Übersetzt und herausgegeben von Hans Jörg Glattfelder. Kojeve skizziert in "Die konkrete Malerei Kandinskys" in gedrängter Form, wie ästhetische Phänomene begrifflich angegangen werden können, und dies hebt die Bedeutung seines Textes über chronologische Überlegungen hinaus: Seine Gedanken sind auch nach siebzig Jahren noch eine substanzielle Bereicherung des Gedankengebäudes, das sich um die konkrete Kunst aufgebaut hat. Es handelt sich überdies geschichtlich um den ersten großen kritischen Text, der über die konkrete Kunst geschrieben wurde. Bis anhin wurde Kojeves Essay jeweils im Zusammenhang mit - und bezogen auf - Kandinsky publiziert und gelesen. Der Titel enthält jedoch auch den Begriff "konkret", ist aber in den Reihen jener, die sich mit konkreter Kunst befassen, bisher fast gar nicht wahrgenommen worden. Die Art und Weise jedoch, wie Kojeve diesen Begriff des Konkreten durch das - und aus dem - kunstvollen dialektischen Gefüge seines Gedankengangs herausschält, bietet eine sichere Handhabe für alle möglichen Formen denkender Kunstbetrachtung. Das französische Manuskript blieb vorerst unpubliziert im Besitz und später im Nachlass Kandinskys, und wurde in einer gekürzten Fassung 1964 erstmals publiziert. Die vorliegende Übersetzung bildet die deutsche Erstausgabe dieses Textes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2006
Der Rezensent Felix Philipp Ingold findet die Begrifflichkeiten von Alexandre Kojeve zum Thema moderne Kunst und Malerei bisweilen etwas mühsam zu verdauen, weil die Zuschreibungen oft entgegen ihrer landläufigen Bedeutung eingesetzt werden. Aber sie sind eben auch interessant, weil gedanklich komplex - und zudem ein "hilfreiches Korrektiv" zur heutigen Diskussion in der Szene, die sich laut Ingold "irgendwo zwischen süffisanter Dekonstruktion und popularisierender Herablassung eingependelt hat". Eigentlich kennt der Rezensent Kojeve - er war gleichzeitig Neffe des Malers Wassily Kandinsky - als Verfasser von Schriften zu Philosophie und Justiz.
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