Klappentext
Aus dem Italienischen von Sigrid Vagt, mit einem Nachwort von Maike Albatha. Den jungen Mailänder Grafen Aleardo verschlägt es bei seiner Suche nach zum Verkauf stehenden Ländereien auf eine einsame Insel vor der Küste Portugals, die nicht einmal auf den Landkarten zu finden ist. Eine Insel des Bösen, wie sein Matrose glaubt. Tatsächlich tragen sich auf Ocaña seltsame Dinge zu: Drei verarmte Brüder eines portugiesischen Aristokratengeschlechts halten in einem heruntergekommenen Herrenhaus ein mysteriöses Wesen als Dienstmädchen, das Mensch und Echse, geschundene Kreatur und verwunschene Prinzessin zugleich ist - Iguana. Der Graf gerät in den Bann des schönen Geschöpfs, das unter den Menschen ein elendes Dasein fristet. Bei seinem leidenschaftlichen Versuch, das Geheimnis der Insel zu ergründen und Iguana zu retten, versinkt Aleardo immer mehr in eine verhängnisvolle Welt von Traum und Wahn, in der alles aus den Fugen gerät. Iguana untersucht das gestörte Verhältnis zwischen Kultur und Natur, den Missbrauch von Macht, die Übel von Kolonisation und Kapitalismus.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2026
Rezensent Franz Haas freut sich, gleich zwei Bücher der italienischen Autorin Anna Maria Ortese auf Deutsch entdecken zu können. Der Band "Himmelskörper" enthält zwei Vorträge und drei teils fiktionale Interviews, in denen es unter anderem um ihre Poetik geht, aber auch um die Einsicht, dass die Erde mit anderen Wesen geteilt werden muss und nicht nur dem Menschen als "sprechende Bestie" zur Verfügung steht. Auch von ihrer Herkunft als Autodidaktin aus einer ärmlichen Familie erzählt sie, oft im selbtironischen Ton, wie Haas schildert. Von der Schmähung ihrer Romane berichtet sie außerdem, die Italiener konnten damals mit einem "sprachkünstlerischen Meisterwerk" wie "Iguana" nichts anfangen, den Haas nun auch auf Deutsch lesen kann: Ein Text, der durch seine aufregenden Wort- und Satzschöpfungen überzeugt und durch seine Handlung. Im Zentrum steht ein Leguanweibchen, das in einen Dichter verliebt ist und mit der Ortese den Literaturbetrieb karikiert, der zwischen Wahnsinn und Exotismus oszilliert. Der Kritiker fühlt sich an Shakespeares "Der Sturm" erinnert, eine Menge Fantastik durchzieht den Roman zwischen Mailand und portugiesischen Inseln. Ein Roman, der sich für ihn unbedingt zu lesen lohnt.
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