es nur noch um Aufmerksamkeit geht. Die so leichtfüßige wie genaue Beobachtung Strubels lässt Porombka an Satiren von Yasmina Reza denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.04.2025
Rezensentin Cornelia Geissler überlegt, ob Antje Ravic Strubel mit ihrem neuen Roman eine Art Gegenstück zu ihrem Roman "Blaue Frau" vorlegt, in dem es um die Vergewaltigung an einer Frau aus Ostdeutschland ging. Der neue Text jedenfalls fokussiert laut Geissler auf eine Feuilleton-Chefin, die einem Theatermann Machtmissbrauch vorwirft, woraufhin dieser sich umbringt. Überzeugend scheint Geissler der Text aber nicht. Allzu klischeeschwanger und hölzern kommen die Beschreibungen im Text daher. Oder ist das ganze doch eine Satire? Sicher ist sich Geissler da nicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2025
Noch präziser als den Roman "Die blaue Frau", für den Antje Ravic Strubel den Deutschen Buchpreis erhielt, findet Rezensent Paul Jandl den neuen Roman, der ebenfalls die #MeToo-Thematik aufgreift. Erzählt wird die Geschichte von Hella Karl, Feuilletonchefin einer Berliner Zeitung, die in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale gerät, nachdem sich der berühmte Theaterintendant Kai Hochwerth in Folge eines Artikels von Hella das Leben nimmt. Erlag Hella zunächst noch dem Charme jenes Intendanten, dessen hygienische Nachlässigkeit Strubel als Ausdruck seiner "künstlerischen Lässigkeit" zeichnet, wendet sich die Anziehung in Hass, nicht nur als Hochwerth Hella bedrängt, sondern auch, als Gerüchte auftauchen, er habe eine Schauspielerin aus Karrieregründen zur Abtreibung gedrängt, resümiert Jandl. Allein wie nahe uns Strubel an die weibliche Hauptfigur führt, verschlägt dem Kritiker den Atem. Vor allem aber bewundert er, wie die Autorin mitunter satirisch und in geradezu "altmeisterlicher Sprache" neben dem Journalisten-Milieu auch die "Zwischenräume der Selbstbilder" ihrer Figuren auslotet. Für den Kritiker ist das nicht weniger als ein "illusionsloses Zauberkunstwerk" von einem Roman.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2025
"Perfektes Gespür für die ungeklärten Fragen" zum Umgang mit Metoo attestiert Rezensentin Laura Hertreiter der Autorin Antje Rávik Strubel auch für diesen Roman, der der Kritikerin "böses Vergnügen" bereitet. Es geht um Hella Karl, Chefin eines Berliner Feuilletons, die der Mitschuld am Selbstmord eines wichtigen Theaterintendanten bezichtigt wird, hatte sie doch ohne Erbarmen über dessen Tyrannei berichtet. Strubel interessiert sich dabei weniger für den Machtmissbrauch selbst, so die Kritikerin, als für die Frage nach dem richtigen Umgang damit, die sie "lässig und elegant" und ohne "Moralapostelei" verhandele. Gleichzeitg zeichne sie ein interessantes Psychogramm der beinharten und nicht gerade sympathischen Journalistin, an der die Taktiken der Medienbranche ihre Spuren hinterlassen haben. "Leichtigkeit, Tempo und Humor" prägen dieses Buch für die Rezensentin, die darum "entsetzlich gern" dabei zusieht, wie Strubel Hella Karl auf den Abgrund zulaufen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.03.2025
Rezensentin Sigrid Löffler hält den neuen Roman von Antje Ravic Strubel für den Tiefpunkt des literarischen Schaffens der Autorin: Die mit dem "Me Too"-Thema spielende Story um eine Journalistin, die die skrupellosen Machenschaften eines Theaterdirektors aufdeckt, bringt Löffler vor allem deshalb zur Weißglut, weil sich Strubel erlaubt, eine Kulturjournalistin als so gewissenlosen wie tumben und inkompetenten "Trampel" zu zeichnen. Für Löffler eine groteske Verzerrung, die sie an der Kompetenz der Autorin zweifeln lässt. Hat Strubel eine Ahnung, wie reale Journalisten arbeiten? fragt Löffler entgeistert. Gegenfrage: Muss sie das eigentlich? Löffler jedenfalls hält Strubels karikatureske Risikofreude für blanke Selbstüberschätzung und den Romanplot für wacklig konstruiert. Auch, dass das Opfer des miesen Theaterdirektors Hochwerth überhaupt nicht wirklich vorkommt und nur dient, um den Skandal zu inszenieren, ärgert die Kritikerin sehr.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2025
Für die Bücher von Antje Rávik Strubel ist es typisch, dass sie sogenannte "Embleme" einstreut, sinnstiftende Momente, die Struktur schaffen, aber sich weniger aufdrängen als beispielsweise ein Symbol, eine ganze Reihe davon macht Rezensent Andreas Platthaus in ihrem neuen Roman ausfindig. Angefangen bei den Titeln ihrer eigenen Bücher, die sie wie zufällig in den Text einflicht, bis zu den Fasanen, die sie Nabokov entlehnt, wird die Geschichte Hella Karls emblematisch erzählt: Hella Karl leitet das Feuilleton einer Berliner Tageszeitung, vor kurzem hat sie eine Kontroverse über einen Theater-Intendanten angestoßen, der sich nun infolgedessen das Leben genommen hat, erfahren wir. Wie sich die Protagonistin daraufhin einerseits selbst in die Mangel nimmt, andererseits auch von außen kritisch beäugt wird und insbesondere ihre Rolle als Frau in den Fokus gerät, analysiert Strubel klug und feinsinnig, schließt Platthaus.