Anno Mungen

Von Bayreuth nach Auschwitz

Oper, Politik, Gewalt
Cover: Von Bayreuth nach Auschwitz
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783987913433
Gebunden, 384 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Sie führen Krieg, foltern, morden, vernichten - und sind kunstbeflissen: die Männer des Nationalsozialismus. Bayreuth, die Wirkstätte Richard Wagners, ist seit etwa 1900 ein beliebter Treffpunkt völkisch denkender Kreise. Der Musik- und Theaterwissenschaftler Anno Mungen zeigt, wie Kunst, Krieg und Massenmord vor, während und nach dem Regime zusammenwirken. Im Nationalsozialismus behauptet Musik die angebliche kulturelle Überlegenheit gegenüber anderen Völkern und dem Judentum, heilt Soldaten von ihren seelischen Leiden und besänftigt die Mörder von Auschwitz nach den Selektionen. Bis heute behaupten große Teile der Wagner-Gemeinde, dass es im nationalsozialistischen Bayreuth nur der Kunst gegolten habe. Dieses Buch widerspricht und zeigt die Kontexte von Gewalt und Kultur in ihrer engen Verstrickung auf.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.07.2026

Rezensent Aron Orzessek hat Anno Mungens Buch über Bayreuth und die Nazis mit Interesse gelesen. Es geht Mungen nicht darum, noch einmal über Zusammenhänge zwischen Richard Wagners Antisemitismus und dem NS nachzudenken, erklärt er. Vielmehr interessiere dieser sich für Verbindungen zwischen dem Wagner-Kult unter anderem auf den Festspielen und dem nationalsozialistischen Regime. Zum einen geht es dabei um persönliche Verbindungen von Top-Nazis nach Bayreuth, zum anderen um Themenkomplexe wie "Germanisierung" und "Raum". Unter anderem schreibt Mungen über nationalsozialistische Freizeitaktivitäten in Bayreuth und stellt Spekulationen darüber an, ob auch in Auschwitz Wagner gespielt wurde. Sind deshalb Wagners Opern selbst schuldig geworden? Nein, meint Mungen, sie wurden lediglich instrumentalisiert. Orzessek hält fest, dass Mungen keine klar strukturierte historiographische Studie vorlegt, sondern vielmehr oft auf Assoziationen zurückgreift; ob er das überzeugend findet, verrät uns der Kritiker nicht.