Cesare Pavese

Die einsamen Frauen

Roman
Cover: Die einsamen Frauen
Claassen Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783546004381
Gebunden, 206 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Mit einem Nachwort von Maike Albath und zwei Briefen von Italo Calvino. Aus Rom kehrt Clelia in ihre Heimatstadt Turin zurück, die sie vor siebzehn Jahren verlassen hat. Aus dem ehrgeizigen Mädchen ist eine erfolgreiche Frau geworden. Sie hat in der Modebranche Karriere gemacht und verspürt kein Bedürfnis, sich zu binden. Kaum angekommen, erlebt sie den Selbstmordversuch einer Tochter aus reichem Hause mit. Die junge Rosetta wird für Clelia zum Spiegelbild ihrer selbst, sie möchte die Gründe für die Verzweiflung des Mädchens herausfinden. War es Liebeskummer? Oder Lebensüberdruss? Oder die eng begrenzte Rolle, die das elegante Turin seinen Töchtern aufzwingt und die schon Clelia in die Flucht getrieben hat? Bestürzend modern liest sich der 1949 erschienene Roman. Cesare Pavese zieht die Bilanz eines Frauenlebens zwischen Beruf und Familie und lotet erbarmungslos die Grenzen menschlicher Freiheit aus. Das Nachwort der Literaturkritikerin Maike Albath führt ein in Leben und Werk des großen Schriftstellers.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2008

"Die einsamen Frauen" ist einer der letzten Romane, die Cesare Pavese vor seinem Selbstmord 1950 schrieb. Der Rezensent Franz Haas hält den Roman daher mit dem Wissen um Verdrängtes und verstecktes Leid in den Händen und sieht in der Protagonistin Clelia all die Einsamkeit vereint, die Pavese laut Haas in sich trug. Das Buch sei "raffiniert einfach" erzählt und seiner Zeit des italienischen Neorealismus deutlich voraus. Beeindruckend schaffe es der italienische Autor, die gefühlte Sinnlosigkeit und moralische Leere der Zeit einzufangen und durch die Perspektive einer Außenseiterin scharfsinnig zu attackieren. Clelia landet in der dekadenten Turiner Gesellschaft, wo sie einst aufgewachsen ist, berichtet Haas. Sie möchte sich nicht anpassen, flüchtet sich lieber in die Einsamkeit und lässt ihren destruktiven und menschenverachtenden Gedanken freien Lauf. Italo Calvino, dessen Brief an Pavese sich im Anhang befindet, hat die unglaubwürdige Frauenperspektive kritisiert - für Haas war dies jedoch völlig irrelevant, da es ihm zufolge um mehr als "zickige Frauen" gehe. Haas entdeckt im Roman Paveses "verspiegeltes Selbstbildnis".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2008

Zum hundertsten Geburtstag ehrt der Claassen Verlag den italienischen Autor Cesare Pavese mit einer ausgezeichneten Neuübersetzung des Romans" Die einsamen Frauen" durch Maja Pflug, lobt ein sehr eingenommener Lothar Müller. Im Abschlussband seiner Turiner Trilogie von 1949 zeichnet Pavese nicht nur eine politische und literarische, sondern auch so etwas wie eine "sexuelle Landkarte" Turins in der Nachkriegszeit, findet der Rezensenten. Die ungebundene, ehrgeizige und zunehmend desillusionierte Clelia kehrt in ihre Heimatstadt Turin zurück, um dort die Filiale eines Modeateliers aufzubauen und taucht in die erotisch aufgeladene, "fiebrige" Atmosphäre der Nachkriegszeit ein, erklärt Müller, den besonders die eigenartige, sich nirgends entladene Spannung dieses Romans fesselt. Die neue Übersetzung von Maja Pflug preist er nicht nur für ihre kühle Eleganz, er findet besonders die "ostentativ lasziven und vulgären Dialoge" sehr überzeugend ins Deutsche übersetzt. Dazu kommt eine erzählerische Ökonomie, die Pavese in diesem Buch an den Tag legt, die alles "Überflüssige" ausspart, wie der Rezensent anerkennend feststellt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.09.2008

Mit höchstem Lob versieht Rezensentin Kristina Maidt-Zinke diese Neuübersetzung eines der bedeutendsten Romane Cesare Paveses, der nun zu seinem hundertsten Geburtstag wieder aufgelegt wurde. Erst durch die Übersetzung von Maja Pflug werde wirklich deutlich, welche "musikalische Magie" Paveses "glasklare, alltagsnahe, an amerikanischen Vorbildern" geschulte Sprache habe, die seine Literatur für die Rezensentin in die Nähe der Neorealisten rückt. Fasziniert schreibt sie auch vom "Eigenartigen" dieser Prosa, ihrer Spannung zwischen "einem geradezu rücksichtslosen vordergründigen Erzählton" und einer "atmosphärisch hochwirksamen Feinarbeit". Der Roman handelt ihrer Inhaltsskizze zufolge von einer Turinerin aus kleinen Verhältnissen, die in der römischen Modeszene aufgestiegen ist und in einem Selbstmord gefährdeten jungen Mädchen ihrem Spiegelbild begegnet. Die Rezensentin findet im Roman nicht nur höchst beeindruckend das Phänomen der "Arbeitseinsamkeit" beschrieben, sondern auch Paveses Selbstmord literarisch vorweg genommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2008

Um diesen Autor neu zu entdecken, rät Anja Hirsch zu vorliegender Neuausgabe des letzten Romans von Cesare Pavese. Nicht nur erscheint ihr die neue Übersetzung von Maja Pflug musikalisch und viel deutlicher als die alte Textfassung, des Autors Ruf als Begründer der italienischen literarischen Moderne sieht sie durch dieses Buch samt seinem "klugen" Nachwort auch bestätigt. Dass Hirsch sich nicht täuschen und von dem "Dauer-Parlando" der Turiner Damenwelt einlullen lässt, als läse sie Proust, ist der Beweis. Der von Pavese installierte Widerhaken greift und die Rezensentin ist gewarnt. An der beobachtenden, "vom Rande her" berichtenden Rolle der Protagonistinnen hat sie fortan keinen Zweifel mehr. Was zunächst als Leidenschaftslosigkeit erscheint, gerät für Hirsch so zur "reizbaren Lakonik" und offenbart ihr die "magische Melancholie" des Textes.
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