Hendrik Otremba

Der Gräber

Roman
Cover: Der Gräber
März Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783755000631
Gebunden, 272 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Liebe. Unsterblichkeit. Flucht. Weltende: Ein Roman aus der Zukunft über die Gegenwart. Oswalth Kerzenrauch, genannt 'der Gräber', stirbt nicht. Und so überlebt er alle, die er je geliebt hat, auch seine Tochter Luzie, die er bis ins hohe Alter begleitet. Die Wirren des dritten Weltkrieges hat er ebenso durchstanden wie die endgültige Zerstörung der Flora und Fauna. Als die letzten Erdenbewohner den unwirtlichen Planeten in Richtung Nektar II verlassen, bleibt er mit einer kleinen Gruppe Verbündeter, die ihre Ruhe vor einer Gesellschaft, die sie nie wollte, nun in wahnwitziger Ekstase feiern, in den Ruinen Berlins zurück. In einer Welt nach der Menschheit entsteht dort in den Trümmern eine widersprüchliche Idylle. Je einsamer er wird, desto mehr verliert er sich in seinen schönsten und in seinen furchtbarsten Erinnerungen. Was aber bedeutet das Weltende für einen, der verdammt ist, es zu überdauern?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.04.2026

Rezensent Uwe Schütte kann sich begeistern für das neue Teilwerk im multimedial-vernetzten Gesamtkunstwerk von Hendrik Ottembra. Im nun vorgelegten vierten Roman des Schriftstellers und Musikers, der auch als bildender Künstler und Dozent für Gegenwartsliteratur tätig ist, geht es nun um den unsterblichen Archäologen Oswalth Kerzenrauch, der in einer dystopischen Zukunft des 22. Jahrhunderts Überbleibsel aus unserer heutigen Zeit birgt, die er selbst noch miterlebt hat. Das sei an sich schon eine interessante zeitliche Konstruktion, und das Spiel mit diesen zwei Zeitebenen in einer "retro-futuristischen Psychogeografie" der Ruine Berlins gelinge dem Autor gut, findet Schütte. Lesbar sei der Roman außerdem als eine "berührende" Vater-Tochter-Geschichte. Am spannendsten findet der Kritiker aber die Ebene des Romans, die nach dem "Destruktiven" im Menschen fragt. Auf sprachlicher Ebene lobt Schütte außerdem Otrembas Händchen für Folterszenen und die eindrücklichen Schilderungen des im Krieg umgefallenen Fernsehturms, ebenso wie die konsequente Motivik des Grabens. Einzig Sexszenen liegen dem Autor nicht so, meint er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.03.2026

Rezensent Samuel Hamen ist nicht ganz überzeugt von der Verbindung zwischen "Ruine und Rhetorik" an der sich der deutsche Musiker und Schriftsteller in diesem dystopischen Roman versucht. In ausufernden Streifzügen durch ein zerstörtes Berlin wandert der unsterbliche Protagonist Oswalth Kerzenrauch durch Überbleibsel einer vagen Katastrophe und philosophiert dabei entweder mit einer Gruppe von Anhängern oder denkt über die Beziehung zu seiner Tochter nach, resümiert der Kritiker. Hamen vermutet in der Kombination einer untergegangenen Landschaft mit einer dagegen überaus lebendigen Sprache einen interessanten Ansatz, der jedoch nicht konsequent zu Ende gedacht wird. Dafür sei die Sprache eine bloß ästhetisierende, sich an ihrer eigenen Dunkelheit berauschende. Statt die Amoralität ihrer romantisierten Ruinen zu hinterfragen, erliegt sie, trotz nuancierten Ansätzen im letzten Drittel, dem Sog ihres eigenen "ruinösen Chics", moniert Hamen.

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