Alexander Ikonnikow

Liska und ihre Männer

Roman
Cover: Liska und ihre Männer
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498032166
Gebunden, 189 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Annelore Nitschke. Liska, eine junge Russin vom Land, wagt den Sprung in die nächstgrößere Stadt. Auf der Flucht vor den üblen Nachreden des Heizers Pascha stolpert sie von Mann zu Mann: von einem sie um den Finger wickelnden Kartenspieler in die Arme eines Parteifunktionärs, aus der Ehe mit einem schmucken Trolleybusfahrer zu einem Kriegsveteranen, der irgendwo im Süden seine Zukunft verloren hat, und noch immer ist sie auf ihrer Suche nach Arbeit und Liebe nicht am Ziel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.06.2004

Alexander Ikonnikows Geschichten spielen in einem Russland, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, mögen die Systeme einander auch ablösen. In seinem vorigen Buch, so Christoph Bartmann, hat er die "russische Dorfgeschichte" wiederbelebt und sich so "zwangsläufig den Ruf eines Tschechow von heute eingehandelt". Milde karikiert Ikonnikow seine - so scheint es - ewigen Russen, so dass sich der Rezensent fragt, ob er einer "ethnographischen Konstante" auf der Spur ist oder ob ihm die Wirklichkeit schlichtweg egal ist. In "Liska und ihre Männer" geht es um, na ja, Liska und ihre Männer, irgendwo in Russland. "Während das Land verrückt wird", schreibt Bartmann, "tun Liska und ihre Männer, wie es scheint, das Immergleiche, von den Umständen und vom Wodka Vorgegebene". Bis der Rezensent, sachte positiv gestimmt, schon angenehm eingelullt war von der ewigen Wiederholung. Umso überraschender, als im letzten Kapitel des Buches plötzlich eine Figur auftaucht, die sich als "Ich" zu erkennen gibt und Anstalten macht, Liskas Leben zu ändern. Doch dann ist auch schon Schluss.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2003

Mit der 17jährigen Liska, die sich Anfang der neunziger Jahre aus der russischen Provinz in die Stadt begibt, hat Alexander Ikonnikow eine Hauptfigur erschaffen, der es an jeglicher Eigenschaft mangelt, und damit dem "Leser keinen Gefallen getan", findet Adam Olschewski. Das ausgeprägteste Merkmal sei noch ihre "Naivität", die ihr den titelgebenden Männerreigen beschert, den Liska "unzureichend gewappnet, schmerzvoll, aber ohne jeglichen Lerneffekt bewältigt". Zwar attestiert der Rezensent dem Autor eine "zumeist gelenkige Sprache", doch sei er bei jedem Neuanlauf "gescheitert", "aus den Figuren Erzählenswertes zu heben". Offensichtlich gelangweilt zeigt sich Olschewski von der "Darstellung des Täglichen" und mutmaßt, dass selbst dem Autoren der "Sinn abhanden" gekommen sei, "wozu es gut sein soll". Dass die Übersetzung noch dazu eine fehlerhafte ist, wie der Rezensent weiß, sei wenig hilfreich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003

Die "russische Frau" ist der "beständigste" russische Mythos, meint Thomas Fitzel. Im vorliegenden Roman, der die Geschichte der vaterlos aufgewachsene Liska erzählt, wird einmal mehr dieser Mythos beschworen, so unser Rezensent. Dabei schreibt der russische Autor Alexander Ikonnikow kein "Wort zuviel", stellt der Rezensent in seiner knappen Besprechung fest. Ganz so viele Männergeschichten, wie der Titel vermuten lassen könnte, sind es bei der Hauptfigur nicht, beruhigt Fitzel, denn "im Grunde ihres Herzens" sei Liska "treu". Doch ob sie am Ende den Richtigen findet, will der Rezensent natürlich nicht verraten, auch wenn er bekennt, dass dies noch immer das "schönste aller Themen" ist. Für Schmid ist Liska ein russischer "Prototyp". Deshalb findet er es nur folgerichtig, dass Ikonnikow von ihr auch "prototypisch", dabei "heiter und unterhaltsam" erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2003

Eine spezifische Rolle für die Frau sah der sowjetische Kommunismus nicht vor, schreibt die Rezensentin Katharina Granzin. Die herrschende Ideologie sah in der Frau ein eher geschlechtsloses Wesen, das sich jedoch auf "libidinöse" Weise der Arbeit hingab. Dass dem nun nicht mehr so ist, zeigt die Rezensentin an drei neueren russischen Romanen auf, die mit dem Klischee der sowjetischen Heldin aufräumen: Alexander Ikonnikows "Liska und ihre Männer", Michail Kononows "Die nackte Pionierin" und Svetlana Vasilenkos "Die Närrin". Alexander Ikonnikows "kleiner" Roman um die von zuhause fliehende Liska, die sich "von Arbeit zu Arbeit" und "von Mann zu Mann" hangelt, hat die Rezensentin allerdings nur mäßig überzeugen können. In Liska habe Ikonnikow den Inbegriff einer "phlegmatischen Provinzgesellschaft" gezeichnet, die in ihrem "privaten" Umtreiben bestenfalls am Rande vom der "Politik" gestreift werde. Nicht dass das Buch sonderlich schlecht wäre, aber so schnell es sich weglese, so schnell sei es auch schon wieder vergessen, was, wie Granzin vermutet, vielleicht an der "seltsam konturlosen" Liska liegt, die Ikonnikow nur als "Erzählanlass" für seine Episoden" zu dienen scheint, und die mit der etwas knappen Charakterisierung ihrer "hübschen Beine" und ihres etwas kargen Busens auskommen muss.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

Mit etwas zwiespältigen Gefühlen rezensiert Rolf-Bernhard Essig Alexander Ikonnikows ersten Roman "Liska und ihre Männer", den dieser nun nach seinem Erzähldebüt "Taiga Blues" veröffentlicht hat. Insgesamt überwiegt der positive Eindruck, vor allem weil die Hauptfigur, jene unverwüstliche Liska, die eine Reihe von Männern verführt, liebt, heiratet oder verlässt, eine beeindruckende Persönlichkeit "mit innerer Polsterung" ist, meint Essig. Gleichwohl vermerkt der Rezensent einige gravierende handwerkliche Mängel: eine recht konventionelle Sprache, darüber hinaus noch "adjektivselig" und manchmal haarscharf am Kitsch vorbeischrammend, Inkonsequenzen in der Erzählperspektive und einen Hang zum Episodischen. Auch die Übersetzung scheint Essig nicht rundum gelungen, immer wieder klinge ein angestaubter 50er-Jahre-Ton durch, beklagt er. Dennoch birgt der Roman seines Erachtens "Perlen", die das Unbehagen wettmachen: einige atemberaubende Dialoge und Situationsbeschreibungen, die von großer Lebendigkeit zeugten.
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