Wolf Biermann

Großer Gesang des Jizchak Katzenelson vom ausgerotteten Jüdischen Volk

2 CDs
Cover: Großer Gesang des Jizchak Katzenelson vom ausgerotteten Jüdischen Volk
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783934011229
CD, 14,90 EUR

Klappentext

Vor zehn Jahren lieferte ich meine Nachdichtung dieses Poems über die Shoa und trug es zum ersten Mal auf einer Bühne vor, das war 1994 im Hamburger Schauspielhaus. Es sind Gesänge, die nicht gesungen werden. Das Buch mit dem Poem über das Warschauer Ghetto und den Aufstand hat sich seitdem so verbreitet, dass der hebräische und jiddische Dichter Jizchak Katzenelson ausgerechnet in Deutschland jetzt bekannter ist als in anderen Ländern. Der Poet wurde 1944 in Ausschwitz ermordet, aber sein Opus magnum überlebte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Das Schweigen dauert zwei Minuten und zehn Sekunden und besitzt bei diesem Hörbuch einen eigenen Track, berichtet Jens Bisky. Das Schweigen ist das betroffene Schweigen des Publikums, nachdem Wolf Biermann seine eigene Übersetzung von Jizchak Katzenelsons "Lied vom ausgerotteten Volk" in Zürich live vorgetragen hatte. Dieses Schweigen hat außerdem eine Vorgeschichte, weiß Bisky, denn als 1948 Arnold Schönbergs "Ein Überlebender aus Warschau" in den USA uraufgeführt wurde, schwiegen die Zuhörer anschließend so lange, bis das Stück noch einmal gespielt wurde. Wolf Biermann, so Bisky, hat das Schweigen des Publikums nicht ausgehalten und seinerseits mit einer Anekdote aus Israel unterbrochen. Welcher Text löst so viel Betroffenheit? Es ist das letzte Werk des jiddischsprachigen Dichters Katzenelson, das von einer Freundin aus dem Land geschmuggelt wurde, bevor er nach Auschwitz deportiert wurde. Biermann hat die Handschriften in einem israelischen Kibbuz gefunden, berichtet Bisky, Arno Lustiger habe eine phonetische Transkription angefertigt, worauf die deutsche Übersetzung Biermanns basiere. Vom Vortrag Biermanns ist Bisky sichtlich beeindruckt: der Rezitator scheut nicht das Pathos, aber er spricht diese Stellen so, als misstraue er ihnen, schildert Bisky seine Empfindungen beim Zuhören. Am eindrücklichsten wirke Biermann in den ganz persönlichen Passagen, überhaupt sei ihm bei diesem Stück das Routinierte ganz und gar abhanden gekommen.

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