Auf der Basis historischer, kunsthistorischer und archäologischer Quellen untersucht der Text die slawische Kultur vom 6.-12. Jahrhundert und zeigt die engen Verflechtungen der historischen Ereignisse mit der kulturellen Entwicklung. Im Mittelpunkt steht dabei die Fragestellung nach der Eigenständigkeit der slawischen Kulturen und dem Stellenwert der byzantinischen Einflüsse, die in der wissenschaftlichen Literatur immer wieder konträr diskutiert wurde. Die Entwicklung der slawischen Herrschaftskomplexe wird als ein historisches Phänomen beschrieben, dessen Prämissen und Implikationen nicht isoliert, sondern in ihren Wechselwirkungen und Interferenzen betrachtet werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Wirken Kyrills und Methods und dessen traditionsstiftendem, für die Etablierung der slawischen Kulturen immer wieder neu aktualisiertem Einfluß.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2000
Der vom Institut für Österreichische Geschichtsforschung herausgegebene Band macht die schlechte Quellenlage zum Thema wett. Schenken wir dem Rezensenten Hartwin Brandt Glauben, so hat Alexander Avenarius sogar eine höchst virtuose historische Untersuchung zur byzantinischen Kultur im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa vorgelegt. Das zunächst "reichlich gestelzt formulierte Programm" der Arbeit, so Hartwin Brandt, werde "glücklicherweise" handfest ausgeführt, so etwa in der Interpretation von Kunstwerken, Münzfunden und Wortfelduntersuchungen. Einen großen Vorzug der Arbeit sieht der Rezensent außerdem in der separaten Untersuchung einzelner Gebiete. Avenarius zeige, dass die byzantinischen Einflüsse etwa in Mähren, Böhmen, Bulgarien und Ungarn jeweils ganz verschiedene Wirkungen erzielten. Nicht zuletzt dadurch, bedankt sich Brandt, stellt die Untersuchung eine Bereicherung unserer Kenntnis von der Entstehungsgeschichte der heutigen europäischen Kulturen dar.
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