Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke. Einmal das Nordlicht sehen, die Polarnacht erleben - das steht heutzutage auf jeder zweiten Bucket List. Doch der Norden fasziniert bereits seit Jahrhunderten und verleitete Forscher, Philosophen und Fanatiker zu den gefährlichsten Expeditionen, den größten Schandtaten und den abstrusesten Theorien. Adwin de Kluyver begibt sich auf die Spuren abenteuerlustiger Entdecker und unverbesserlicher Träumer, vom Reisenden Pytheas im 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum russischen Forscher Pawel Senko in den 1940er-Jahren, die sich tatsächlich oder in Gedanken auf den Weg gen Pol machten und dabei angetrieben wurden von den seltsamsten Vorstellungen (über ein subtropisches Polarmeer, unerschöpfliche Goldvorräte und Eingänge ins Innere der Erde) sowie von höchst wichtigen Fragen - wie derjenigen, ob die Erde eher einer Mandarine oder einer Zitrone gleicht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2025
Ein vielfältiges Buch über den Norden hat Adwin de Kluyver laut Rezensent Franz Paul Helms geschrieben. Der Historiker zeichnet Helms zufolge nach, wie der Norden in der Antike zunächst ein unbekanntes Faszinosum war, mit dem Aufstieg des Christentums als Gefahr - Stichwort Wikinger - betrachtet wurde, später von allerlei fragwürdigen Ideologen wie der antisemitischen Thule-Gesellschaft instrumentalisiert und idealisiert wurde und heute vor allem touristisch vermarktet wird. Dabei kommen, so der Rezensent, nicht nur Forscher und Entdecker, sondern auch etwa Eisbären und Schneeflocken zu ihrem Recht - aus diesen ungewöhnlichen Perspektiven sind einige Passagen erzählt. Eine einheitliche Perspektive auf seinen Gegenstand bietet das Buch nicht an - freilich ist das gerade der Punkt, denn Kluyver möchte den Norden als eine offene Projektionsfläche beschreiben, konstatiert der Kritiker. Helms scheint mit dem Ergebnis durchaus etwas anfangen zu können.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2025
Als detailreich und "akribisch" recherchiert lobt Rezensent Franz Paul Helms Adwin de Kluyvers Kulturgeschichte des Nordens. In seinen neuen Buch fließen nicht nur eigene Reiseerfahrungen des Autors mit ein, sondern auch zahlreiche historische Quellen wie Tagebücher oder Reiseberichte. Die Expedition in die Geschichte erstreckt sich auf zweitausend Jahre, während derer den Lesern die unterschiedlichsten Akteure begegnen, Entdeckern wie dem griechischen Seefahrer Pytheas, Wikingern und Reformatoren, aber auch antisemitischen Hetzern, wie dem NS-Vordenker Rudolf von Sebottendorff. Aber nicht nur menschliche Perspektiven, sondern auch jene von Eisbären oder Schneeflocken kann man während der Lektüre dieses Buches einnehmen, verrät der Kritiker und empfiehlt das Buch daher nicht nur für Geschichts-Nerds. Die vielfältigen historischen Gesichter des Nordens, als "Zauberreich" oder "Ende der Welt", aber auch als Gefahr für das christliche Europa sieht der Kritiker hier spannend gezeichnet. Besonders gefällt ihm, dass De Kluyvers es schafft, "dem Norden" nicht seine eigene Deutung zu verpassen und ihn stattdessen zu einer Projektionsfläche für eigene Fantasien und Ängste werden lässt.
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