Ahmed Abodehman

Der Gürtel

Roman
Cover: Der Gürtel
Distel Literaturverlag, Heilbronn 2002
ISBN 9783923208609
Gebunden, 168 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Stefan Linster. Seit Menschengedenken beherbergt das Dorf Alkhalaf im Hochgebirge des Assir in Saudi-Arabien den Stamm der Kahtanis, und es ist fast unnötig zu sagen, daß dieses Land uns genauso fremd ist wie der Mars. "Wir sind", schreibt Abodehman, "der einzige Stamm auf der Welt, der vom Himmel herabsteigt. Der Himmel ist ein Teil des Gebirges. Bei uns fällt der Regen nicht: er steigt." Es ist auch unnötig, deutlich zu machen, daß dies ein poetischer Roman ist. Er erzählt die Kindheit Ahmeds in diesem Dorf. Die Geschichte lässt uns eine verwirrende Welt entdecken, wo sich das Leben wie vor 2000 Jahren abspielt, weit entfernt von den Öl-Milliarden, wo man die islamischen Gesetze respektiert, wo aber auch Frauen mitzureden haben. Und wo langsam Veränderungen aufziehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2002

Weit entfernt vom märchenhaft reichen und glitzernden Saudi-Arabien unserer Schlagzeilen ist die archaische Welt, die Ahmed Abodehman in seinem Debütroman "Der Gürtel" zeigt, findet Rezensent Wolfgang Günter Lerch. Abodehman schildere eine dörfliche arabische Jugend, und im Held der Geschichte, Ahmed Ben Saad aus dem Stamm der Kahtan, erkenne man unschwer den Verfasser. Die Geschichte vom Aufstieg Ahmeds ereignet sich nach Auskunft des Rezensenten in dem überschaubaren, ganz der sozialen Kontrolle anheim gegebenen Flecken Alkhalaf im Hochland nahe der jemenitischen Grenze. Enge und Einschnürung kennzeichneten diese kleine Welt, weniger bewusste Unterdrückung - "der König ist weit, der Imam relativ milde und weise", hält Lerch fest. Die Schule wird für den jungen Ahmed zur Erweckung, er zieht nach Frankreich, und kehrt doch immer wieder in sein Dorf zurück - denn hier hat er die Poesie des archaischen arabischen Lebens kennen gelernt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2002

Ahmed Abodehman hat dieses Buch vornehmlich für seine französische Frau und seine Tochter geschrieben hat, um ihnen einen Einblick in die Welt seiner Kindheit zu geben, erklärt Rezensentin Mona Naggar. Sie bemerkt begeistert, dass der Autor ein völlig anderes Bild von einem arabischen Dorfes zeichnet als wir es kennen. Fasziniert ist die Rezensentin vor allem von den Stellen, in denen die Mythen der Bewohner vorgestellt werden. Anders als die "gängige" islamische Geschichtsschreibung begreife Abodehman nämlich die vorislamische Geschichte als Teil der Traditionen der Dorfbewohner. Doch der Autor schildert auch den "Wandel", der Erdölentdeckung und einem strengeren Islamverständnis folgt, schreibt Naggar. Sie preist Abodehman dafür, diese uns unbekannte Welt vor dem völligen "Vergessen" bewahrt zu haben.
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