Anna Mitgutsch

Wenn Du wiederkommst

Roman
Cover: Wenn Du wiederkommst
Luchterhand Literaturverlag, München 2010
ISBN 9783630873275
Gebunden, 271 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, eher das Versprechen von Verlässlichkeit: zwei Menschen, einander nah und vertraut wie Geschwister. Diese Nähe ist so stark, dass sie die dunklen Seiten ihrer Liebe und Ehe, Untreue, ihre einander oft ausschließenden Obsessionen und sogar die scheinbar endgültige Trennung übersteht. Jetzt, lange Jahre später, sieht es so aus, als gäbe es die Möglichkeit, noch einmal ganz neu anzufangen. Da geschieht das Unfassbare. Jerome stirbt. Verzweifelt versucht die verlassene Erzählerin, gegen die Realität des Todes aufzubegehren. Sie kämpft, als könnte sie den Toten zurückholen oder ihm wenigstens ein letztes Wort, ein Zeichen seiner Liebe abringen. Sie klammert sich an die verheißungsvolle letzte Begegnung, den letzten gemeinsamen Augenblick, die letzten Worte beim Abschied am Flughafen von Boston.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2010

Sabine Doering liest diesen neuen Roman von Anna Mitgutsch als Chronik einer komplizierten transkontinentalen Verbindung zweier Menschen. Was als Totenklage über den verlorenen Menschen beginnt, entwickelt sich laut Doering in langen Monologen und nicht immer proportional ausgewogen (so erhält jüdisches Brauchtum hier für Doering einen unverhältnismäßigen Stellenwert) zur obsessiven Rekonstruktion zweier unterschiedlicher Familiengeschichten und der Bedingungen einer hindernisreichen Liebe. Dass die Autorin dabei auf wohlfeilen Trost verzichtet und offen lässt, ob der Erzählerin der Neuanfang gelingt, empfindet Doering als bereichernd für die Geschichte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2010

Eines scheint Rezensent Karl-Markus Gauß sicher: Der schon traditionelle Kritikerstreit über Anna Mitgutschs Romane wird bei ihrer neuen, einfach meisterlichen Erzählung "Wenn du wiederkommst" nicht ausbrechen. Auf der Höhe ihres Könnens erzähle die Autorin die unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen einer europäischen Schriftstellerin und ihrem in Boston lebenden Mann, einem Anwalt mit jüdischen Wurzeln. Die eigentliche Handlung setzt aber erst ein, als der Geliebte stirbt: der Leser begleitet die namenlose Ich-Erzählerin durch das jüdische Trauerjahr. Nicht nur die ablehnende Haltung der Verwandten gegenüber der aus Liebe zu ihrem Mann zum jüdischen Glauben konvertierten Erzählerin, sondern auch das Entdecken verschiedener biografischer Details, mehrerer Liebhaberinnen zum Beispiel, muss die Witwe über sich ergehen lassen. Ihre eigene Lebenserfahrung kunstvoll verwebend, schildere die ebenfalls zum Judentum konvertierte Autorin akribisch genau und beklemmend, wie sich die Trauer während des Trauerjahres verändere, so der Rezensent. Dabei gehe der Roman aber über den "betörenden Totengesang" auf eine oft unglückliche Liebe hinaus; vielmehr gerate er zur "radikalen Inventur" einer Beziehung, bei der es letztendlich darum ginge, eine Erinnerung zu finden, mit der es sich leben lasse.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2010

Rezensentin Ingeborg Waldinger erkennt reichlich Vertrautes in diesem neuen Roman von Anna Mitgutsch, ist aber nichtsdestotrotz beeindruckt von der "nach bewährtem Muster" komponierten Erzählung. Zu besagten Mustern gehören neben "autobiografischen Elementen" auch die Themen, um welche die Autorin schon lange kreist: "Emigration und Emanzipation, Identität und Fremdheit" und auch das "Judentum". Mitgutschs Blick auf ihre Protagonistin, die den Tod ihres geschiedenen Ehemanns betrauert, findet die Rezensentin "einfühlsam", entstanden sei eine "bewegende Totenklage". Neben der  sehr gelungenen "Psychodiagnostik der Trauer" findet Waldinger auch ihre Außenwelt stimmig beschrieben, das tägliche Leben in Boston, wo die Geschichte spielt, wirkt auf die Rezensentin "atmosphärisch dicht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.04.2010

Rezensentin Julia Kospach kommt nach der Lektüre dieses Romans der Autorin Anna Mitgutsch zu einem ambivalenten Fazit. Zum einen entdeckt sie in diesem Rückblick auf eine schwierige Liebe, einer "Ehe in Intellektuellenkreisen" eine "feine, subtile Qualität" und vergleicht die Erzählung mit den Romanen John Updikes. Zum anderen vermutet sie aufgrund einiger Schwächen des Buches einen stark autobiografischen Bezug. Es wird zu viel getrauert, die "Erzählerin kann nichts auslassen" und diese vermutete "Distanzlosigkeit der Betroffenheit" kann beim Leser nach Kospachs Einschätzung doch einigen Überdruss auslösen. Außerdem bleibt die Ich-Erzählerin erstaunlich blass, während man ihren Ex-Mann sehr gut kennen lernt.
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