Alice Munro

Zu viel Glück

Zehn Erzählungen
Cover: Zu viel Glück
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100488336
Gebunden, 266 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heidi Zerning. Zuviel oder zuwenig für das Glück gibt es kein Maß, nie trifft man es richtig. Alice Munros Heldinnen und Helden geht es nicht anders, aber sie haben das Zuviel und Zuwenig erlebt: Sie kennen die Namen der Bäume, die Last ungeschriebener Briefe. Sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn man den Mann, der die gemeinsamen Kinder getötet hat, in der Anstalt besucht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.07.2011

Tief berührt haben Rezensentin Jenny Friedrich-Freksa Alice Munros neue, unter dem Titel "Zu viel Glück" erschienene Erzählungen, in denen die Autorin wieder einmal unter Beweis stelle, dass sie auf wenigen Seiten ganze Welten fühlbar machen kann. Munro erzähle, so die Rezensentin, in ihrer unverblümten, einfachen Sprache von den oft in Passivität erstarrten Leben ihrer zumeist weiblichen, verletzlichen Protagonisten, die in der Regel durch einen Zufall gezwungen werden, ihr Leben zu ändern. So begegnet der Rezensentin etwa die schöne Joyce, die mit ihrem Mann ein glückliches Leben in einem Bauernhaus führt, bis jener sich in die raue, tätowierte, ehemalige Alkoholikerin Edie verliebt. Ob die Figuren nach großen Enttäuschungen oder kleinen Entzauberungen ein neues Glück finden, bleibt häufig offen, eines aber, so die Rezensentin, ist sicher: die Sehnsucht nach der Schönheit des Lebens gibt Munro nicht auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2011

Ein ganzes Weilchen nimmt sich Markus Gassers Rezension des jüngsten Erzählungsbands der kanadischen Autorin Alice Munro so aus, als steuerte sie auf einen bösen Verriss zu. Ausführlich wird erklärt, dass Munro zunächst einer sehr grauen und weltlosen Idee von Literatur anhing, während andernorts - namentlich in Lateinamerika - die Romanliteratur geradezu explodierte. Dann aber dreht die Kritik in der Annäherung an diesen Band selbst ganz und gar ab - und zwar Richtung hyperbolische Hymnik. Seit 1974 nämlich, erfahren wir nun, sind die Texte von Munro so stark, dass man glauben könne, Gott habe die Welt vor allem darum geschaffen, "damit Alice Munro darin schreiben konnte". Nicht, dass irgendwas an ihren Erzählungen irgendwie fromm wäre, eher im Gegenteil. An den neuesten schon gar nicht. Da gibt es Motive - einen dreifachen Tochtermörder etwa - direkt aus der Pulp Fiction. Da geht es um Pädophilie, Ertränken und andere unschöne Dinge. Das aber stets großartig und herzerweichend erzählt und also von einer Unübertrefflichkeit, zu deren genauerer Beschreibung nach dem langen Vorlauf in der Rezension leider kaum noch Platz übrig ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2011

Glücklicherweise hat Alice Munro ihren Entschluss, kein weiteres Buch zu veröffentlichen, nicht wahr gemacht, meint Rezensentin Angela Schader. Denn so liege mit "Zu viel Glück" ein weiteres Beweisstück für die Brillanz und erzählerische Souveränität der kanadischen Autorin vor. Ob sie in ihren zehn Erzählungen etwa ein persönliches, pointiertes Porträt der russischen Mathematikerin Sofia Kowalewskaja, die auf der Höhe ihres Erfolges an einer Lungenentzündung stirbt, zeichne oder eine verbilligte Konservendose zum Auslöser für einen Dreifach-Mord werden lasse - immer besteche Munro durch die gekonnte Integration des Abgründigen in das Alltägliche, so die Kritikerin. Dabei seien die Texte, auch wenn sich das Gewaltsame nur in Nuancen zeige, nicht zuletzt dank der "sprachlichen wie sensorischen Aufmerksamkeit" der annähernd Achtzigjährigen virtuos aufeinander bezogen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.07.2011

Zum Achtzigsten Alice Munros bespricht Verena Auffermann den jüngsten Band mit Erzählungen der kanadischen Autorin, die seit Jahren für den Nobelpreis gehandelt wird. Verdient hätte sie ihn nach Ansicht der Rezensentin wohl schon, die diese Texte jedenfalls außerordentlich freundlich bespricht. Am gelungensten findet sie gleich die erste, "Dimensionen", die von einem Vater erzählt, der gleich alle drei seiner Töchter ermordet. In "Tieflöcher" geht wiederum ein Sohn daran, dass ihm die Eltern einst das Leben gerettet haben, zugrunde. Fröhlich und glücklich zu geht es also meist nicht. Anders als früher steht im Zentrum nicht das Private. Dafür große Themen, Leben und Tod, alterswerkmäßig. Nicht immer zur Gänze gelungen: Die im Russland des 19. Jahrhunderts angesiedelte Titelerzählung "Zu viel Glück" scheint Auffermann nicht auf dem üblichen Präzisionsniveau. Was nicht ausbleibt am Ende des Bandes ist dennoch kein Kleines: "Erleuchtung".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.07.2011

Susanne Mayer nimmt ihre Rezension dieses Erzählbandes zum Anlass, seiner Autorin Alice Munro zum bevorstehenden 80. Geburtstag zu gratulieren. Entsprechend würdigt die Kritikerin Leben und literarisches Wirken der kanadischen Schriftstellerin. Der im Original 2009 erschienene und jetzt in "schöner Übersetzung" auf Deutsch vorliegende Band "Zu viel Glück" ist "in seiner erstaunlich makellosen Art ein Meisterwerk", schreibt Mayer. Die zumeist weiblichen Protagonistinnen befinden sich in schwierigen familiären oder wirtschaftlichen Situationen und werden vor "große Lebensfragen" gestellt, erfahren wir. Munro schont ihre Charaktere keineswegs, sondern behandelt sie mit Härte und kühlem Realismus, wie die Rezensentin beobachtet. Das Schicksal hält Mayer dabei für den große Antagonisten von Munros Heldinnen, weshalb Schuld keine anwendbare Kategorie sei. Ihre Großartigkeit beziehen diese Erzählungen nicht aus irgendeiner Moral, sondern aus der Evokation von Mitgefühl, resümiert die überwältigte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2011

Sylvia Staude schätzt an diesen Erzählungen der weisen, alten Dame Alice Munro das Unprätentiöse, fast Somnambule. Eine Unauffälligkeit, hinter der allerdings nicht weniger als meisterliche Kunstfertigkeit und ein klarer Blick stecken, wie Staude bekräftigt. Im Verein mit jeder Menge Gewalt, Krankheit und Tod, durch die die Autorin feine Sonden in Richtung der jeweiligen Lebenszusammenhänge schickt, im Verein auch mit Glück wird daraus für die Rezensentin ein kompletter erzählerischer Kosmos, Fakt und Fiktion.
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