Warum dürfen Juden und Muslime kein Schweinefleisch essen? Warum regelt die Bibel, wie andere heilige Texte, detailliert, was gegessen werden darf, was dagegen als "unrein" gilt? Der Biologe A. Hüttermann hat sich diese Frage gestellt und kommt bei einer naturwissenschaftlichen Lektüre des Alten Testaments zu verblüffenden Ergebnissen. Um in einem äußerst kargen Landstrich zu überleben, mussten die Juden ökologisch wirtschaften. Ein Schwein aufzuziehen, das sich von denselben Pflanzen ernährt wie der Mensch, macht unter landwirtschaftlich schwierigen Bedingungen keinen Sinn. Hat die Bibel also doch recht, enthalten einige der "göttlichen Gebote" wichtige ökologische Aussagen? Als Weisheitsbuch, das aus vielen Quellen schöpft, dokumentiert sie auf jeden Fall ein Naturverständnis, von dem wir - fern aller Glaubensfragen - als professionelle Umweltzerstörer nur lernen können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2003
Der Biologe Aloys P. Hüttermann und sein Sohn, der Chemiker Aloys H. Hüttermann, weisen in dieser Studie nach, dass sich schon die Juden aus alttestamentarischer Zeit auf ökologische Landwirtschaft verstanden, und dass dieses Wissen auch in das Alte Testament selbst eingeflossen ist, so der Rezensent Hansjörg Küster. Schon damals seien aus Erfahrung heraus Naturgesetzmäßigkeiten bekannt gewesen, die später zur Grundlage der Mendelschen Gesetze werden würden. Allerdings seien diese ökologische Vorschriften immer mehr als religiöse Vorschriften verstanden worden, so dass sie auch beibehalten wurden, als die Juden nicht mehr im kargen Palästina lebten.
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