Anat Feinberg

Nachklänge

Jüdische Musiker in Deutschland nach 1945
Cover: Nachklänge
Philo Verlag, Berlin - Wien 2005
ISBN 9783865725035
Gebunden, 280 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

In zwei Ländern würde er nie auftreten, soll Arthur Rubinstein einmal gesagt haben, und zwar in Tibet und in Deutschland. Gefragt, weshalb gerade diese beiden, antwortete der Pianist, Tibet sei zu hoch, Deutschland zu niedrig. Für viele Juden und Israelis blieb Deutschland Jahre lang der schwarze Fleck auf der Karte. Fast ein halbes Jahrhundert später haben jüdische Solisten, aus Israel und der ganzen Welt, längst einen markanten Platz im deutschen Musikbetrieb eingenommen. Haben sich die Beziehungen zwischen Juden und Deutschen "normalisiert"? Oder erleben wir eine Renaissance der deutsch-jüdischen Musikkultur vor 1933? Anat Feinberg hat sich auf Erkundungsreise gemacht: Neben prominenten Dirigenten wie Michael Gielen, Kurt Sanderling, Eliahu Inbal und Adam Fischer stellten sich auch Solisten, Orchestermitglieder, Opernsänger sowie Musikpädagogen den oft unbequemen Fragen. Ein ungewöhnlicher Blick hinter die Kulissen des deutschen Musikbetriebs. Vor allem aber stehen Lebensgeschichten im Mittelpunkt, denen trotz denkbar größter Unterschiede eines gemeinsam ist: ihr Reichtum an biografischer und musikalischer Erfahrung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2006

Wunderbare Künstlerporträts seien Annat Feinberg bei einigen der dreizehn Interviews gelungen, lobt Rezensent Ulrich Teusch und findet alle interessant. Die Fragen entsprächen zwar grundsätzlich einem vorgegebenen Schema, doch zeige sich die Gesprächsführung von Annat Feinberg stets flexibel für "spontane" Richtungsänderungen. Geordnet, so der Rezensent, seien die Interviews nach dem Alter der jüdischen Musiker, wobei der jüngste der 1963 geborene Pianist Jascha Nestow sei. Die große Zeit eines jüdisch bereicherten Musiklebens in Deutschland möge zwar vorbei sein, resümiert Feinberg, doch gäben die von Annat Feinberg aufgezeichneten Erfahrungen jüdischer Musiker zumindest Anlass für ein wenig Hoffnung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2005

Sehr lesenswert findet Harald Eggebrecht dieses Buch, in dem die Heidelberger Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg Gespräche mit jüdischen Musikern und Musikerinnen führt, die nach 1945 entweder in Deutschland blieben oder hierher kamen. Eine "Fülle von Schicksalen, Werdegängen und Lebenswegen" sieht Eggebrecht zur Sprache gebracht, die ihn alle sehr berührten, besonders hervor hebt er die Überlebensgeschichte des Dirigenten Konrad Latte zum Beispiel, der in Berlin von Freunden versteckt wurde, aber seine ganze Familie in den Konzentrationslager verlor. Sehr aufschlussreich fand der Rezensent auch, was Musiker aus der nachgeborenen Generation zu berichten haben, die mit ihrem Entschluss, in Deutschland zu leben und arbeiten, in ihren Familie auf Unverständnis stießen, hier nennt Eggebrecht die Pianistin Yaara Tal, die Sängerin Helene Schneidermann und den Dirigenten Eliahu Inbal. Deutlich wird schließlich auch, welche Lücke die vertriebenen oder ermordeten Musiker hinterlassen haben, die oft genug durch mittelmäßig Kriegsgewinnler gefüllt wurde.

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