Aus dem Arabischen von Renate Jacobi. Ibn al-Farid (1181-1235), der "Fürst der Liebenden", wie ihn die islamische Tradition nennt, verbindet in seinem "Diwan" die Tradition der klassischen arabischen Dichtung mit der Theosophie des Sufismus seiner Zeit, des 12. und 13. Jahrhunderts. Als Dichter wird er in seiner eigenen Kultur bis heute bewundert und als Heiliger verehrt. Als Mystiker war er jedoch umstritten und wurde wegen seiner "monistischen Ketzerei" abgelehnt und bekämpft. Die Manifestation Gottes im Kosmos und die Kontemplation irdischer Schönheit als ein Weg zu mystischer Erfahrung sind Grundthemen seiner Dichtung.Es ist die erste vollständige deutsche Übersetzung des "Diwans".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2013
Es muss gar nicht der Wunsch sein, Gott zu schauen. Die Gedichte des islamischen Mystikers Ibn al-Farid gefallen Stefan Weidner auch als Tor zur arabischen Poesie und zur Vorstellungswelt des islamischen Mittelalters. In der Neuübersetzung von Renate Jacobi zumal, die Weidner als klar und nüchtern bezeichnet. Jacobis Sorge um den Text, manifest in der umfangreichen Einleitung und dem detailreichen Kommentar und von Weidner dankbar angenommen, führen den Rezensenten in ein Labyrinth von Philologie und Sufismus. Das Lesen der zugleich einfachen wie komplexen Primärtexte empfiehlt Weidner zunächst "ohne Beiwerk". Da begegnet ihm das Verhältnis des Mystikers zu Gott als Liebespoesie, oder er geht zusammen mit dem Autor die Pilgerstationen nach Mekka ab. Typische Motive und Topoi arabischer Dichtung erkennt der Rezensent, mitunter überhöht, wie er erstaunt feststellt, zu zeitloser, ja existenzialistischer Poesie.
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