Anna Lesznai

Wahre Märchen aus dem Garten Eden

Cover: Wahre Märchen aus dem Garten Eden
Das Arsenal Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783931109493
Kartoniert, 130 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von György Feheri. Aus dem Ungarischen übersetzt von Andras Hecker und Ilka Russy. Am Anfang war der "Garten Eden", Utopie und geheimnisvolle Ursprungswelt, ein verfallenes Paradies, wie der Zaubergarten im Märchen: Im Frühjahr 1919, als die ungarische Räteregierung auf dem Höhepunkt ihrer Macht, das heißt ihrer Illusionen anlangte, richteten der Volkskommissar für das Unterrichtswesen Georg Lukacs und der (Märchen-)Dichter Bela Balazs eine "Abteilung für Märchen" ein und betrauten damit ihre Freundin, die Malerin und Dichterin Anna Lesznai (1885-1966). Ein Märchenbüro der Revolution für "eine neue Form des Märchens, durch die das Wunder ins Leben der Gegenwart gebracht würde", wie sie später im amerikanischen Exil schrieb. Eine Auswahl von Lesznais bislang weitgehend unbekannten, im Budapester Literaturmuseum schlummernden Märchen - Nachhall jüdischer Erzähltradition - enthält der vorliegende Band.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2008

Als "berührende Flaschenpost" von "jener fernen Insel", auf der "allein sich Kinder und Feen" begegnen könnten, feiert Rezensent Oliver Pfohlmann die Märchen der 1885 geborenen ungarisch-jüdischen Malerin, Schriftstellerin und "marxistischen Romantikerin" Anna Lesznai, für deren Wiederentdeckung er auch dem Berliner Arsenal Verlag seine Referenz erweist. Manche Texte haben für den Rezensenten den "Zauber des Unfertigen", andere wiederum sind so voller Poesie und Einbildungskraft, dass Pfohlmann einen Zustand wie vor dem Sündenfall wahrzunehmen glaubt - als die Harmonie zwischen Menschen und Dingen noch ungebrochen gewesen sei. Gleichzeitig fasziniert ihn Anna Lesznais Märchenkonzept: dass nämlich Märchen noch kommunistischer als der Kommunismus seien, weil sie von einer utopischen Welt künden würden, in denen alle Unterschiede aufgehoben seien. Eine Ansicht, die vom kommunistischen Mainstream jener Jahre selbstredend nicht geteilt worden sei.
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