Christina Wessely

Liebesmühe

Cover: Liebesmühe
Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446279452
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Wenn Freundinnen sie nach ihrem Befinden fragen, verstummt sie. Seit der Geburt ihres Sohnes fühlt sie sich verloren, radikal fremdbestimmt und abgeschnitten von der Welt und ihrem alten Leben. Das winzige Kind ein Fremder, den zu lieben ihr kaum gelingen will. Warum scheint plötzlich all das, wovon sie - als Wissenschaftlerin, als Feministin, als Frau - überzeugt war, nicht mehr gültig zu sein? Christina Wessely erzählt die Geschichte einer Mutterwerdung und verbindet dabei persönliche und essayistische Erkundung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2024

Was die Kulturhistorikerin Christina Wessely in ihrem Essay über die gesellschaftlichen und eigenen Erwartungen einer Mutter erzählt, scheint Rezensentin Mareen Linnartz so schmerzhaft nüchtern wie komisch. Etwa wenn die Autorin über die vom Zeitgeist geprägte Vorstellung gelungener Mutterschaft nachdenkt. Dass der Text in der dritten Person verfasst ist, nimmt ihm nichts von seiner unmittelbaren Wahrheit, meint Linnartz, und die ist voller Enttäuschungen, ahnt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.04.2024

Über postpartale Depressionen schreibt Christina Wessely, über den Ich-Verlust, die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Erwartung und dem Selbsterleben einer Mutter, und das aus der Perspektive einer Mutter und Historikerin, oder vielleicht doch eher: Historikerin und Mutter, fragt sich Rezensentin Bettina Baltschev? Wesselys Erzählerin behandelt ihren Gegenstand stets mit der Rationalität einer Wissenschaftlerin, stellt die Rezensentin fest. Und genau das ist das Problem dieses Buches. Was liest sie hier eigentlich, fragt sich Baltschev bei der Lektüre immer wieder. Für einen Bericht ist es zu analytisch, für einen Roman zu sachlich, für ein Sachbuch aber wiederum zu fiktional. Diese Uneindeutigkeit könnte reizvoll sein, für Baltschev funktioniert sie jedoch leider nicht, da Wessely die emotionale Ebene vernachlässigt. Die präzise Beschreibung des eigenen Zustandes mag zwar eine Art Bewältigungsmechanismus sein, man versteht, aber man fühlt als Leserin nicht, was genau der Bewältigung bedarf. So ist dieses Buch vor allem aufschlussreich. Unterhaltsam oder berührend ist es nicht, so lässt sich Baltschev zusammenfassen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2024

Die Kulturwissenschaftlerin Christina Wessely schildert in ihrem Buch ihre Depressionen nach der Geburt ihres Sohnes. Offenbar hat sie ihr Kind mit Anfang 40 bekommen, "um nichts zu verpassen", erzählt Rezensentin Meredith Haaf, kann dann mit dem Kind aber überhaupt nichts anfangen. Auch nicht mit den anderen Müttern, die sie kennenlernt. Und wer ist mal wieder schuld? Die Gesellschaft, seufzt die wenig überzeugte Kritikerin, die das Buch aber immerhin lehrt, wie wenig fehlertolerant wir mit uns und anderen geworden sind.

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