Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Die schöne Andre bricht in das Leben von vier Freunden ein und verändert es für immer. Im Turin der 1970er Jahre wachsen Bobby, Luca, Santo und der namenlose Erzähler im katholisch-kleinbürgerlichen Milieu auf. Fromm und verklemmt wie ihre Eltern gehen die jungen Männer in die Kirche und halten sich von Frauen fern. Bis die verführerische Andre auftaucht, die sich nicht schämt, ihren Reichtum und ihre Sexualität zu zeigen. Einen nach dem anderen zieht sie in ihren Bann, und Religion und Moral verlieren im Nu an Bedeutung. Alessandro Baricco, eine der großen Figuren der Literatur in Italien, zeichnet das Porträt einer Generation, die an Gott und der Tradition zweifelt, vor allem aber an sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2013
In Italien ist Alessandro Baricco nicht bloß ein bekannter Schriftsteller, sondern als TV-Moderator ein omnipräsenter Medienstar, weiß Franz Haas. Was den Rezensenten an Bariccos neuestem Roman "Emmaus" am meisten überzeugt, ist das Milieu: streng katholische Jugendliche im Turin der "gar nicht so wilden" Siebziger, die durch eine verführerische Fremde in ihrem Glauben und Weltbild erschüttert werden. Die Lebenswirklichkeit dieser Jugendlichen trifft der Autor präzise, findet Haas, bemängelt jedoch, dass der Autor nicht immer den richtigen Ton trifft, wenn er die Denkräume seiner Protagonisten wiedergibt und sie beispielsweise über das "Eindringen des Absurden in die Geometrie des gesunden Menschenverstands" philosophieren lässt. Ein Vorwurf, den der Rezensent ausdrücklich nicht an die "tadellose Übersetzerin" Annette Kopetzki gerichtet verstanden wissen möchte.
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