Frauen wollen immer 39 bleiben, sagte ihre Mutter und färbte sich die Haare bis weit über 80. Sie selbst hat inzwischen auf Partys manchmal den Eindruck wie ein sprechendes Möbelstück behandelt zu werden. Wie sehen sich Frauen eigentlich in der Mitte des Lebens? Mit oder ohne Mann, mit oder ohne Kind, jedenfalls mit sich veränderndem Körper, Denken, Fühlen. Ulrike Draesner hat einen glänzenden Text geschrieben, am eigenen Leben und dem anderer Frauen entlang erkundet sie die Vielschichtigkeit dieses Lebensabschnitts, in dem alles nebeneinander vorkommt: Sie weiß noch, wie sie als Mädchen unbedingt älter werden wollte. Und nun tun alle so, als gäbe es so etwas wie Wechseljahre gar nicht? Pointiert, scharfsinnig und heiter findet Draesner einen neuen Umgang mit dem Verstreichen der Jahre: Aufbruchsgeist, Feuer statt Herd. Zuhause in der eigenen Verwandlung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2019
Rezensentin Frauke Meyer-Gosau verliert die Angst vorm Älterwerden mit diesem Selbsterfahrungsbericht von Ulrike Draesner. Wenn ihr die Autorin vom morgendlichen Gespenst im Spiegel oder dem Gefühl, auf Partys nur noch als "sprechendes Möbelstück" wahrgenommen zu werden, erzählt, kann sich die Kritikerin das Schmunzeln nicht verkneifen. Überhaupt nimmt die Rezensentin gern das "imaginäre Gespräch" mit Draesner auf, die hier von Ehebruch, Trennung, Schönheits-OPs, Fehlgeburten und Intimrasur schreibt, vor allem aber sehr persönlich schildert, wie sie selbstbewusst mit dem Alter umgeht, etwa wenn sie die "Wechseljahre" in "Wechselzeit" umtauft und entsprechend umbewertet.
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