Vorgeblättert

Andre Gorz: Brief an D.

Ausgewählte Leseproben.
10.08.2007. Mehr als das halbe 20. Jahrhundert gemeinsam verbrachtes intellektuelles Leben: Der Philosoph und Publizist Andre Gorz rekapituliert in einem langen Brief an seine Frau D. ihr Leben in Lausanne, Paris und die gemeinsame Arbeit. Lesen Sie den Anfang des Briefes. Ausgewählt
Andre Gorz: Brief an D.
Geschichte einer Liebe
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer

Rotpunktverlag, Zürich 2007
100 Seiten, gebunden, Euro 15,00

Erscheint am 21. August 2007

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Zum Buch: "Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag."
So beginnt diese "Geschichte einer Liebe", verfasst vom 83-jährigen Philosophen und Sozialtheoretiker Andre Gorz in Form eines langen Briefes. Er rekapituliert die 58 Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947 in Lausanne kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde. Wäre ihm und D. wundersamerweise ein zweites Leben beschieden, schreibt Gorz am Schluss seines Briefes, würden sie es wieder zusammen verbringen.
Entstanden ist ein Rückblick der ganz besonderen Art auf ein gutes halbes Jahrhundert philosophisch-politischer und publizistischer Arbeit, bei der D. ihm immer zur Seite stand. Doch ganz am Anfang dieses Rückblicks steht auch die Frage: "Warum nur bist du in dem, was ich geschrieben habe, so wenig präsent, während unsere Verbindung doch das Wichtigste in meinem Leben gewesen ist?" Dieses Buch ist kurz; es handelt nur von den wichtigsten Dingen.

Zum Autor: Andre Gorz, geboren 1923 in Wien, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz und ließ sich nach Kriegsende in Paris nieder. Gorz wechselte im Laufe seines Lebens mehrmals seinen Namen, anfänglich um in den 30er Jahren der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Arbeit mit Jean-Paul Sartre an dessen Zeitschrift "Les Temps modernes", später als Redakteur bei "L'Express" und "Le Nouvel Observateur". Seine Schriften wie "Abschied vom Proletariat" (1980) und "Wege ins Paradies - Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit" (1984) waren Kultbücher für ökologische Linke. "Arbeit zwischen Misere und Utopie" und "Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie" sind im Rotpunktverlag erschienen.
Andre Gorz und Dorine Gorz nahmen sich am 24. September 2007 gemeinsam in ihrem Haus in Vosnon/Frankreich das Leben.
(Foto: Courtesy Rotpunktverlag)

Zur Übersetzerin: Eva Moldenhauer wurde 1934 in Frankfurt am Main geboren, wo sie auch heute noch lebt. Neben dem Werk von Claude Simon übersetzte sie aus dem Französischen u. a. Claude Levi-Strauss, Jean-Paul Sartre, Agota Kristof, Jorge Semprun, Julien Green und Emanuel Levinas.

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