Anthony Giddens

Die Frage der sozialen Ungleichheit

Cover: Die Frage der sozialen Ungleichheit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412268
Broschiert, 197 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Adrian und Bettina Engels. Mit seinem Buch "Der dritte Weg" hat Anthony Giddens ein umfassendes Programm für politisches Handeln auf allen Ebenen in den Zeiten der Globalisierung vorgelegt. Dieses neue Denken und diese neue Praxis drängten sich auf, da vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet weder die Konservativen noch die traditionellen Linken eine angemessene Antwort liefern. Giddens' Kritik an diesen Lagern führte in ganz Europa zu einer Debatte über Ziele und Mittel des dritten Wegs. In seinem neuen Buch antwortet Giddens seinen Kritikern und entfaltet im Detail seine Konzeption.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2001

Als Konstrukteur des "dritten Weges" charakterisiert Rezensent Otto Singer den englischen Soziologen Anthony Giddens, der in seiner Gesellschaftstheorie Handlungs- und Strukturtheorien unter einen Hut zu bringen versuche. Akteure beeinflussen Institutionen, Institutionen prägen Akteure: auf diese Formel bringt Singer Giddens' Sicht der globalisierten Wirtschaft und Gesellschaft. In seinem jüngsten Buch, so Singer, antworte Giddens auf viele Einwände gegen den "Dritten Weg", die vor allem von links zu vernehmen waren. Giddens tue dies, indem er nochmals seine Thesen erläutere und ebenso vor ungezügeltem Wirtschaftswachstum wie vor Globalisierungspessimismus warne. Wichtige Stichworte seines Konzepts heißen: mehr Ökologie, weniger Staat, keine Rechte ohne Verpflichtungen, Verabschiedung vom Sozialstaat und vom Prinzip der Gleichheit - was nicht heißen soll, so Singer, vom Prinzip der Chancengleichheit. Die Möglichkeit der einzelnen Staaten die Wirtschaft zu lenken, unterschätze Giddens. Etwas mehr Distanz gegenüber dem modischen Globalisierungsdiskurs hätte sich der Rezensent in diesem Punkt schon gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2001

Der britische Soziologe Anthony Giddens ist prominenter Vertreter eines "dritten Weges" in der Wirtschafts- und Sozialpolitik und Berater der Regierung Tony Blairs. In seinem neuen Buch arbeitet er, so Peter Felixberger, weiter an einem neuen Gesellschaftsvertrag. Er halte darin an der Idee der Selbstverwirklichung des einzelnen und seiner Lebenschancen fest und antworte so seinen sozialdemokratischen Kritikern, die ihm eine Tendenz zu neoliberalistischen Marktvorstellungen vorwerfen. Giddens macht hier die "Konturen einer Debatte sichtbar, welche die Themen Globalisierung und Sozialstaat, Ungleichheit und persönliche Entfaltung sowie Lebensstile und gesellschaftliche Verantwortung zusammenbringt", meint Felixberger. Also ein "überaus wichtiges Buch", so das Fazit des Rezensenten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.07.2001

Man könne es fast schon für ein Naturgesetz halten, unkt Robert Misik, dass ein Soziologe, der unter die Politiker gerät, mehr und mehr zu Allgemeinplätzen neigt, und ein Soziologe, der dazu noch die Nähe der Sozialdemokraten sucht, automatisch langweilig wird. Giddens, der Blair-Vertraute und Konstrukteur des "Dritten Weges", habe mit seinem neuen Buch nicht viel Falsches, aber auch nichts Neues geschrieben: geeignet als Schlafmittel, rät Misik. Insbesondere der Wohlfahrtsstaat mit der ihm anhängigen "Transferbürokratie" sei ein Reizwort für den Londoner Soziologen, behauptet Misik, den die Entdeckergeste enerviert, mit der Altbekanntes serviert werde - als gäbe es nicht längst in vielen Ländern eine aktive Arbeitsmarktpolitik, so Misik. Die wirklichen Fragen nach funktionsfähigen öffentlichen Räumen etwa, die dem Markt entzogen bleiben, streife Giddens nur am Rande.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.07.2001

Helmut Berking ist unzufrieden. Nicht nur mit dem deutschen Titel, der den Leser zu der Annahme verleitet, hier handle es sich um ein soziologisches Sachbuch, moniert der Rezensent. Der Originaltitel lautet "The Third Way and ist Critics". Das Buch hat den Rezensenten aber auch inhaltlich enttäuscht. Denn Giddens' Proklamierung eines dritten Weges zwischen Neoliberalismus und Sozialdemokratie erscheint Berking nicht nur wenig einleuchtend, sondern auch nicht ausgearbeitet. Wie denn "verantwortungsvoller Kapitalismus" funktionieren kann, hat der Rezensent bei Giddens, dem Direktor der London School of Economics und bis vor einiger Zeit Berater Tony Blairs, nicht erfahren. Giddens' Ausführungen sind für Berking weder eine kritische Auseinandersetzung mit den Kritikern des Dritten Weges, noch eine substantielle Bereicherung oder Erweiterung dessen, was der Soziologe in seinem Buch "Der dritte Weg" vorgestellt hat. Schade, meint Berking, von Giddens hätte er da schon etwas mehr erwartet.
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