Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Im Mittelpunkt dieses Romans stehen Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die sich in einer zerbrechenden Welt zurechtfinden müssen. Anna und Omeir während der Belagerung und Eroberung von Konstantinopel 1453, Seymour, der aus fehlgeleitetem Idealismus einen Anschlag auf eine Bibliothek im heutigen Idaho verübt, und Konstance im Raumschiff "Argos" in der Zukunft, auf dem Weg zu einem Exoplaneten. Was sie alle auf geheimnisvolle und geradezu atemberaubende Weise über Zeiten und Räume miteinander verbindet, ist eine Geschichte über ein utopisches Land in den Wolken. Anthony Doerr schreibt über menschliche Verbindungen - miteinander, mit der Natur, mit früheren und zukünftigen Generationen.
Rezensent Ronald Düker reist mit Anthony Doerrs neuem Roman im Raumschiff durch die Zeiten. Denn der Roman erzählt von der verwaisten Anna, die im Konstantinopel des Jahres 1453 während des Stickens heimlich liest, vom ADHS-Jungen Seymour, der im Idaho des Jahres 2020 eine Bombe zünden möchte, um auf das Schicksal der Graueule aufmerksam zu machen, und vom Raumschiff Argos, das durchs All fliegt. Damit ist der Inhalt aber nur unzureichend wiedergegeben, denn in seinem Mix aus Science-Fiction, historischem Roman und "Sozialstudie" bindet Doerr auch Antionos Diogenes' Text "Wunderdinge von Thule" aus dem 2. Jahrhundert nach Christus mit ein, erklärt der Kritiker. Spannung und Trost verspricht Doerrs Roman in jedem Fall, schließt Düker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.12.2021
Als "opulente Hommage an das Lesen" würdigt Irene Binal diesen Roman des Amerikaners Anthony Doerr, der sie mit auf ein Raumschiff, in die Antike und in die Gegenwart führt. Fünf Schicksalen folgt die Kritikerin hier, alle verbunden durch die antike Geschichte vom Wolkenkuckucksland über Aethon, der auf dem Weg ins Wolkenreich zum Esel, Fisch und Vogel wird. Erzählt wird etwa von Seymour, der um auf die Umweltzerstörung hinzuweisen, im Jahr 2020 einen Anschlag plant, von Anna, die im 15. Jahrhundert die Belagerung Konstantinopels durch die Sarazenen erlebt oder von Konstance, die auf einem Raumschiff aufwächst, resümiert die Rezensentin. Doerrs Erzähllust und Fantasie reißen die Kritikerin mit, zudem bewundert sie, wie der Autor Motive und Anspielungen "kunstvoll" miteinander verbindet. Darüber, dass der Mix der vielen Ebenen während der Lektüre ein paar Erschöpfungserscheinungen hervorruft, kann Binal hinwegsehen.
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