Gabrielle Wittkop

Der Witwer von Venedig

Roman
Cover: Der Witwer von Venedig
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446202252
Gebunden, 112 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Alvise Lanzi ist zum vierten Mal Witwer geworden, innerhalb von nur dreißig Jahren. Im Venedig des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist nichts so, wie es scheint. Die Stadt gleicht einem berauschenden Fest, es ist niemandem zu trauen. Gabrielle Wittkops Roman ist eine Hommage an die untergehende Stadt Venedig und zugleich ein raffiniertes ästhetisches Vergnügen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Eine "schreibende Atheistin", eine "spätberufene große Schriftstellerin": so schüttet Uli Aumüller das Füllhorn des Lobes aus über Autorin und Roman. Begeistert von der Raffinesse dieser "spannende historische Kriminalroman" - es geht um die Ermordung der vier Ehefrauen eines venezianischen Kaufmannes im 18. Jahrhundert - ist Aumüller deshalb, weil hier, wie er schreibt, "in Wirklichkeit ein ästhetisches Verwirrspiel, ein travestierendes Erotikon" vorliegt. Dabei dienen der klugen Frau die "literarischen Traditionen und Motive" des 18. Jahrhunderts ebenso als "Spielmaterial" wie die Bilder venezianischer Rokokomaler. Venedigs Maskeraden und Heimlichkeiten sind das "Dekor" für das Spiel der "Laster, Morde und Perversionen". Wittkop, die sich offen zu ihrer "Bisexualität", ihrer "Vorliebe fürs Lesbische" und ihren "sadistischen Neigungen" bekennt, so Aumüller, habe eine Art, den Todeskampf der Vergifteten zu schildern, dass im Rezensenten ein "unaussprechlicher Verdacht" aufkeimt - zumal der erste Roman der "schönen und mondänen alten Dame" ausgerechnet "Le Necrophile" hieß. Der Karneval fehlt natürlich auch nicht und ist, verrät Aumüller, Schluss und Höhepunkt eines endlich misslingenden Mordversuchs. Für ihre Übersetzung dieses "sprachlich erlesenen" Werks aus dem Französischen hat Claudia Kalscheuer "hochverdient", so Aumüller, den André-Gide-Preis erhalten.
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