Anne Wiazemsky

Mein Berliner Kind

Roman
Cover: Mein Berliner Kind
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406605215
Gebunden, 258 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Berlin, 1945. Claire, die Tochter des Literaturnobelpreisträgers François Mauriac, arbeitet in der zerstörten Hauptstadt für das französische Rote Kreuz. Die Stadt ist Schauplatz schlimmer Szenen, die Menschen leiden. Sie ist fest entschlossen, sich nützlich zu machen und nicht mehr nur die verwöhnte Tochter des berühmten Schriftstellers zu sein. Am Steuer ihres Krankenwagens fühlt sie sich zum ersten Mal lebendig, und alles, was sie erlebt, ereignet sich als reine Gegenwart. Dabei begegnet sie dem politischen Flüchtling Yvan Wiazemsky, einem Prinzen, dessen Familie während der Russischen Revolution nach Frankreich fliehen musste, einem polyglotten Offizier und Charmeur. Er ist attraktiv, extrovertiert und humorvoll, hat noch nie von ihrem Namen gehört und nur Augen für sie. Es beginnt eine leidenschaftliche, aber unmögliche Liebe, sie ist katholisch, er orthodox, er ist staatenlos, sie kommt aus einer bekannten Intellektuellenfamilie, er liest keine Bücher.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2011

Das Buch scheint den Rezensenten Thomas Laux etwas ratlos zu lassen. Er charakterisiert es am Ende seines Artikels als "Teil eines autobiografischen Projekts", dessen Bedeutung für den unbeteiligten Leser sich ihm nicht erschließt. Zuvor schon wundert er sich über die seltsame Distanz, mit der die durchaus nicht uninteressanten Geschehnisse hier geschildert werden. Claire ist Anne Wiazemskys Mutter. Sie geht nach dem Krieg nach Berlin, um der Bevölkerung als Rot-Kreuz-Angehörige zu helfen, eine für die damalige Zeit seltene altruistische Wallung. Dort lernt sie auch Wiazemskys Vater, einen russischen Soldaten kennen, referiert Laux. Warum wir das alles erfahren sollen - so richtig scheint es ihm nicht aufzugehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2011

Rezensentin Lena Bopp zeigt sich sehr angetan von Anne Wiazemskys Roman "Mein Berliner Kind?. Das Buch ist für sie nicht nur eine Familienchronik, sondern auch die Geschichte einer Emanzipation, schildert die Autorin doch, wie sich ihre Mutter Claire Mauriac, Tochter des französischen Nobelpreisträgers François Mauriac, gegen ihre Eltern durchsetzte und während des Zweiten Weltkriegs als Krankenschwester für das Roten Kreuz arbeitete, nach 1945 in Berlin. Überzeugend findet Bopp die Verbindung von literarischer Fiktion und echten Erinnerungsstücken, Briefen und Tagebucheinträgen. So entstehen vor den Augen des Lesers teils fiktive, teils wahre Figuren, die exemplarisch von Nachkriegsleben berichten, so Bopp, "das man aus deutscher Perspektive so niemals erzählen könnte?.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.08.2010

Hin- und hergerissen ist Rezensentin Barbara von Becker nach der Lektüre von Anne Wiazemskys Roman "Mein Berliner Kind". Die Schauspielerin und Ehefrau von Jean-Luc Godard hat anhand von Tagebüchern und Briefen die Liebesgeschichte ihrer Eltern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Berlin aufgeschrieben. Die junge Claire Mauriac lernt bei ihrer erschütternden Arbeit als Helferin des französischen Roten Kreuzes den lebenslustigen Offizier Yvan Wiazemsky kennen. Auch wenn sie die Romanze eher trivial und mit "abgegriffenen Formulierungen" erzählt findet, ist Becker begeistert von den "hochinteressanten" historischen Informationen, welche die Autorin in ihren Text eingearbeitet hat. So bietet sich ihr ein eindrucksvolles und gleichermaßen leidvolles Bild von Berlin als einer "gigantischen Sortiermaschine für Flüchtlinge." Das lässt sie auch über die teilweise "irritierende" Übersetzung hinwegsehen, die häufig Probleme mit dem französischen Satzbau aufzeige. Einen Literaturnobelpreis, wie ihn Wiazemskys Großvater Francois Mauriac erhielt, würde die Kritikerin dem Roman zwar nicht verleihen, dank der "starken Momentaufnahmen" und des "berührenden" Blicks auf Berlin rät sie aber in jedem Fall zur Lektüre.
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