Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Funkensprühende Geschichten des Erzählers Italo Calvino. Von den Piraten um Francis Drake, den Verschwörern gegen Cäsar bis zu einem Interview mit Montezuma und dem Neandertaler.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2004
Italo Calvino, 1985 überraschend gestorben, besaß die seltene Gabe einer "ungezwungenen Leichtigkeit" und einen Witz, so Maike Albath, der die absurden Seiten des Daseins spielerisch und komisch vermittelte. Bei aller Liebe zum literarischen Formspiel (Calvino gehörte der französisch-internationalen Gruppe Oulipo an) hätte Calvino jedoch auch an die erkenntnistreibende Kraft der Literatur geglaubt, erklärt die Rezensentin. Im jüngst bei Hanser erschienenen Band, der Erzählungen, Prosaskizzen, Romanfragmente, Zeitungsartikel, fiktive Interviews sowie Essays aus den 40er bis 80er Jahren enthält, sieht Albath mehrfach Beweise für ihre These des Gesellschaftskritik betreibenden Autors gegeben. Am besten passe dazu die Titelgeschichte des Bandes, worin eine ganze Kompanie in einem fiktiven Militärstaat zwecks potentieller Säuberungsaktionen in eine Bibliothek geschickt und beim Lesen vom Erkenntnishunger gepackt wird und letztlich in den Ruhestand versetzt werden muss, um eine weitere moralische Zersetzung des Staates zu verhindern. In seinen theoretischen Aufsätzen lege Calvino dagegen eine "bestechende Intellektualität" an den Tag, schreibt Albath, welche die Rezensentin in ihrer Verpflichtung zu geistiger und ästhetischer Freiheit nachhaltig beeindruckt hat.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.05.2004
Gabriele Killert ist beglückt von Italo Calvinos kluger, sentimentaler Milde. Der Mensch - einsam und sich von der Illusion der Nähe nährend, in der Moderne gelandet und doch nichts verstehend - ist Thema dieser "eleganten kleinen Geschichten" aus dem Nachlass. Calvino, schreibt die Rezensentin, "betrachtet seine Figuren mit der Barmherzigkeit einer italienischen mamma und der unbestechlichen Logik eines Father Brown. Er sieht ihre Verlorenheit, die vergeblichen Anstrengungen dieses animal rationale, sich aus seiner Tierheit herauszuarbeiten." Es ereilt ihn eine Epiphanie, er erkennt - und im nächsten Augenblick kann er den Gedanken nicht mehr greifen - so leben wir. Er spürt seine Distanz und hat einen Moment lang das Gefühl, sie zu überwinden - so entsteht die Liebe. Und Calvino spaziert durch das "Labyrinth" unseres Nichtverstehens "wie durch einen Lustgarten". Die Rezensentin ist ihm gern gefolgt.
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