Akira Yoshimura

Unauslöschlich

Roman
Cover: Unauslöschlich
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406487026
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Sabina Mangold. Nach 16 Jahren Haft wird Kikutani auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Ganz langsam, fürsorglich begleitet von seinen Bewährungshelfern, kehrt er ins Alltagsleben zurück, lernt erst wieder zu begreifen und zu genießen, dass er frei ist. Er nimmt sich eine eigene Wohnung und arbeitet auf einer Hühnerfarm außerhalb Tokios. Nach langem Zögern heiratet er wieder, gleichsam als Teil seiner Rehabilitation. Aber da er seiner ersten Frau, die er aus Eifersucht erstach, als er sie mit einem Liebhaber überraschte, nie verziehen hat, kommt es auch in seiner zweiten Ehe zur Katastrophe...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2003

Irmela Hijiya-Kirschnereit vermutet, dass dieser Post-Gefängnisroman den Regisseur Imamura Shohei für seinen preisgekrönten Film "Unagi" (Der Aal, 1997) stark inspiriert haben dürfte. Bei Yoshimura nun geht es um einen nach 16 Jahren aus der Haft entlassenen Mann, der durch das strenge japanische Haftreglement vollkommen von der Gegenwart abgeschnitten war, lethargisch und unselbständig geworden ist und nur mit Mühe seinen neuen Alltag bewältigt. Der Autor, berichtet Hijiya-Kirschnereit, lässt sich auf die eingeengte Perspektive seines Protagonisten ein, er verzichte auf jegliches Psychologisieren und schildere eindrucksvoll die Mühen des Eingewöhnungsprozesses. Dass dieser dem Protagonisten auf Dauer nicht gelingen wird, hängt mit dem japanischen Strafsystem und dessen spezifischem Verständnis von Strafe, Buße und Reue zusammen, behauptet die Rezensentin. Die Verarbeitung einer Straftat sei darin nicht vorgesehen, und deshalb ist es kein Wunder, meint Hijiya-Kirschnereit kopfschüttelnd, dass der Roman am Ende auf eine neue Katastrophe zusteuert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2002

Ein bemerkenswertes Werk ist dieser Roman über Verbrechen und Strafe, meint ein beeindruckter Ludger Lüdtkehaus. Die Geschichte des Doppelmörders Kikutani, der von Zeit zu Zeit einfach "zinnoberrot" sieht und Menschen umbringt, werde vom Autor zwar "nüchtern, ohne Larmoyanz", aber beileibe "nicht ohne Empathie" und mit einer "atmebberaubenden rigorosen Konsequenz" erzählt. Offensichtlich habe der Autor die Verhältnisse im japanischen Strafvollzug genau recherchiert. Lüdtkehaus gefällt der "verfremdende Blick", mit dem der eben entlassene Kikutani das modernisierte Japan erlebt, ein Blick "der die Welt sieht wie zum ersten Mal". Bei aller Nüchternheit kommt man deshalb nicht umhin, von diesem "dichten" Buch berührt zu werden, verspricht der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2002

Die Einfachheit der Sprache im Roman von Akira Yoshimura täuscht, warnt der Rezensent Martin Z. Schröder. Dahinter verberge sich "großes Erzählergeschick", mit dem Geschichte eines Gymnasiallehrers, der nach 16 Jahren Haft in einer Eierfabrik arbeitet, vorgetragen wird. Die ersten Schritte in der Freiheit werden mit großer Genauigkeit beobachtet und die Erzählung verdichtet sich unaufdringlich zu einer Kritik am System der Strafe. Die Zustände in der Eierfabrik bieten alles andere als das Bild einer gerechten Gesellschaft, der Autor aber belässt es, lobt Schröder, bei der Beschreibung. Die Erklärung nimmt der Rezensent dann selbst vor, in einem entschiedenen Plädoyer gegen ein von "Rachegefühlen bestimmtes Regelwerk" namens Strafgesetzbuch. Dies aber offenbar in Übereinstimmung mit Akira Yoshimura, der in seinem Roman, so Schröder, "Gericht über die Gerichtsbarkeit" hält.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.04.2002

Der Japaner Akira Yoshimura "zeigt sich" mit diesem Roman über einen Ex-Sträfling, der versucht, sich wieder in den Alltag einzufinden, aber ob der Fürsorge einer Frau durch ein Unglück wieder in den Strudel der Straffälligkeit gerät, "als bedeutender Erzähler", lobt Ralph Rainer Wuthenow. Der dünne Roman sei überaus "konsequent gearbeitet", "sachlich wie psychologisch überzeugend" und "mehr als eine ungewöhnliche literarische Studie".
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