Alice Munro

Tricks

Acht Erzählungen
Cover: Tricks
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100488268
Gebunden, 384 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heidi Zerning. Geschichten, die von Frauen und Mädchen handeln, von Bedrohungen, geheimen Sehnsüchten und Leid, von rätselhaften Mustern in vermeintlich unscheinbaren Leben - Geschichten von bestürzender Intensität und Dramatik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2006

Restlos ins Schwärmen gerät die Rezensentin Verena Auffermann angesichts dieses jüngsten Erzählbandes der kanadischen Autorin Alice Munro. Mit dem Verweis auf Einflüsse und Vorbilder wie Tschechow und Shakespeare will sie durchaus auch Munro selbst nobilitieren, der es zentral um das gehe, was das Leben aus uns macht, mit dem Vergehen der Zeit, mit den Erfahrungen, die wir machen. Und doch spiele gerade der Zufall eine sehr große Rolle, wenn zusammentrifft, was nicht - oder vielleicht doch - zusammengehört, wie etwa Juliet auf den verheirateten Mann, den sie liebt, ausgerechnet am Tag, an dem er seine Frau beerdigt. Spuren der Tagesaktualität finden sich kaum in diesen Erzählungen, so Auffermann, aber das sei gerade eine Stärke, denn zu entdecken seien deshalb "Strukturen" von Zusammenhängen, die so schnell nicht veralten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2006

Schwer zu sagen oft, wie Alice Munro es hinbekommt, die Leserin und den Leser in ihren Geschichten immer wieder zu packen, staunt Rezensent Harald Hartung. Kein Zweifel aber: es gelingt, gerade in der "kunstlosen Kunst", mit der die Kanadierin zu erzählen versteht. Keine großen romanhaften Bögen gibt es in diesen Texten, nicht einmal novellistische Zuspitzungen. Vielmehr geschieht, was geschieht, ohne tieferen Sinn, wie es scheint, und Regie führt immer nur der Zufall. Drei der versammelten Geschichten haben dieselbe Protagonistin, Juliet, eine klassische Philologin, der etwa geschieht, in dem Zug zu sitzen, der den Mann überfährt, mit dem sie zuvor etwas anfangen wollte. So, nämlich "beiläufig katastrophisch", geht es bei Munro meistens zu. Wie die Menschen mit diesen blinden Widerfahrnissen umgehen, darum, mutmaßt Hartung, ist es der Erzählerin Munro zu tun. Und wie sie weitermachen und ihre "Lebenszähigkeit" beweisen, das scheint sich dann doch fast als optimistisch begreifen zu lassen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.07.2006

Alice Munros Erzählungen machen süchtig, findet die Rezensentin Susanne Messmer und versucht am Beispiel der ersten Erzählung "Ausreißer" zu erklären, was den speziellen Reiz und Reichtum von "Tricks" ausmacht. Wie die Rezensentin festhält, teilt "Ausreißer" sein Grundmotiv mit den übrigen Erzählungen des Bandes: Eine junge Frau - hier Carla - bricht aus vorgezeichneten Bahnen aus, und muss daraufhin erkennen, dass sich ihr nicht etwa Lebensbrachland bietet, sondern lediglich eine neue Bahn. Und tatsächlich entsteht bei der blassen Carla, die ihren Ausbruch eigentlich schon hinter sich hat und mit Freund Clark im Wohnwagen durchgebrannt ist, allmählich das Bedürfnis, auch diese neue Bahn wieder zu verlassen. Wie dieses Bedürfnis reift und schließlich zum Entschluss wird, schildert Munro auf eine bemerkenswert schlichte und zurückhaltende, unanalytische Art und Weise, die Munros außergewöhnliches Talent, "sich in verschiedenste miefige Milieus der letzten fünfzig Jahre und ebenso hilflose wie trickreiche Charaktere hineinzudenken und mit einfachsten Begriffen deren Gemütszustand zu präzisieren", aufs Neue belege. Einen kleinen Wermutstropfen hat die Rezensentin allerdings doch zu beklagen: Stellenweise rühre sich im Leser der Verdacht, dass Munros Verwendung von "Zeitsprüngen und Auslassungen" nurmehr zur schockeffekt haschenden Masche geworden sei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2006

Alice Munros Spezialität sind "eng gesteckte Frauen- und Kinderschicksale", und das seit vierzig Jahren. Umso bemerkenswerter findet die Rezensentin Angela Schader, dass Munro immer neue Konstellationen gelingen, und dass sie "keine Figur an ein Ideal und keinen Erzählgang an eine Ideologie verkauft". Allerdings, so die Rezensentin, nehmen sich die vorliegenden acht Erzählungen deutlich finsterer als sonst aus, und rücken mitunter in die Nähe des amerikanischen southern gothic. Doch Munro unternehme höchstens äußerliche Anleihen an dieses Genre, etwa wenn sie sich in der Erzählung "Ausreißer" die "Nebelschwaden, die Silhouette einer Ziege und das Scheinwerferlicht eines vorüberfahrenden Autos" des southern gothic wie Requisiten ausborgt, die eigentliche Spannung jedoch in die Dialoge legt. Allen Erzählungen gemeinsam sei, dass den Protagonistinnen höchstens "Pyrrhussiege" vergönnt sind. Sehr eindringlich beschrieben findet die Rezensentin, wie gerade die besten Absichten , etwa die moderne, liberale Erziehung, sich als grausame "Zumutung" erweisen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2006

Eva Menasse schwärmt von der lange Zeit unterschätzten Kanadierin Alice Munro, die sich ein unspektakuläres Schriftstellerleben hindurch an die Spitze der Weltliteratur geschrieben habe. Fest stehe, dass die Autorin in ihren scheinbar einfachen Geschichten über normale Menschen eine subversive "Kunst des Understatments" pflege. Erst in der "merkwürdigen Dramaturgie und den schrägen Ausschnitten" offenbare sich das Können der Autorin, der es darum gehe, einzelne Momente herauszupräparieren, die ein Leben auf die Probe stellen. Auch in den neuen Erzählungen, in deren Mittelpunkt zumeist Frauen stehen, geht es laut Menasse um Verfehlungen, verpasste Augenblicke und hinausgezögerte Entscheidungen, die zu folgenschweren Missverständnissen führen. Irritierend und rätselhaft an den Munroeschen Geschichten bleibe ihre Offenheit, die sich einer letzten Analyse entziehen: Man komme ihr nicht auf die Schliche, so die Rezensentin.
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