Alice Greenway

Schmale Pfade

Roman
Cover: Schmale Pfade
Marebuchverlag, Hamburg 2016
ISBN 9783866482326
Gebunden, 368 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Modick. Der alte Jim Kennoway hat seine Frau verloren und mit ihr den Willen zu leben, nun wohnt er zurückgezogen auf einer Insel vor der Küste Maines. Der einst anerkannte Ornithologe hat inzwischen nur noch drei Dinge im Sinn: trinken, rauchen und vergessen. Doch mitten im Sommer taucht ein ungewöhnliches Mädchen bei ihm auf. Cadillac Baketi, eine junge Salomonerin, hoch aufgeschossen, schlau und erfrischend unverblümt, ist die Tochter von Tosca - gemeinsam mit ihm als Inselscout hatte Jim 1943 während des Pazifikkriegs japanische Schiffe ausgespäht. Jetzt, dreißig Jahre später, schickt ihm Tosca seine Tochter, denn sie soll sich an das Leben in Amerika gewöhnen, bevor sie im Herbst ihr Medizinstudium in Yale beginnt.
Jim ist bedient, er kann keinen Besuch gebrauchen - und schon gar keinen, der Erinnerungen an den Krieg, seine Jugend und seine große Liebe heraufbeschwört. Möglicherweise aber ist Cadillac genau die Richtige, um ihm dabei zu helfen, seinen Frieden mit einem düsteren Kapitel seiner Vergangenheit zu machen. In einer an Bildern reichen, intensiven Sprache erzählt Alice Greenway die Geschichte eines Mannes, den das Schicksal im Lauf seines Lebens immer aufs Neue herausgefordert hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.07.2016

Alice Greenways Roman, aus für Rezensentin Sylvia Staude unerfindlichen Gründen im Deutschen "Schmale Pfade" genannt, ist kein "Junge-Frau-gibt-altem-Mann-neuen-Lebensmut-Geschichte", wie man es vielleicht nach dem Klappentext erwarten würde, schreibt sie. Greenways Protagonist ist ein verbitterter alter Mann und bleibt ein verbitterter alter Mann, dem allein Vögel, Alkohol und Zigaretten etwas bedeuten, lesen wir. Was ihn dazu gemacht hat - der Krieg - weiß die Autorin auf beeindruckende Weise mit rationalen, ergreifenden Bildern zu zeigen und springt dabei geschickt zwischen der Gegenwart von 1973, in der der Roman spielt, und der Kriegsvergangenheit hin und her, lobt die Rezensentin. Auch das "intensive Flimmern", das Greenway in ihren Naturbeschreibungen einfängt, gefällt Staude. Von den meisten Figuren ist sie allerdings weniger überzeugt. Farblos und uninteressant erscheinen ihr diese teilweise. Dass sie den Roman trotzdem empfehlen würde, lässt sich nur zwischen den Zeilen lesen.