Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Kreuz und quer und vor allem weit

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

03.07.2008. Die Presse erklärt, was der UN-Menschenrechtsrat unter "Missbrauch der Meinungsfreiheit" versteht. Heise.de und viele Blogs wehren sich gegen neue EU-Pläne, die eine drastische Überwachung von Internetnutzern vorsehen. Zu Kafkas 125. Geburtstag preisen die Feuilletons den zweiten Band von Reiner Stachs Biografie. In der Zeit erklärt Roberto Saviano, wie die Mafia die Herzkammern der italienischen Wirtschaft eroberte. In der NZZ fragt Zafer Senocak: "Warum erfährt die türkische Aufklärung so wenig Unterstützung im Ausland?"

Die Presse, 03.07.2008

Im UN-Menschenrechtsrat, der von afrikanischen und asiatischen Ländern dominiert wird, steht der "Schutz religiöser Gefühle" heute über dem Recht der Meinungsfreiheit, berichtet Anne-Catherine Simon in der gestrigen Presse: "Sein eifriger Hüter ist die Organisation der Islamischen Konferenz, die als Zusammenschluss von 57 Staaten den Anspruch erhebt, die Islamische Welt zu repräsentieren. Im März beantragte sie erfolgreich, der Menschenrechtsrat müsse künftig über 'Missbrauch der Meinungsfreiheit' berichten, wenn 'rassistische oder religiöse Diskriminierung' im Spiel sei." Siehe zu diesem Thema auch Pascal Bruckners Aufruf "Boykottiert Durban 2" im Perlentaucher.

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Berliner Zeitung, 03.07.2008

Cornelia Wystrichowski unterhält sich mit Elke Heidenreich über ihre Sendung "Lesen", die ihren fünften Geburtstag feiert. Heidenreich erklärt nochmal das Prinzip: "Die Sendung sollte nie klassische Literaturkritik machen, das haben manche immer noch nicht verstanden, sie ist dennoch nicht trivial und seicht. Wir haben oft schwierige Bücher in der Sendung, ich stelle sie aber etwas einfacher vor als das klassische Feuilleton."

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Aus den Blogs, 03.07.2008

Don Alphonso rät den von einer Heuschrecke trakassierten Redakteuren der Berliner Zeitung zum wiederholten Male, die Zeitung einfach zu bestreiken und statt dessen im Internet zu zeigen, was sie können: "Zeigt mal, wo für Euch die Grenze ist. Für Euch und dieses Land, das vielleicht auch mal wieder stolz sein möchte auf tapfere Journalisten."


Die EU plant drastische Schritte gegegen Internet-Nutzer - angeblich bis hin zur Abschaltung des Internets für Verletzer des Urheberrechts und zur Verpflichtung, Spyware zu installieren. Heise.de berichtet und zitiert Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl: "Die Politiker, die sich an diesen Sommermanövern beteiligen, zeigen ihre Missachtung für Europa und ihr Mandat... Sie vertrauen darauf, dass eine Woche vor der Sommerpause schon niemand hinschauen wird, wenn sie das Telekommunikations-Gesetzespaket von seinem ursprünglichen Ziel Konsumentenschutz abbringen. Sie pflastern den Weg für Überwachung und Filterung des Internets durch Privatfirmen, Sondergerichte und technische Maßnahmen Orwellscher Ausmaße." Einen informativen Beitrag zu diesem Thema findet man auch beim ORF.

Bei Gawker gefunden: Ein Bericht über John Mearsheimers und Stephen Walts Buch die "Israel-Lobby" von  Das niederländische Fernsehen hat dazu einen 50-minütigen Dokumentarfilm gedreht, den man ebenfalls bei Gawker sehen kann.

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Frankfurter Rundschau, 03.07.2008

Zum 125. Geburtstag von Franz Kafka preist Manfred Schneider den zweiten Band von Reiner Stachs großer Kafka-Biografie: "Stachs meisterliches Porträt bringt uns diesem Kafka so nahe, dass wir glauben, gemächlich durch alle Windungen und Labyrinthe der geheimnisvollen Dichter-Gedanken zu gleiten. Stach hat nahezu alle erreichbaren Quellen zusammengetragen und sie mit einer Kunst und Leichtigkeit ohnegleichen ineinander verwoben."


Weitere Artikel: Für alteuropäische Philologie-Standards etwas zu unbekümmert, unfein gar, findet Martin Krumbholz Louis Begleys Kafka-Buch "Die ungeheure Welt, die ich im Kopf habe". Harry Nutt hat sich in Berlin eine Diskussion zum Opernstreit angehört. In Times Mager verkündet Christian Schlüter die bahnbrechende Erfindung des Schweden Anders Thidell, Gitarrenbünde im Zickzack verlaufen zu lassen, wodurch sich die Halbtöne der Saiten einzeln stimmen lassen, es also keine Bundunreinheiten mehr gibt.

Besprochen werden Mike Leighs "unbeirrbar frohsinnige" Sozial-Komödie "Happy Go Lucky" ("Das Gute, wie Poppy es sieht, ist überall, und es ist komisch"), eine Ausstellung zu Monika Sosnowska und Andrea Zittel im Schaulager Basel, Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" in einer ORF-Version und eine Aufnahme des Brahms-Zyklus "Die Schöne Magelone".

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Die Zeit, 03.07.2008

Der italienische Antimafia-Autor Roberto Saviano stellt zum Abschluss des Spartacus-Prozesses gegen die Bosse des neapolitanischen Casalesi-Clans klar, dass es sich dabei nicht um das x-te Verfahren gegen eine Bande süditalienischer Krimineller handelte. "Die Prozessakten, die Anhörungen und die Angeklagten zeugen vielmehr vom Kampf gegen ein schattenhaftes Imperium, das als eine der Herzkammern der italienischen Wirtschaft gelten muss... Systematisch haben die Bauunternehmen, Hotels und Transportfirmen der Clans öffentliche Gelder abgesaugt, Staatsbeamte erpresst und sind so zu den führenden Unternehmen Italiens geworden. Ihre Broker investieren und bauen heute in der ganzen Welt. Nach Schätzungen der Antimafia-Bezirksdirektion haben die Geschäfte des Casalesi-Kartells derzeit einen Jahresumsatz von 30 Milliarden Euro - nicht Millionen, sondern tatsächlich Milliarden."


"Der weiße, christliche Mittelschichtseintopf kocht und löffelt sich selbst", spottet die Berliner Autorin Mely Kiyak über die Debatte um den angeblich neuen Feminismus: "Schon den ganzen Winter und Frühling hindurch geht das so. Privilegierte Frauen publizieren und kommen sich dabei mutig vor. Kann man ihnen das zum Vorwurf machen? Nein. Was man ihnen aber vorwerfen kann: Keine Einzige stellt sich hin und sagt, ich habe es als Frau schwer, doch ich möchte der Gerechtigkeit halber sagen, dass es die Nilüfer mit ihrem abgeschlossenen Studium schwerer hat, weil sie in diesem Deutschland seltener auf der Position landet, auf der ich bin. Und ich hatte es auch schon nicht leicht. Aber immer noch besser als Emine, deren Vater findet, dass Hauptschule reicht, weil hinterher ohnehin geheiratet wird. Oder als Hatice, die ihren Hauptschulabschluss gemacht hat und keinen Ausbildungsplatz findet."

Weiteres: In der Randspalte sinniert Peter Kümmel über Siemens, die Lehmschicht und das Mittelschichtsmadenparadies. Hanno Rauterberg stellt klar, dass nur oberflächliche Betrachter Olafur Eliassons New Yorker Wasserfälle für mickriges Geplätscher vom Gerüst halten, der Kunstkenner durchschaut das hintergründige Spiel mit der enttäuschten Erwartung. Harald Martenstein beschließt das EM-Match gegen Eva Menasse mit dem Hinweis, das Fußball ein ganz schön langweiliger Sport wäre, wenn immer der Bessere gewänne.

Besprochen werden Mike Leighs heiteres Drama "Happy Go Lucky", das Album "Two Men with the Blues", für das sich Willie Nelson mit Wynton Marsalis zusammengetan hat, und die "Carmen" im Zürcher Opernhaus.

Im Literaturteil preist Ulrich Greiner Reiner Stachs eindringliche Kafka-Biografie "Die jahre der Ereknntnis". Das Zeit-Magazin erzählt, wie in Buenos Aires fehlende Passagen aus Fritz Langs Film "Metropolis" wiedergefunden worden. Online erzählt man immerhin, wie das Zeit-Magazin erzählt. Auch eine Bilderstrecke gibt es.

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Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2008

"Warum erfährt die türkische Aufklärung so wenig Unterstützung im Ausland?", fragt der Schriftsteller Zafer Senocak in einem Artikel zur sich selbst zerreißenden Türkei. "Es ist das melancholische Gefühl gegenüber der Aufklärung in Europa, das die türkischen Aufklärer wie die Boten aus einer vergangenen Zeit erscheinen lässt. Die überall konstatierte Krise des Bürgertums lässt wenig Verständnis aufkommen für ein dynamisches, wehrhaftes, von sich selbst überzeugtes Bürgertum. Und tatsächlich ist auch in der Türkei dieses Bürgertum verwundet, bloß wehrt es sich dagegen, seine Wunden zu lecken. Es sträubt sich dagegen, sich gegenüber Kritik zu öffnen, ist zur Selbstkritik nicht fähig, nicht willens, das eigene Gesellschafts- und Weltbild permanent zu hinterfragen. Stattdessen pflegt es weiter den nationalistischen Ton der zwanziger und dreißiger Jahre, der in Europa zur größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte geführt hat. Diese Haltung führt zu einer Wagenburgmentalität, die nur aus der Defensive heraus aktiv werden kann."


Besprochen werden eine Ausstellung spanischer Meisterwerke "El Greco to Velazquez" im Museum of Fine Arts in Boston, zwei italienische Neuerscheinungen zu Mussolinis Architekturpolitik, Heinz Dieter Kittsteiners Studie "Weltgeist, Weltmarkt, Weltgericht" und Rick Moodys Erzählungen "Paranoia".

Die Filmseite widmet sich Tom Kalins auf dem Baekeland-Fall beruhender Inzest- und Muttermord-Drama "Savage Grace" und Samuel Benchetrits Hommage an den Gangsterfilm "J'ai toujours rêve d'être un gangster".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2008

Frank Schirrmacher schreibt die Einführung zur neuen Serie "Kafkas Sätze": Satz für Satz soll darin am Werk des Dichters gezeigt werden, "worin Kafkas literarisches Genie bestand: in der absoluten Kontrolle über den mehrfachen Schriftsinn nicht nur fast jedes Satzes, sondern fast jedes Wortes." In der Glosse stellt Jordan Mejias eine Initiative in San Francisco vor, die darum wirbt, ein örtliches Klärwerk nach dem scheidenden Präsidenten George W. Bush zu benennen. Von einem gewaltigen Vatikankomplottverdacht, der Italien in Atem hält, berichtet Dirk Schümer. Land unter droht, allen Versprechungen zum Trotz, bei der Staatsoperette in Dresden, warnt Reiner Burger. Wolfgang Sandner bereitet uns auf die Deutschlandpremiere von Christian von Richthofens in London erfolgreichem Autovernichtungsmusical "Auto Auto" vor. Die Empfehlungen einer Kommission, die herausgefunden hat, wie Nordrhein-Westfalen mehr kulturelle Strahlkraft gewinnen könne, kennt Andreas Rossmann. Philipp Vetter porträtiert Ufuk Topkara, der als Muslim durchs Jüdische Museum führt. Gerhard Rohde gratuliert dem Komponisten und Intendanten Peter Ruzicka zum Sechzigsten. Auf der Medienseite schreibt noch einmal Jordan Mejias zum Tod des "legendären Magazinerfinders" Clay Felker. Jörg Thomann macht auf den ab sofort geöffneten "Matussek Fanshop" bei Spiegel Online aufmerksam.


Auf der Kinoseite versucht Bert Rebhandl eine erste Einschätzung zur Frage, wie sehr sich Fritz Langs Klassiker "Metropolis" durch die nun sensationell in Argentinien gefundenen fehlenden Szenen verändern wird. Rüdiger Suchsland hat Julie Christie als Gast des Münchner Filmfests erlebt. Über mehr oder weniger kosmetische Änderungen der Oscar-Auswahlregularien informiert Michael Althen.

Besprochen werden eine Fernand-Leger-Ausstellung in Basel, Mike Leighs neuer Film "Happy-Go-Lucky", und Bücher, darunter Will Selfs Oscar-Wilde-Update "Dorian - eine Nachahmung" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 03.07.2008

Berthold Seewald berichtet über die unter Beteiligung des Deutschen Archäologischen Instituts von Athen gefundenen Überreste des Hippodroms von Olympia. Peter Zander freut sich, dass verschollen geglaubte Kapitel von Fritz Langs "Metropolis" im Museo del Cine in Buenos Aires wiedergefunden wurden - der Director's Cut mit 210 spannenden Minuten kann jetzt komplettiert werden. Hendrik Werner hat erfahren, dass Harry Potter jetzt als Hörbuch auch auf Platt erscheint. Alexander Kluy besucht eine Münchner Ausstellung zum 125. Geburtstag Kafkas, dem der Rowohlt-Verlag auch einen opulenten Bildband widmet. Nach den Serben nun also die Sorben. Thomas Gerlach wirft einen Blick auf das beginnende sorbische Literaturfestival in Bautzen, zu dem als Ehrengast Peter Handke erwartet wird, welcher in der Oberlausitz gerne "kreuz- und quer und vor allem weit" wandert. Und Rainer Haubrich resümiert die Diskussionen um die Pläne für ein Jüdisches Museum in Köln.


Auf der Filmseite unterhält sich Peter Beddies mit der Schauspielerin Sally Hawkins, die in Mike Leighs erstem heiteren Film "Happy-Go-Lucky" mitspielt.

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Weitere Medien, 03.07.2008

In der Weltwoche fordert Jean Ziegler, Beirat des UN-Menschenrechtsrates, eine Intervention der UNO in Simbabwe, dessen Diktator Mugabe in einer "Spirale der Paranoia" versinke. Aber Ziegler wirbt auch um Verständnis für Mugabe und erinnert an den Bürgerkrieg mit den Weißen des ehemaligen Rhodesien: "Der von ihm vertrauensvoll unterschriebene Waffenstillstands-Vertrag sah einen zehnjährigen Eigentumsschutz für die weiße Minderheit vor. Danach, im Jahre 1989 sollte die Landreform stattfinden, finanziert von Grossbritannien. Labour stürzte, Margaret Thatcher kam an die Macht. Sie verweigerte jede Hilfe für die Reform. In den Slums von Bulawayo und Harare, in den Bretterhütten am Rande der weissen Plantagen, lebten Millionen verelendeter afrikanischer Bauern. Im Jahr 2000 schlug Mugabe zu. Ohne Entschädigung, in einer Nacht-und- Nebel-Aktion, wurden die Landbesetzungen, häufig begleitet von irrationaler Gewalt, organisiert. Die weißen Siedler flüchteten."

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nachtkritik, 03.07.2008

Anne Peter ist nach Minsk gereist, um sich das Freie Theater Weißrusslands anzusehen: "Seit 2005 Vladimir Scherbans Inszenierung von Sarah Kanes 'Psychose 4.48' am Yanka-Kupala-Staatstheater verboten wurde, haben sich hier in der Initiative 'Freies Theater' all jene Theatermacher in den Untergrund zurückgezogen, die sich nicht von der staatlichen Kulturpolitik auf dem sehr engen Raum eines - gelinde gesagt - antiquierten Kunstverständnisses zusammenpferchen lassen wollen. Scherban gibt hier weiterhin meist den Regie-Ton an. Eine Theaterlandschaft jenseits der Staatstheater mit ihren vom Kulturministerium streng kontrollierten Spielplänen gibt es praktisch nicht. Und vor allem werden die Staatstheater von Schwanensee-Ballerinen, opulenten Operninszenierungen, Partisanenstücken aus Sowjet-Zeiten, russischen Klassikern und viel Boulevard geprägt. Hauptsache schön, unterhaltsam und harmlos. Das Projekt 'Freies Theater' sei erst beendet, wenn sich das politische System in ihrem Land 'von einem diktatorischen Regime zur Demokratie gewandelt hat', schreibt die Mitbegründerin der Gruppe, Natalia Koliada, in einem Manifest auf der Website des Theaters."

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Die Tageszeitung, 03.07.2008

In der Entlassung Faruk Sens als Direktor des Zentrums für Türkeistudien sieht Dilek Zapticioglu einen Beweis für die Ausgrenzung von Deutschtürken. Sen hatte kürzlich behauptet, die Türken seien die neuen Juden Europas. "Faruk Sen ist ein weiteres abschreckendes Beispiel für alle Deutschtürken, die sich um Integration bemühen. Denn jeder kleine Fauxpas, jedes falsche Wort kann einem offenbar den Kopf und Job kosten, und Schlösser müssen dann ausgewechselt werden, damit man ja nicht wieder in sein Büro einzudringen wagt." (Aber es hätte doch nicht schaden können, wenn Sen seinen Kopf zunächst mal zum Nachdenken genutzt häte.)


Auf den Kulturseiten beklagt Simone Kaempf die mangelnde Thematisierung neuer Lebensmöglichkeiten beim Festival Theater der Welt in Halle, woran auch die Vorstadtjugendlichen in "X(ics)" der italienischen Gruppe Motus litten. Thomas Winkler unterhält sich mit der Rocklegende Sid Griffin über Bluegrass, den Fluch von Gram Parsons und Baseball. Ekkehard Knörer empfiehlt Liebhabern des schmutzigen Action-Kinos und solchen, die es werden wollen, die "Grindhouse"-Kombi der beiden Regisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez jetzt im Freiluftkino anzusehen.

Besprochen werden der Dokumentarfilm "Auge in Auge - Eine deutsche Filmgeschichte" von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler und die DVD von Preston Sturges? Komödie "Sullivans Reisen" aus dem Jahr 1941. Und in tazzwei stellt der niederländische Politaktivist Wam Kat im Interview sein Kochbuch "Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung" vor.

Schließlich Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 03.07.2008

Die Redaktion der Berliner Zeitung hat gegen ihren Chefredakteur Josef Depenbrock geklagt und - verloren. Der Grund für die Klage, berichtet Caspar Busse, war Depenbrocks doppelte Rolle als Chefredakteur der Berliner Zeitung und Geschäftsführer des Berliner Verlags. "Die Redaktion will, dass Depenbrock die Doppelrolle endlich abgibt - zu groß sei der Interessenskonflikt", wenn der Geschäftsführer Personal entlässt, dass der Chefredakteur eigentlich braucht. Richter Andreas Dittert, der die Klage abwies, "zeigte in der Verhandlung zwar durchaus Verständnis für die Argumente der Journalisten. Doch weder aus dem Redaktionsstatut noch aus den Arbeitsverträgen könne juristisch abgeleitet werden, dass ein Chefredakteur nicht gleichzeitig Geschäftsführer sein darf. Einen Anspruch auf Mitbestimmung gebe es nicht. Die Redaktion habe 'kein Vetorecht, sondern nur eine sehr schwache Form der Mitwirkung' bei der Bestellung eines Chefredakteurs, sagte Dittert, der zuvor noch vergeblich eine gütliche Einigung angeregt hatte."


Da war es wohl etwas verfrüht, dass die Redaktion der Berliner Zeitung bereits gestern per Anzeige in der taz nach einem neuen Verleger suchte: "Anstelle redaktioneller Beiträge unter der Rubrik 'flimmern und rauschen' gab es eine sechsspaltige Großanzeige: 'Verleger gesucht', stand da: 'Kaufen Sie uns!' Nur 'ernst gemeinte' Gebote seien an 'die Redaktion - keinesfalls: Chefredaktion - der Berliner Zeitung' zu richten."

Weitere Artikel: Peter Eisenberg, emeritierter Professor für Linguistik, findet Gejammer über einen angeblichen Verfall der deutschen Sprache grundlos: "Tatsache ist, dass das Deutsche heute einen größeren Wortschatz und eine differenziertere Syntax hat als zur Zeit der Klassik." Martin Walser hielt an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste einen Vortrag über die "beklagenswerte Kultur des 'Rechthabenmüssens'" in Deutschland. Die SZ verspricht, diesen Vortrag noch "ausführlich" zu dokumentieren. In Buenos Aires fand man ein 16mm-Negativ mit herausgeschnittenen Szenen aus Fritz Langs Film "Metropolis", lesen wir in einer Meldung. Jens Bisky berichtet von einer Diskussion um die Lindenoper. Alexander Menden meldet die BBC-Ausstrahlung eines 44 Jahre alten Interviews mit den Beatles.

Die Literaturseite ist heute Franz Kafka gewidmet: Thomas Steinfeld würdigt den Sprachvirtuosen Kafka, Burkhard Müller den fragmentarischen Kafka. Andreas Dorschel stört sich im zweiten Teil der Kafka-Biografie von Reiner Stach an den vielen Metaphern.

Besprochen werden die Ausstellung "Hiroshi Sugimoto" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, der Film "Auge in Auge". Eine deutsche Filmgeschichte", der Zeichentrickfilm "Kung Fu Panda" (dazu gibt es ein Interview mit Dustin Hoffman, einem der Sprecher), Nikolaus Harnoncourts Inszenierung von Mozarts "Idomeneo" in Graz und Maurizio Cattelans "Projekt Synagoge Stommeln".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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