Alain Claude Sulzer

Aus den Fugen

Roman
Cover: Aus den Fugen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783869710594
Gebunden, 230 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Ein polyphoner Roman über die bizarren Wendungen des Schicksals, über den Zufall und die unvermutete Eingebung, etwas zu ändern. Die plötzliche Stille ist lauter als ein Paukenschlag: Mitten in einer atemberaubenden Interpretation der Hammerklaviersonate bricht der international gefeierte Starpianist Marek Olsberg abrupt sein Spiel ab. Mit den Worten "Das war's" schließt er den Klavierdeckel und verlässt den Saal.Olsbergs unvorhergesehene Tat wird allerdings nicht nur sein eigenes Leben in neue Bahnen lenken. Er ist eine von vielen Hauptfiguren in Alain Claude Sulzers neuem Roman. Da ist z. B. Olsbergs Agent, der sich mit seinem neuen Freund schon auf dem Weg zur Philharmonie in die Haare bekommt. Da ist Sophie, die erst während des Konzerts begreift, dass ihre letzte Liebe inzwischen mit ihrer Nichte Klara angebändelt hat, und die sich deswegen ein Gläschen zu viel gönnt. Da ist Esther, die ihre frisch geschiedene Freundin mit dem Olsberg-Konzert aufmuntern will und die bei der außerplanmäßig frühen Rückkehr vom Konzert bemerken muss, dass ihr Mann nicht daheim ist. Dafür aber sein Handy mit einer befremdlichen Nachricht seiner Assistentin Sabine. Alain Claude Sulzer gelingt ein bewegender Roman, in dem sich auf engstem Raum eine Fülle menschlicher Schicksale entfaltet. Ein Buch voll unvermuteter Wendungen und existentieller Tiefe. Als habe das abgebrochene Klavierspiel eine Schwingung ausgelöst, die das Leben aller, die dabei waren, in Bewegung bringt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2012

Chichi, Chanel und Chopin - Alain Claude Sulzer bringt das ganz mühelos unter einen Hut, versichert der von der Lektüre sichtlich animierte Rezensent Hubert Winkels. Sulzer skizziert 12 kurze Biografien, die sich alle auf ein Konzert zubewegen - Beethovens Hammerklavierkonzert in der Berliner Philharmonie, vom Pianisten mittendrin mit einem "Das war's" abgebrochen - und von dort wieder in alle Richtungen auseinander streben. Die eine nach Hause, wo der Geliebte es gerade mit einer anderen treibt. Der andere, der Pianist, in eine Schwulenbar, wo er, dem jungen Saturn-Verkäufer Nico in die Augen blickend, am Flügel Chopins e-Moll-Nocturne Nummer 2 spielt. Klingt schrecklich? Ist aber, lobt der Rezensent, eine hinreißende Verbindung aus "leichtem Pläsier und tiefer Skepsis".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2012

Gut für den Handel, für die Unterhaltung und für das Portemonnaie des Autors. Offen aber wahr sind die Worte des Rezensenten zum Roman von Alain Claude Sulzer, der hier viel geschmeidiger daherkommt, als noch in seinen früheren Büchern, wie Jürg Altwegg meint. Illusionen scheint er sich nicht zu machen, nüchtern packt er das Buch um die Berliner Hautevolee ins Fach Boulevard mit Sternchen. Keine tiefschürfenden Petitessen, dafür treffende und sympathisierende Figurenbeschreibungen, eine perfekte Komposition und Cliffhanger wie in der Bunten, freut sich Altwegg. Voila, als Juror in Klagenfurt lässt sich was lernen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.08.2012

Schon wieder ein Kleinod! Alain Claude Sulzer feuert eins nach dem anderen ab. Diesmal, lässt uns Rezensent Michael Stallknecht wissen, ist der Ort Berlin (es hätte aber auch Wien oder Salzburg sein können), der Dreh- und Angelpunkt ein Beethoven-Konzert und ein Pianist in der Krise. Daraus entwickelt der Autor in gewohnt stilsicherer Weise, einen Reigen der Eitelkeiten. Alles steht im Verhältnis zur Schönheit, meint Stallknecht, alles zerbricht schließlich, Ehen, Lebensentwürfe, gläserne Pelikane. Für Stallknecht ist das so gut komponiert, dass er überlegt, wie Sulzer die Fugenform im Buch unterbringt. Und siehe da: Schwärmerei, Verbergen und Enthüllen, Barock ? all das kann und will Sulzer, und laut Rezensent beherrscht er es auch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2012

Trotz aller Dingseligkeit entdeckt Rezensentin Angelika Overath doch auch Menschenfreundlichkeit und Toleranz in diesem, wie sie meint, "furios komponierten" Roman von Alain Claude Sulzer. Das tut gut nach diesem First Class Flug durch die (Liebes-)Warenwelt der Schönen und Reichen, in der ein krisengeschüttelter Pianist die mondäne Welt durcheinanderbringt, als er mitten in der Beethoven Sonate hinschmeißt. Sulzer schließt daran laut Overath stilsicher lauter Short Cuts an, die komisch, tragisch, romantisch sind und mitunter etwas märchenhaft in Technicolor daherkommen, wie sie anmerkt. Bei so viel Eleganz fragt sie sich bloß, ob Sulzer jeden existentiellen Schrecken verloren hat oder bloß so tut. Das Ende ist immerhin offen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2012

Ganz wohl ist Rezensentin Katrin Bettina Müller bei der Lektüre dieses Berlin-Romans nicht: Nicht nur mangelt es ihm ihrer Ansicht nach an Gespür für die Stadt, in der die Rezensentin ihren eigenen Wohnort kaum wiedererkennt, sondern auch an glaubwürdigen Charakteren im groß aufgestellten Ensemble, dessen Figuren sich aus allen Winkeln der Metropole per Taxi zu einem Philharmoniekonzert aufmachen. Schon wegen dieses Erzählkonzepts zieht sich die Exposition hin, stöhnt die Rezensentin, die das Buch erst im letzten Drittel - und zuvor bei den Schilderungen zu ihrer "Lieblingsfigur" Astrid - interessanter findet, wenn endlich die "dramatischen Zuspitzungen" der einzelnen Geschichten zum Tragen kommen. Im Panorama betrachtet lässt die Architektur dieser "polyphonen Komposition" zwar an die Sittenbilder von Robert Altmans Ensemblefilmen denken, meint Müller abschließend, doch schmeckt ihr Sulzers "wenig überraschender" Roman am Ende doch eher nach Fernsehkost statt "großem Kino".