Leslie Jamison

Splitter

Cover: Splitter
Claassen Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783546100557
Gebunden, 304 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. Splitter versammelt Erinnerungen, Reflexionen und Geschichten, die sich bis in die tiefsten, noch unerforschten Bereiche des Selbst vortasten. Auf brutal ehrliche und berührend sanfte Weise fügt Jamison die Bruchstücke eines Lebens, die Scherben einer Ehe so zusammen, dass ein Bild der Wirklichkeit entsteht, voller Risse, Ecken und Kanten. Mit der ihr eigenen Sensibilität und Klarheit erzählt sie von der exklusiven Liebe zum Kind und der Suche nach einem Zufluchtsort in der Konfrontation mit Kunst - und zeigt, dass sie zu den genausten Beobachterinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2024

Ein "antiromantisches Programm" verfolgt Leslie Jamison in ihrem neuen Roman, so Rezensent Paul Jandl. Nichts wird hier beschönigt: Die kalte, unheimelige Wohnung, in der die Autorin nach der Geburt mit ihrer Tochter zog, die Wutanfälle ihres Ex-Mannes, ihre Essstörungen. Nachdem Jamison in ihren früheren Werken ihre Alkoholsucht aufarbeitete, geht es nun, so Jandl, um die Themen Mutterschaft und Beziehung. Die einzelnen "Splitter" von Jamisons Biografie werden hier aufgesammelt, so der Kritiker, dabei kommt auch der wachsende Erfolg zur Sprache und das Befremdungsgefühl der Autorin vor der plötzlichen Berühmtheit. Am besten ist Jamison nach wie vor bei der Schilderung der "dunklen" Episoden, findet Jandl, den fasziniert, wie sie gerade jene Passagen "zum Leuchten bringen" kann. Der Rezensent jedenfalls schätzt die Detailliertheit, mit der Jameson ihre "atmosphärischen Miniaturen" zum Leben erweckt,  von Sophie Zeitz in ein passend "herbes" Deutsch übersetzt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.06.2024

Rezensentin Antonia Baum schätzt die Texte der amerikanischen Schriftstellerin Leslie Jamison, die hierzulande vor allem für ihre Essays über Weiblichkeit und Alkoholsucht bekannt wurde. In ihrem ersten reinen Memoir packt die Autorin die heißen Themen Mutterschaft und Trennung an - und zwar auf ihre gewohnt präzise, den Gegenstand umkreisende Weise, freut sich die Kritikerin. Und so folgt sie Jamison bei der Mutterwerdung, durch die Zeit der Pandemie mit Kind und schließlich bis zur Trennung vom Kindsvater. Es ist vor allem der letzte Punkt, der Baum beeindruckt, so gut erzählt die Autorin von Explosion und Ersticken der Liebe, meint sie. Und wenn Jamison beim Versuch, ihre fragmentierten Rollen zu einem Ganzen zusammenzusetzen, auch noch über die Entstehungsbedingungen von Kunst reflektiert, verzeiht Baum dem Text auch gern die ein oder andere Länge.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2024

Rezensentin Mareen Linnartz empfiehlt aus der Menge an Büchern des Genres Mutterschafts-Literatur Leslie Jamisons Buch. Umwerfend findet sie den Scharfsinn, mit dem Jamison über sich selbst schreibt und über den verzweifelten Versuch, Akademiker- und Schriftstellerkarriere und Mutterschaft zugleich zu absolvieren. Der Preis? Unendliche Erschöpfung und Zerrissenheit, lernt Linnartz. Das Buch liest sie nicht nur als Geschichte eines Anfangs (eines Lebens), sondern auch eines Endes. Jamison vermittelt die Angst und das Heimweh hinter dem Ehrgeiz und der Wut, so die Rezensentin beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.04.2024

Das vermissen, was es nie gab, dafür gibt es im  Walisischen den Ausdruck hiraeth, lernt Kritikerin Isabella Caldart in Leslie Jamisons autofiktionalen Buch über ihr Leben in den letzten  Jahren. Es handelt von ihrer gescheiterten Ehe, von den  Schwierigkeiten, gleichzeitig Karriere zu machen und Mutter zu sein  und eben jenen Momenten der Sehnsucht nach einer Beziehung, die besser hätte verlaufen können, erfahren wir. Das ist über weite Strecken interessant und ungeschönt selbstreflexiv, allerdings identifiziert Caldart durchaus Wahrnehmungslücken - jemand, der in der Kindererziehung so viel Unterstützung erhält, könne sich beispielsweise kaum als alleinerziehend bezeichnen. Auch sind nicht alle Situationen, von denen die Autorin berichtet, so tiefgründig und bedeutungsoffenbarend, wie sie es vermitteln will, so die Rezensentin. Ihr gefällt das Buch dann am besten, wenn es in  dokumentarisch-autofiktionaler Weise über die Vereinbarkeit von "Kindern und Kunst" berichtet.

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