Anna Gien, Marlene Stark

M

Roman
Cover: M
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2019
ISBN 9783957576941
Gebunden, 248 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Hier scheppert der DJ-Rollkoffer unerbittlich über Berliner Kopfsteinpflaster, schweißnasse Schaumstoffmatratzen treiben in ranzigen, beatdurchwummerten Kellern am Leser vorbei; eine von Erektionen umstellte Fitnessradtour im Kreuzberger Zimmer hilft das Speed abzubauen. Die Wände des Darkrooms kleben, Galeristen gieren nach frischem Fleisch und Plastikschwänzen. M. liefert sich aus und reißt die Macht an sich, sie fickt die Kunstszene, während sie für ihre nächste Ausstellung Gelnageldesignerinnen und Massagestühle auftreibt. M. ist das Protokoll einer Ermächtigung des eigenen Körpers, des eigenen Begehrens, und kalter Bericht über das Ausbeutungsgefüge im Kunstbetrieb - in einer Sprache, die schonungslos die Entwicklung der Erzählerin von einer zynischen Beobachterin zur strippenziehenden Regisseurin vollzieht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.02.2019

Was sie da eigentlich vor sich hat mit dem Buch von Anna Gien und Marlene Stark, errät Hannah Lühmann nach und nach. Nein, es handelt sich nicht um einen autobiografischen Konfessions- und Schlüsselroman a la Geschichte der O. aus der Berliner Jetztzeit. Vielmehr, so vermutet Lühmann, haben die beiden Autorinnen, DJ und Kunst-Journalistin, einen Poproman vorgelegt, geschickt gemacht und formal "großartig". So lässt sich so eine Sexbeichte mit Gruppensex und Kunstsperma doch gleich viel leichter, nämlich ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben, konsumieren, freut sich Lühmann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.02.2019

Ulrich Gutmair hat Spaß mit dem Buch von Anna Gien und Marlene Stark, auch wenn er darin keinen Roman erkennen kann, auch keine Entwicklung, und die anklingende Frauensolidarität kann er nicht ernstnehmen. Treffende Beobachtungen aus dem Berliner Techno-Nightlife und lakonisch geschilderter Klo- und Galeristensex sowie jede Menge Humor versüßen ihm die Lektüre. Besonders beeindruckend für Gutmair: der weihnachtliche Elternbesuch der Heldin. In der Heiligen Nacht hat sie Cybersex, und die Mutter in ihrer Normalität fühlt sich herabgesetzt. Psychologisch feinsinnig, findet der Rezensent.