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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
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27.02.2007. Einerseits freut man sich ja mit Florian Henckel von Donnersmarck. Aber hat das "Leben der Anderen" wirklich einen Oscar verdient? Nein, meint der ehemalige Bürgerrechtler Werner Schulz in der Welt. Die taz ist pro und kontra. Die FAZ freut sich halb. Die FR meint: Die Amerikaner sehen den Film als Film über die mögliche eigene Zukunft. Außerdem: Im Perlentaucher nennt Timothy Garton Ash sechs Gründe, Europa zu lieben. In der SZ sucht Documenta-Chef Roger M. Buergel einen dritten Weg zwischen Markt und Gegenwartskunst.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Perlentaucher | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 27.02.2007
Der ehemalige Bürgerrechtler Werner Schulz ist mit dem Oscar für "Das Leben der Anderen" nicht einverstanden: "Steven Spielberg wäre weltweit zerpflückt worden, hätte er sich Oskar Schindler und dessen Liste ausgedacht. Roman Polanski wäre es mit dem 'Pianisten' ähnlich ergangen. Mit der DDR-Geschichte kann man offenbar losgelöst von historischer Authentizität frei und phantasievoll umgehen. Da wird aus einem harten Hund, einem Spezialisten für Verhörmethoden und Stasi-Dozenten, plötzlich ein Dissidentenbeschützer."
In Spanien tobt seit einigen Monaten ein "Krieg der Todesanzeigen", schreibt Albrecht Buschmann. Es fing an mit der Tochter eines republikanischen Opfers, die in El Pais eine halbe Seite kaufte und ging weiter mit Anzeigen, die von Nachfahren der "Opfer marxistischer Barbarei" geschaltet wurden. Nun ist etwas Ruhe eingekehrt: "Vorerst. Denn unter Spaniens Erde liegen noch mindestens 80.000 nicht identifzierte Opfer von Francos politischen Säuberungen, um deren Exhumierung sich erst seit wenigen Jahren Ehrenamtliche kümmern. Gerade erst 800 hat man bisher gefunden und den Angehörigen zur Bestattung übergeben. Der Staat drückt sich bis heute um seine Verantwortung, nicht einmal vollständig kartografiert sind diese anonymen Massengräber. Es sind viele Tote ohne Grab, denen ihre Nachfahren endlich einsichtbares Zeichen setzen wollen, und seien es nur die 15 mal 25 Zentimeter einer Todesanzeige."
Weitere Artikel: Christine Fischer berichtet von den Oscar-Verleihungen. Peter Beddies unterhält sich mit Oscar-Preisträger Forest Whitaker über seine Darstellung des Idi Amin. Sven Felix Kellerhoff besuchte eine Berliner Ausstellung, die Axel Springers Wirken für die deutsche Einheit würdigt. Michael Pilz stellt neue Alben von Britpop Bands wie Kaiser Chiefs und Arctic Monkeys vor. Und Gerhard Beckmann porträtiert den Schweizer Schriftsteller Christian Haller, der mit seinem Roman "Die besseren Zeiten" eine dreibändige Familiensaga abschließt.
Auf der Medienseite stellt Katrin Wilkens Theo Sommers englischsprachiges Zeitungsprojekt German Times vor.
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Die Tageszeitung, 27.02.2007
Über den deutschen Oscar-Gewinner "Das Leben der Anderen" ist eine Pro- und Contra-Rezension auf den Tagesthemenseiten zu lesen. Stefan Reinecke verteidigt den Film: "'Das Leben der Anderen' ist ein Kammerspiel, fern von Überwältigungsästhetik. Er verflüssigt die Stasi-Klischees, ohne schönzufärben, und öffnet ein Spiel mit Identifikationen. Das ist der Schlüssel des Erfolges. Vielleicht war die Naivität und obsessive Neugier eines Unbeteiligten wie Florian Henckel von Donnersmarck nötig - eines Westlers, der beim Mauerfall 16 Jahre alt war -, um die ausgetretenen Pfade des DDR-Stasi-Themas zu verlassen. Wo also ist das Problem? Im Jahr 2006 lief 'Das Leben der Anderen' nicht als deutscher Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale. Warum nicht? Warum fällt es so schwer, das Produktive dieses Films zu erkennen? Stimmt, Regisseur von Donnersmarck ist mit einem Selbstbewusstsein gesegnet, das von Hybris kaum zu unterscheiden ist. Aber darum geht es nicht. Es geht um einen kulturkritischen Reflex, der längst zur Routine herabgesunken ist - nämlich dass Erfolg zu misstrauen ist. Ein deutscher Thriller, der auch noch eine politische Geschichte erzählt, steht da gewissermaßen unter Generalverdacht."
Cristina Nord dagegen mag den Film nicht. "Seltsam daran ist nur, dass das Politische in 'Das Leben der Anderen' als Schwundstufe seiner selbst auftritt. Man muss nicht so weit gehen und dem Regisseur vorwerfen, er arbeite mit unmoralischen Kamerafahrten. Doch jede Trennschärfe, jeder analytische Zugang gehen verloren, da 'Das Leben der Anderen' zu jener Spielart von Erzählkino gehört, die politische Sachverhalte als menschlich nachvollziehbar darstellt."
Mehr zu den Oscars: Bert Rebhandl resümiert die Oscarverleihung. In der zweiten taz wundert sich Scott Foundas, der "Das Leben der Anderen" im L.A. Weekly verrissen hat, wie empfindlich der Regisseur darauf reagierte. Adrienne Woltersdorf registriert in den USA einen grundsätzlichen Appetit auf Deutsches.
Im Kulturteil klagen Gunnar Schnabel und Monika Tatzkow, Autoren des "Handbuch Kunstrestitution weltweit", im Interview mit Brigitte Werneburg über das ärgerliche Zögern deutscher Auktionshäuser und Museen, die Herkunft ihrer Bilder zu erforschen. "Wir sagen nicht, im Ausland sei alles besser. Aber es lässt sich Grundsätzliches festhalten. Auch ein Bild, das wie der Kirchner erst nach drei oder vier Weiterveräußerungen erworben wurde, wird in den USA oder in England, Ländern, die nun wirklich nichts mit den Nazis zu tun hatten, grundsätzlich restituiert. Das ist moralische Selbstverständlichkeit. Bei uns heißt es erst mal: Welches Gesetz verlangt das? Das war auch in Österreich lange so. Deshalb musste Alma Mahler-Werfel 50 Jahre um ein Bild streiten, das ihr juristisch eindeutig zustand und das ihre Enkelin jetzt tatsächlich bekam."
Weiteres: Saskia Draxler findet auf der New Yorker Kunstmesse Armory Show nicht nur Spekulanten, sondern auch kleinere private Kunden, die schon ab zehntausend Dollar zugreifen. Besprochen werden Nuran David Calis Inszenierung von Wedekinds "Frühlings Erwachen" am Schauspiel Hamburg und ein Konzert des Jazzsaxofonisten Ornette Coleman in Essen.
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Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2007
Der Berliner Architekt Jürgen Mayer H. hat in Karlsruhe ein Mensagebäude gebaut, das fast schon wieder an die brutalistische Uni-Architektur der Siebziger erinnert. Es ist aber ökologisch korrekt und ganz aus Holz, auch wenn man es nicht sieht, schreibt Roman Hollenstein: "Aus ästhetischen, aber auch aus hygienischen Gründen wurde es nämlich mit einer 2 Millimeter dicken Haut aus Polyurethan überzogen, wie sie sonst im Brückenbau angewendet wird. Nicht nur das ebenso einprägsame wie diskrete, der Normfarbe RAL 1000 entsprechende Gelbgrün dieses Überzugs erinnert an das Design der siebziger Jahre, sondern auch die abgerundeten Ecken, die dem sperrigen Objekt optische Elastizität verleihen."
Weitere Artikel: Claudia Schwartz schreibt zum Tod von Heinz Berggruen. Rüdiger Görner gedenkt des Dichters Henry Wadsworth Longfellow, der in diesen Tagen 200 Jahre alt geworden wäre. Joachim Güntner resümiert eine Weimarer Tagung über "Bielefeld als Denkstil". Martin Zähringer schildert das Kunstbuch als globalisiertes Medium. Inzwischen schicken selbst kleinere deutsche Verlage wie Hatje und Cantz oder Birkhäuser Vertreter nach China und bringen chinesische Übersetzungen für den dortigen neuen Mittelstand heraus. Martin Krumbholz gratuliert Peter Hamm zum Siebzigsten.
Besprochen werden Verdis "La Traviata" in Bern und Handkes neues Prosabuch "Kali".
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Frankfurter Rundschau, 27.02.2007
Die Amerikaner sehen "Das Leben der Anderen" gar nicht als einen Film über ein deutsches Thema, meint Arno Widmann in seinem Oscar-Kommentar: "Zu viele Passagen des Films erinnern die Amerikaner zu sehr an die aktuellen Debatten über patriotisches und unpatriotisches Verhalten in Zeiten des Krieges gegen den Terrorismus . Sie erkennen nicht uns, sondern sich wieder in diesem Film. In den USA ist 'Das Leben der Anderen' kein Film über die Vergangenheit, schon gar nicht die deutsche, sondern die Warnung vor einer möglichen eigenen Zukunft."
Die Lyrikerin Silke Scheuermann erklärt im Interview im Interview, es störe sie nicht unbedingt, dass ihr Debütroman "Die Stunde zwischen Hund und Wolf" als "Porträt einer Generation" gefeiert wird, "weil das ja heißt, dass sich viele in dem Buch wiedererkennen beziehungsweise etwas darin sehen, das zeitgemäß ist. Andererseits ist 'Die Stunde zwischen Hund und Wolf' natürlich keine soziologische Studie und war auch nicht als Generationenroman gemeint. Vielmehr ging es mir um Identität und um das Problem des Identitätsverlustes. Der Ausgangspunkt war ein ganz persönlicher - der Besuch einer Ausstellung von Francis Bacon, der in seinen Porträts das Unheimliche im Menschen, das Tierische zeigt; den Augenblick, in dem der Mensch sich verliert und nur noch Instinkte da sind."
Weitere Artikel: Daniel Kothenschulte verbeugt sich vor Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck und seinen Produzenten Max Wiedemann und Quinn Berg. Diese "haben allen Grund, stolz zu sein". "Ekelhaft" findet der Autor F.C. Delius im Interview mit Ina Hartwig, dass der Rotbuch-Verlag mit dem Verkauf an die Eulenspiegel-Gruppe jetzt in einem Verlag gelandet ist, in dem "Stasi-Offiziere publizieren". Claudia Schmölders präsentiert die neue Zeitschrift für Ideengeschichte. Mirja Rosenau schreibt zum Tod des Kunstsammlers und -händlers Heinz Berggruen. Ina Hartwig verfasst einen Nachruf auf den Schweizer Schriftsteller Jürg Federspiel. Eine Besprechung widmet sich Stephan Kimmigs "fulminanter" Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" am Hamburger Thalia Theater.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Perlentaucher | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2007
In einem Kommentar auf der ersten Seite der FAZ freut sich Verena Lueken nur halb über den Oscar für "Das Leben der anderen": "Niemand will vom deutschen Film offenbar, was etwa der mexikanische mit seinen drei Oscar-Anwärtern 'Children of Men', 'Babel' und 'Pans Labyrinth' in diesem Jahr zeigte: überwältigenden Bildreichtum, weltumspannende Thematiken, visuell komplexe Erzählstrategien. Vom deutschen Kino will man deutsche Themen, am besten aus der Geschichte des Landes, nichts Phantastisches, nichts Atemnehmendes, auch möglichst nichts Kontroversentaugliches, nichts Humoristisches und keinesfalls etwas Grenzgängerisches, wie es inzwischen durchaus Eingang in die Welt der Oscars gefunden hat."
Im Feuilleton freut sich Michael Althen über die Oscars für Martin Scorsese (bester Film, beste Regie): "Und bevor man nun sagt, das sei doch zu viel der Ehre für 'The Departed', sollte man lieber froh sein, dass nicht immer nur die Filme mit vermeintlich gewichtigen Themen ausgezeichnet werden, sondern gelegentlich einfach nur jenes inspirierte Handwerk, das Hollywood besser beherrscht als irgendwer sonst. Im Übrigen ist dies das erste Mal, dass ein Remake mit diesen Ehren ausgezeichnet wurde, denn 'The Departed' ist eine Neuverfilmung des Hongkong-Thrillers 'Infernal Affairs' von Andy Lau und Alan Mak aus dem Jahr 2002."
Weitere Artikel: Was die Wahlfreiheit in Erziehungssachen angeht, findet Patrick Bahners, dass es diese nur gibt, wenn Frauen fürs Zuhausebleiben genauso viel Geld bekommen wie für den Krippenplatz. Klaus Ungerer spottet über die EU, die ihren Bürgern im Auswärtigen Amt die Gelegenheit gab, mal zu sagen, was sie von Europa halten. In der Glosse erläutert Dirk Schümer, warum sich zwei Erben des Hauses von Savoyen jetzt vor Gericht darum streiten, wer das wahre Oberhaupt der einst königlichen Sippe ist. Julia Spinola gratuliert dem Geiger Gidon Kremer zum 60. Den Nachruf auf den Schweizer Schriftsteller Jürg Federspiel hat Pia Reinacher verfasst.
Auf der letzten Seite porträtiert Gina Thomas den Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe, der sich in London als seriöser Theaterschauspieler versucht. Mark Siemons hat den chinesischen Künstler Chao Hai in seinem Atelier besucht. Aus Spanien berichtet Paul Ingendaay von einem Torero, der sich mit 53 Jahren noch einmal in die Arena wagt - und von einer Studie, die zum Schluss kommt, dass die Stiere dank Endorphinausschüttung gar keine Schmerzen verspüren.
Besprochen werden die neue Platte des Rappers Ta'Raach, das Düsseldorfer Auftaktkonzert zur Deutschlandtournee der "genialen Musikpanscherin" Nelly Furtado, Stephan Kimmigs Kurzfassung von Schillers "Maria Stuart" im Hamburger Thalia Theater, eine Ausstellung der Videokünstlerin Aleksandra Polisiewicz, die Hitlers Architekturpläne für Warschau zeigt, und Ariane Grundies Romandebüt "Am Ende ich" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Perlentaucher | Süddeutsche Zeitung
Perlentaucher, 27.02.2007
Timothy Garton Ash nennt im Perlentaucher sechs Gründe, Europa zu lieben. Einer davon ist die Freiheit: "Der Großteil der gegenwärtigen EU-Mitgliedsstaaten waren vor nicht allzu langer Zeit noch Dikaturen. Italiens Präsident Giorgio Napolitano kann sich sehr lebhaft an Mussolinis faschistisches Regime erinnern. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, wuchs in Portugal unter Salazars Diktatur auf. Der EU-Außenbeauftrager Javier Solana weiß noch, wie er Francos Polizei entwischte. Elf der siebenundzwanzig Regierungschefs, die sich im Frühjahr am Runden Tisch zum Europäischen Rat versammeln werden, einschließlich der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, waren vor weniger als zwanzig Jahren der kommunistischen Herrschaft unterworfen. Sie wissen, was Freiheit ist, weil sie wissen, was Unfreiheit ist." Garton Ashs europäische Vorschläge lassen sich hier diskutieren.
Die Welt | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Perlentaucher | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2007
Jörg Häntzschel sucht auf der New Yorker Kunstmesse Armory Show nach Authentischem und findet doch immer wieder Pose. "Die grassierende Cleverness, das Können aber nicht Müssen macht einen großen Teil der ausgestellten Kunst so frustrierend. Hat schon mal jemand mit einer Schrotflinte auf ein Gemälde geschossen? Nein? Also mache ich das jetzt, fertig ist Bild samt sexy Videoarbeit. - Maoistische Propagandaästhetik sieht toll aus. Die könnte man doch zu einem 'Protestplakat' gegen die Kunstwelt umfunktionieren. So entstand Wang Guanjyis 'Art Museum No!' Oft genügt für ein Werk ein einziger Trick: Ersetze ein Material durch ein anderes, schon ist er fertig, der porzellanen dekorative Revolver."
Weiteres: Roger M. Buergel, der Leiter der zwölften documenta in Kassel, will mit einem dritten Weg zwischen Markt und Gegenwartskunst zu einer "ästhetischen Ethik des Miteinander" finden, wie Holger Liebs zu erklären versucht. Susan Vahabzadeh konstatiert bei der Oscarverleihung nach den politischen Appellen der Vergangenheit eine neue Gelassenheit der Hollywoodianer. Andrian Kreye identifiziert Al Gore, der für seinen Umweltfilm "Eine unbequeme Wahrheit" einen Oscar bekam, als Patron des "Green Glamour". Die fünf jungen Libanesen, die Spencer Platt auf dem World Press Photo 2006 verweigt hat, sind ihrem Land nicht so entfremdet wie es scheint, berichtet Sonja Zekri. Harald Eggebrecht schlägt das alte Odeon-Theater als Standort für die geplante Konzerthalle in München vor. Wolfgang Schreiber unterhält sich mit dem nun sechzigjährigen Geiger Gidon Kremer. Dirk Peitz resümiert, wie Musiker im Berliner Haus der Kulturen der Welt über "Wut, Musik und Widerstand" diskutiert haben.
Im Medienteil porträtiert Irmela Schwab die als Bloggerin bekannt gewordene Studienabbrecherin Katharina Borchert, die seit vergangenem Jahr als Online-Chefredakteurin der WAZ fungiert.
Besprochen werden Stephan Kimmigs Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" und Christian Pades Version von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", beide in Hamburg, die Ausstellung "Auktion 392" über den deutschen Kunsthandel zur Zeit des Nationalsozialismus im Leo Baeck Institute in Manhattan, ein Auftritt von Sting in München (Kristina Maidt-Zinke findet im beigestellten Interview heraus, warum er sich derzeit für Renaissancemusik interessiert), und Bücher, darunter Ingolf U. Dalferths Essay über "Das Böse", Judy Budnitz' Erzählungsband "Nice Big American Baby" sowie Dita von Teeses Wende-Bildband "Die Kunst der Burlesque/Die Kunst des Fetisch" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen


