Alberto Manguel

Stevenson unter Palmen

Eine metaphysische Kriminalgeschichte
Cover: Stevenson unter Palmen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783100477507
Gebunden, 109 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Chris Hirte. Es ist der Traum jedes Schriftstellers, seinem eigenen Tod zu begegnen und so zumindest eine Geschichte lang Macht über ihn zu haben. In Alberto Manguels Erzählung "Stevenson unter Palmen" scheint sich dieser Traum gegen den Autor zu richten. Robert Louis Stevenson, der berühmte Schöpfer der "Schatzinsel" und von "Dr. Jekyll und Mr Hyde", hat sich von den kalten Nebeln Schottlands in die Südsee zurückgezogen. Doch plötzlich begegneter einem Mann mit vertrautem Akzent, ein Missionar mit harten Zügen. Und es ereignen sich mysteriöse Dinge, in deren Urheber alle Stevenson sehen ? Eine phantastische Erzählung und eine metaphysische Kriminalgeschichte. Illustriert mit unbekannten Holzschnitten von Robert Louis Stevenson.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2003

Thomas Hermann scheint beeindruckt von diesem literarischen Projekt, für das der Autor Alberto Manguel den Erfinder der Figuren Jekyll und Hyde, Robert Louis Stevenson, in eine Doppelgängergeschichte setzt. Die spielt sich in tropischem Ambiente ab, auf Samoa. Neben der Krimi-Ebene - Stevenson ist mit seinem Gegenüber gar nicht im reinen - hat der Roman laut Hermann auch eine politische Ebene, denn er stelle die Frage "nach der kollektiven Schuld der kolonialen Oberschicht, gegenüber deren Verbrechen die Einheimischen ohnmächtig sind". Und zudem kann man ihn nach Meinung des Rezensenten durchaus auch "metafiktional" nennen, denn es wird auch das Spannungsfeld zwischen "erfundenen" und "wahren" Geschichten ausgelotet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2003

Für Wolfgang Schneider ist Manguels metaphysische Kriminalgeschichte nicht mehr als ein "leicht bekömmlicher Stevenson-Remix", der sowohl Szenen aus dem Leben des britischen Schriftstellers in eine Kriminalhandlung fasse als auch an seinen Schreibstil erinnere. So hat der Rezensent Stevensons "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" als strukturelle Grundlage für Manguels Geschichte ausgemacht. Gut und Böse mischen sich nicht: Bei Stevenson sind sie fein säuberlich auf "zwei aparte Seelenhälften" verteilt, bei Manguel tritt Stevenson gegen den fanatischen Missionar auf Samoa an. Fast enttäuscht stellt der Rezensent fest, Manguels Stevenson sei ein "distinguierter, affektkontrollierter Mann". Und das Böse fasziniere nicht, sondern bleibe Zitat. Schneider kann sich nicht entschließen, ob er diese "Schwarzweißeffekte als Schwäche rügen oder als Stevenson-Anleihe raffiniert" finden soll. Auf jeden Fall tauge das Buch dazu, dem in Deutschland unterschätzten Stevenson mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
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