Alessandro Baricco

City

Roman
Cover: City
Carl Hanser Verlag, München 2000
ISBN 9783446199040
Gebunden, 329 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Anja Nattefort. Shatzy Shell, eine junge Frau ohne besondere Eigenschaften, lernt bei einer Telefonumfrage das Wunderkind Gould (elf Jahre und Promotion in theoretischer Physik) kennen. Ein ungleiches Paar, das im Radio Boxkämpfen lauscht, Western erfindet und sich zwischen Universität, Wohnung und Fußballfeld bewegt. Gemeinsam mit Diesel dem Riesen und Poomerang dem Taubstummen geraten sie in allerlei seltsame Geschichten. Ein Roman wie eine Stadt: voll skurriler Menschen, die sich zusammentun - witzig, phantasievoll und berstend vor urkomischen Dialogen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2001

Einen zwiespältigen Eindruck hat das Buch bei unserem Rezensenten hinterlassen. Zwar weiß Giovanni di Stefano um die Möglichkeiten von Bariccos Poetik, hinter dem Trivialen "eine andere Wirklichkeit aufblitzen zu lassen", der vorliegende Text aber bleibt ihm allzu oft einfach banal. Das Unglaubwürdige, "wie aus der Welt der Werbung, der Comics oder der billigen Shows herausgerutscht", das di Stefano an den Figuren und der Rahmenhandlung ausmacht und bei dem er gleichfalls vergeblich nach dem Aufscheinen des Authentischen sucht, wird zu einer Stärke des Textes offenbar nur in dessen Abschweifungen "in der Art von TV-Serials": In diesen Miniaturen zeige der Autor seine Fähigkeit, spannende Situationen aufzubauen und aufhellende Details hervorzuheben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Baricco liebt Metaphern. Das hat er mit "Seide", seiner "Parabel auf die Liebe", bewiesen und das ist auch mit "City" nicht anders. Hier wie dort geht es um "Schleifen", so Rezensentin Jenny Friedrich-Freska. Die Schleifen von "City" ziehen sich durch Amerika, "zwischen verschiedenen Zeiten" und "um die großen Fragen: Wer bist du? Wer willst du sein? Und wie sehen dich die anderen?" Diesen Fragen nähern sich die beiden Protagonisten unterschiedlich: Der 12jährige Gould über Boxkämpfe, die er - eingeschlossen im Klo - kommentiert, während sich sein Kindermädchen Shatzy an einem Western abarbeitet. Baricco kommt "nicht um das Klischee der ehrgeizigen Professoren und des emotional vernachlässigten Genies herum", meint die Rezensentin. Sie hat die Protagonisten - und somit das Buch - aber trotzdem gern: weil Baricco Empfindungen gut und "mit Witz" beschreibt, weil man Teile des Westerns und über 15 interessante Seiten lang die Beschreibung eines Boxkampfs lesen kann, und weil alle Personen "ein klein wenig neben sich" stehen.
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