Was ist Geschichte, und woher wissen wir, wie die Vergangenheit beschaffen war? Der Historiker Achim Landwehr präsentiert mit seinem neuen Buch 'Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit' ein Grundlagenwerk der Geschichtstheorie. In einer klugen geschichtsphilosophischen Wendung zeigt er, wie wir unsere Vergangenheit selbst erschaffen. Denn was Historiker als "Quellen" bezeichnen, die Zeugnisse vergangener Welten, sind bloß Ausschnitte, Schnipsel, die interpretiert sein wollen. Für alle, die wissen wollen, was es mit der Geschichte jenseits der Ereignisse auf sich hat, erklärt Achim Landwehr, warum die Wirklichkeit unfassbar ist und wir der Historie nicht entkommen können. Nicht zuletzt entwickelt er ein neues Zeitmodell des Historischen. Dabei setzt er ungewöhnliche Akzente - und macht deutlich, dass auch in der Geschichte "alles fließt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2017
Urs Hafner hätte nichts gegen den Eifer des Historikers Achim Landwehr, seine Zunft und den Leser gegen die Vorstellung von der Vergangenheit als eines geschlossenen Raumes und der Quellen als des passenden Schlüssels in Schutz zu nehmen. Wenn nur der Autor nicht so selbstsicher vom Geschäft der Verunsicherung reden würde, das die Geschichtswissenschaft sei. Obwohl der Autor die richtigen Fragen stellt, flüssig und flott, pointensicher und unter Einbezug der Kollegen schreibt, wie Hafner einräumen muss - genau und differenziert ist er nicht, meint er. So werden die Seiten dem Rezensenten lang statt tief. Ein Essay sieht anders aus, findet Hafner. Das Buch ist für ihn eher ein "geschwätziges Protokoll".
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