Anne-Laure Bondoux

Die Zeit der Wunder

(Ab 14 Jahre)
Cover: Die Zeit der Wunder
Carlsen Verlag, Hamburg 2011
ISBN 9783551582416
Gebunden, 192 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Maja von Vogel. "An dem Tag, als die Zollbeamten mich hinten im Lastwagen fanden, war ich zwölf Jahre alt. Ich roch so schlecht wie Abdelmaliks Müllhäuschen. Obwohl Monsieur Ha sich alle Mühe gegeben hatte, den offiziellen Stempel auf dem Foto in meinem Pass wiederherzustellen, glaubten die Zollbeamten nicht, dass ich ein echter kleiner Franzose war. Ich hätte ihnen gerne alles erklärt, aber dafür war mein Französisch zu schlecht. Also zogen sie mich am Kragen meines Pullovers aus dem Lastwagen und nahmen mich mit. So endete meine Kindheit: plötzlich und unerwartet, an der Autobahn A4, als mir klar wurde, dass ich allein im Land der Menschenrechte würde zurechtkommen müssen." Die Geschichte des Jungen Koumaïl, der aus den Kriegswirren des Kaukasus bis nach Frankreich flieht und nie den Mut und den Glauben an das Glück verliert. Und ein Buch darüber, wie weit Träume tragen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2011

Hingerissen ist Rezensent Antje Weber von Anne-Laure Bondouxs Geschichte über die Odyssee eines Flüchtlingsjungen aus dem Kaukasus. Auch wenn der in Frankreich mehrfach ausgezeichnete Jugendroman vor allem in den 90er Jahren in Georgien spielt, scheint ihr das Thema des Buchs höchst aktuell und die Erfahrung des Erzählers universell. Sie lobt die überlegte Komposition des Werks sowie die gekonnte, wohlkalkulierte Mischung aus detailreicher Schilderung und "melancholischen Dialogen und Pointen". Vor allem gelingt es der Autorin nach Webers Ansicht, die Menschen hinter den anynomen Flüchtlingszahlen vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen, mit ihren Motiven, Wünschen, Hoffnungen und ihrem Mut. Ihr Fazit: eine unwiderstehliche Geschichte voller "Abgründe und märchenhafter Fügungen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Tobias Rüther muss zugeben, dass Anne-Laure Bondoux mit ihrem Roman um den Jungen Koumail, der vielleicht Franzose ist und aus dem Kaukasus flieht, mit ihrem folkloristischen Zugriff und den Spannungselementen mehr als einmal auch die Grenze zum Kitsch übertritt. Dafür ist er aber von der existentiellen Frage, die der Roman feinfühlig stellt, nämlich was wäre, wenn man im Krieg und ohne Papiere aufwächst, ziemlich beeindruckt. Und während der zu Anfang 10-jährige Held immer erwachsener wird, reift auch der Roman und fügt sich am Ende zu einer "großartigen" politischen und dabei hochspannend zu lesenden Abenteuergeschichte, lobt der Rezensent.
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