Aus dem Arabischen übersetzt von Khalid Al-Maaly und Heribert Becker. Abdulwahab al-Bayyatis Gedichte zeugen von einer beständigen Auseinandersetzung mit den traditionellen Motiven der arabischen Poesie und den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen. Doch führt er auch das Gedankengut der Sufisten weiter oder setzt sich mit der europäischen (Orpheus, Hamlet) und amerikanischen Kultur (Hemingway) auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2003
Ludwig Ammann würdigt den irakischen Lyriker, der 1999 in Damaskus starb, als "führenden engagierten Dichter der arabischen Welt", weshalb er diesen Auswahlband nachdrücklich begrüßt. Zwar findet er ihn angesichts der 35 Bücher, die der Autor im Lauf seines Lebens geschrieben hat, recht "schmal". Doch betont der Rezensent, dass der Gedichtband, an dessen Zusammenstellung al-Bayyati selbst beteiligt war, viele "Schlüsselwerke" aufweist. Ammann informiert, dass das lyrische Werk des Autors, das sich auf sufistische Denker stützt, ohne dabei religiös zu sein, in der arabischen Welt ziemlich umstritten ist. Am ehesten wird al-Bayyati deshalb noch im Westen geschätzt. Etwas bedauerlich findet er, dass die zweisprachige Ausgabe eine reimlose Übersetzung der durchgängig gereimten Verse bietet und zudem die Gedichte nicht datiert sind. Während die Texte der 50er Jahre vor allem die Erfahrungen des Exils verarbeiten und dabei neben manch pathetischen Wendungen auch "wunderbar schlichte Worte und Bilder" für die Einsamkeit finden, zeigt sich der Autor in späteren Gedichten vor allem als "Meister der literarischen Masken", so der Rezensent angetan.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2003
Im Original bereiten die Gedichte Al-Bayyatis dem Leser tatsächlich Vergnügen, findet Stefan Weidner. Nur sei dieses Vergnügen leider bei der übersetzten Fassung nicht mehr ganz so groß. Schon die Übersetzung von Annemarie Schimmel ließ vom "lyrischen Fluss" nur noch einen "trüben Tümpel" übrig, bemerkt der Rezensent bedauernd. Statt Reim und Metrum der Gedichte beizubehalten, sei die neue Übersetzung nun prosaisch, dafür aber besser zu genießen. Al-Bayyati galt in der arabischen Welt als "bedeutendster Dichter des sozialistischen Realismus", erklärt Weidner, orientierte sich aber nach 1967 eher an der arabisch-islamischen Kulturtradition. Seinen Vorbildern Aragon, Lorca oder Pablo Neruda komme er "in Tonfall und Sound" nahe. Am stärksten beeindruckt den Rezensenten indes die an die Sufi-Mystik angelehnte Lyrik, während er in den frühen, politischen Texten Ressentiments gegen den Westen entdeckt, die ihm weniger behagen. So zum Beispiel beim Vergleich des Westens mit einer "Hure", "die der Zug hat stehen lassen", in einem Zyklus von 1958.
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