Anna Weidenholzer

Hier treibt mein Kartoffelherz

Erzählungen
Cover: Hier treibt mein Kartoffelherz
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810234
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Wie in einem Panoramabild, wie auf der geplanten detailgetreuen Nachbildung des Ortszentrums stehen sie aufgereiht: der Nachbar, der den Arbeitsmantel trägt, der Flachländer, der jeden 21. Oktober nach dem Zimmer Nummer sechs verlangt, Isabelle, die den Hasen das Fell abzieht, Cervicek, Marianne, Herr Adam und all die Einsamen, die sich mit ihren leuchtenden Multifunktionsjacken irgendwann in die Landschaft eingefügt haben. Sie stehen dort im Winter, wenn die Bären ruhen, im Frühling, wenn der Winter überblättert wird, im Sommer mit nur wenig Kleidung und im Herbst, wenn die Sonne tief steht, gleich Figuren eines Wimmelbilds: vereinzelt, scheinbar unverbunden, wie Sonnen ihrer eigenen Welt - und doch vereint im großen Ganzen. Anna Weidenholzer zeichnet eine illustre Gesellschaft, der die Gewissheiten des Alltags allmählich zu entgleiten drohen und die sich einzurichten beginnt in den kleinen absurden Momenten voller Witz und Poesie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2025

Etwas sonderbar und gleichermaßen angereichert mit bittersüßem Humor, findet Rezensent Michael Wolf den Prosaband von Anna Weidenholzer. Die österreichische Schriftstellerin skizziert eine schillernde Gesellschaft, der die vertrauten Sicherheiten des Alltags langsam abhandenkommen - und die sich zunehmend in skurrilen, zugleich humorvollen und poetischen Augenblicken einzurichten beginnt. Sie entwirft einige Momente der Begegnung mit dem Unbekannten und der Erkundung des Fremden. Die vierteiligen Erzählungen erinnern in ihrer bizarren Figurenwelt leicht an Clemens J. Setz, wie Wolf bemerkt, doch während dieser sprachlich wild experimentiert, bleibt Weidenholzer stilistisch zurückhaltend und setzt auf leisen, teils etwas konventionell wirkenden, Humor. Die Autorin interessiert sich vielmehr für die seltenen, zufälligen Momente zwischenmenschlicher Begegnung. Eben jene flüchtigen Augenblicke, in denen zwei Menschen einander gegenübertreten und im anderen etwas Eigenes zu entdecken meinen - mit dem Angebot über sich selbst hinauszuwachsen. Schließlich, so Wolf, trägt jeder gewisse Engstirnigkeit und Sonderbarkeit mit sich.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.02.2025

Insgesamt gut gefällt Rezensent Nico Bleutge dieser Band mit Erzählungen Anna Weidenholzers. Die Figuren, über die die Autorin schreibt, sind aufmerksam für die Eigenarten im Alltäglichen, etwa was die Töne des täglichen Lebens betrifft, beschreibt Bleutge, manchmal haben sie für ihn jedoch auch etwas Zwanghaftes an sich. Die einzelnen Geschichten sind lose untereinander verbunden, lesen wir weiter, durch wiederauftauchende Figuren oder auch motivisch. Gelegentlich findet Bleutge die Figuren, über die Weidenholzer schreibt, bloß skurril und nicht allzu interessant, aber wenn sie auf Gesellschaftliches hin durchsichtig werden, hat er Freude an diesem Buch, das auch auf interessante Art mit der Sprache des Alltags arbeite.

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