Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

27.02.2007. Einerseits freut man sich ja mit Florian Henckel von Donnersmarck. Aber hat das "Leben der Anderen" wirklich einen Oscar verdient? Nein, meint der ehemalige Bürgerrechtler Werner Schulz in der Welt. Die taz ist pro und kontra. Die FAZ freut sich halb. Die FR meint: Die Amerikaner sehen den Film als Film über die mögliche eigene Zukunft. Außerdem: Im Perlentaucher nennt Timothy Garton Ash sechs Gründe, Europa zu lieben. In der SZ sucht Documenta-Chef Roger M. Buergel einen dritten Weg zwischen Markt und Gegenwartskunst.

Die Welt, 27.02.2007

Der ehemalige Bürgerrechtler Werner Schulz ist mit dem Oscar für "Das Leben der Anderen" nicht einverstanden: "Steven Spielberg wäre weltweit zerpflückt worden, hätte er sich Oskar Schindler und dessen Liste ausgedacht. Roman Polanski wäre es mit dem 'Pianisten' ähnlich ergangen. Mit der DDR-Geschichte kann man offenbar losgelöst von historischer Authentizität frei und phantasievoll umgehen. Da wird aus einem harten Hund, einem Spezialisten für Verhörmethoden und Stasi-Dozenten, plötzlich ein Dissidentenbeschützer."


In Spanien tobt seit einigen Monaten ein "Krieg der Todesanzeigen", schreibt Albrecht Buschmann. Es fing an mit der Tochter eines republikanischen Opfers, die in El Pais eine halbe Seite kaufte und ging weiter mit Anzeigen, die von Nachfahren der "Opfer marxistischer Barbarei" geschaltet wurden. Nun ist etwas Ruhe eingekehrt: "Vorerst. Denn unter Spaniens Erde liegen noch mindestens 80.000 nicht identifzierte Opfer von Francos politischen Säuberungen, um deren Exhumierung sich erst seit wenigen Jahren Ehrenamtliche kümmern. Gerade erst 800 hat man bisher gefunden und den Angehörigen zur Bestattung übergeben. Der Staat drückt sich bis heute um seine Verantwortung, nicht einmal vollständig kartografiert sind diese anonymen Massengräber. Es sind viele Tote ohne Grab, denen ihre Nachfahren endlich einsichtbares Zeichen setzen wollen, und seien es nur die 15 mal 25 Zentimeter einer Todesanzeige."

Weitere Artikel: Christine Fischer berichtet von den Oscar-Verleihungen. Peter Beddies unterhält sich mit Oscar-Preisträger Forest Whitaker über seine Darstellung des Idi Amin. Sven Felix Kellerhoff besuchte eine Berliner Ausstellung, die Axel Springers Wirken für die deutsche Einheit würdigt. Michael Pilz stellt neue Alben von Britpop Bands wie Kaiser Chiefs und Arctic Monkeys vor. Und Gerhard Beckmann porträtiert den Schweizer Schriftsteller Christian Haller, der mit seinem Roman "Die besseren Zeiten" eine dreibändige Familiensaga abschließt.

Auf der Medienseite stellt Katrin Wilkens Theo Sommers englischsprachiges Zeitungsprojekt German Times vor.

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Die Tageszeitung, 27.02.2007

Über den deutschen Oscar-Gewinner "Das Leben der Anderen" ist eine Pro- und Contra-Rezension auf den Tagesthemenseiten zu lesen. Stefan Reinecke verteidigt den Film: "'Das Leben der Anderen' ist ein Kammerspiel, fern von Überwältigungsästhetik. Er verflüssigt die Stasi-Klischees, ohne schönzufärben, und öffnet ein Spiel mit Identifikationen. Das ist der Schlüssel des Erfolges. Vielleicht war die Naivität und obsessive Neugier eines Unbeteiligten wie Florian Henckel von Donnersmarck nötig - eines Westlers, der beim Mauerfall 16 Jahre alt war -, um die ausgetretenen Pfade des DDR-Stasi-Themas zu verlassen. Wo also ist das Problem? Im Jahr 2006 lief 'Das Leben der Anderen' nicht als deutscher Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale. Warum nicht? Warum fällt es so schwer, das Produktive dieses Films zu erkennen? Stimmt, Regisseur von Donnersmarck ist mit einem Selbstbewusstsein gesegnet, das von Hybris kaum zu unterscheiden ist. Aber darum geht es nicht. Es geht um einen kulturkritischen Reflex, der längst zur Routine herabgesunken ist - nämlich dass Erfolg zu misstrauen ist. Ein deutscher Thriller, der auch noch eine politische Geschichte erzählt, steht da gewissermaßen unter Generalverdacht."


Cristina Nord dagegen mag den Film nicht. "Seltsam daran ist nur, dass das Politische in 'Das Leben der Anderen' als Schwundstufe seiner selbst auftritt. Man muss nicht so weit gehen und dem Regisseur vorwerfen, er arbeite mit unmoralischen Kamerafahrten. Doch jede Trennschärfe, jeder analytische Zugang gehen verloren, da 'Das Leben der Anderen' zu jener Spielart von Erzählkino gehört, die politische Sachverhalte als menschlich nachvollziehbar darstellt."

Mehr zu den Oscars: Bert Rebhandl resümiert die Oscarverleihung. In der zweiten taz wundert sich Scott Foundas, der "Das Leben der Anderen" im L.A. Weekly verrissen hat, wie empfindlich der Regisseur darauf reagierte. Adrienne Woltersdorf registriert in den USA einen grundsätzlichen Appetit auf Deutsches.

Im Kulturteil klagen Gunnar Schnabel und Monika Tatzkow, Autoren des "Handbuch Kunstrestitution weltweit", im Interview mit Brigitte Werneburg über das ärgerliche Zögern deutscher Auktionshäuser und Museen, die Herkunft ihrer Bilder zu erforschen. "Wir sagen nicht, im Ausland sei alles besser. Aber es lässt sich Grundsätzliches festhalten. Auch ein Bild, das wie der Kirchner erst nach drei oder vier Weiterveräußerungen erworben wurde, wird in den USA oder in England, Ländern, die nun wirklich nichts mit den Nazis zu tun hatten, grundsätzlich restituiert. Das ist moralische Selbstverständlichkeit. Bei uns heißt es erst mal: Welches Gesetz verlangt das? Das war auch in Österreich lange so. Deshalb musste Alma Mahler-Werfel 50 Jahre um ein Bild streiten, das ihr juristisch eindeutig zustand und das ihre Enkelin jetzt tatsächlich bekam."

Weiteres: Saskia Draxler findet auf der New Yorker Kunstmesse Armory Show nicht nur Spekulanten, sondern auch kleinere private Kunden, die schon ab zehntausend Dollar zugreifen. Besprochen werden Nuran David Calis Inszenierung von Wedekinds "Frühlings Erwachen" am Schauspiel Hamburg und ein Konzert des Jazzsaxofonisten Ornette Coleman in Essen.

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Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2007

Der Berliner Architekt Jürgen Mayer H. hat in Karlsruhe ein Mensagebäude gebaut, das fast schon wieder an die brutalistische Uni-Architektur der Siebziger erinnert. Es ist aber ökologisch korrekt und ganz aus Holz, auch wenn man es nicht sieht, schreibt Roman Hollenstein: "Aus ästhetischen, aber auch aus hygienischen Gründen wurde es nämlich mit einer 2 Millimeter dicken Haut aus Polyurethan überzogen, wie sie sonst im Brückenbau angewendet wird. Nicht nur das ebenso einprägsame wie diskrete, der Normfarbe RAL 1000 entsprechende Gelbgrün dieses Überzugs erinnert an das Design der siebziger Jahre, sondern auch die abgerundeten Ecken, die dem sperrigen Objekt optische Elastizität verleihen."


Weitere Artikel: Claudia Schwartz schreibt zum Tod von Heinz Berggruen. Rüdiger Görner gedenkt des Dichters Henry Wadsworth Longfellow, der in diesen Tagen 200 Jahre alt geworden wäre. Joachim Güntner resümiert eine Weimarer Tagung über "Bielefeld als Denkstil". Martin Zähringer schildert das Kunstbuch als globalisiertes Medium. Inzwischen schicken selbst kleinere deutsche Verlage wie Hatje und Cantz oder Birkhäuser Vertreter nach China und bringen chinesische Übersetzungen für den dortigen neuen Mittelstand heraus. Martin Krumbholz gratuliert Peter Hamm zum Siebzigsten.

Besprochen werden Verdis "La Traviata" in Bern und Handkes neues Prosabuch "Kali".

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Frankfurter Rundschau, 27.02.2007

Die Amerikaner sehen "Das Leben der Anderen" gar nicht als einen Film über ein deutsches Thema, meint Arno Widmann in seinem Oscar-Kommentar: "Zu viele Passagen des Films erinnern die Amerikaner zu sehr an die aktuellen Debatten über patriotisches und unpatriotisches Verhalten in Zeiten des Krieges gegen den Terrorismus . Sie erkennen nicht uns, sondern sich wieder in diesem Film. In den USA ist 'Das Leben der Anderen' kein Film über die Vergangenheit, schon gar nicht die deutsche, sondern die Warnung vor einer möglichen eigenen Zukunft."


Die Lyrikerin Silke Scheuermann erklärt im Interview im Interview, es störe sie nicht unbedingt, dass ihr Debütroman "Die Stunde zwischen Hund und Wolf" als "Porträt einer Generation" gefeiert wird, "weil das ja heißt, dass sich viele in dem Buch wiedererkennen beziehungsweise etwas darin sehen, das zeitgemäß ist. Andererseits ist 'Die Stunde zwischen Hund und Wolf' natürlich keine soziologische Studie und war auch nicht als Generationenroman gemeint. Vielmehr ging es mir um Identität und um das Problem des Identitätsverlustes. Der Ausgangspunkt war ein ganz persönlicher - der Besuch einer Ausstellung von Francis Bacon, der in seinen Porträts das Unheimliche im Menschen, das Tierische zeigt; den Augenblick, in dem der Mensch sich verliert und nur noch Instinkte da sind."

Weitere Artikel: Daniel Kothenschulte verbeugt sich vor Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck und seinen Produzenten Max Wiedemann und Quinn Berg. Diese "haben allen Grund, stolz zu sein". "Ekelhaft" findet der Autor F.C. Delius im Interview mit Ina Hartwig, dass der Rotbuch-Verlag mit dem Verkauf an die Eulenspiegel-Gruppe jetzt in einem Verlag gelandet ist, in dem "Stasi-Offiziere publizieren". Claudia Schmölders präsentiert die neue Zeitschrift für Ideengeschichte. Mirja Rosenau schreibt zum Tod des Kunstsammlers und -händlers Heinz Berggruen. Ina Hartwig verfasst einen Nachruf auf den Schweizer Schriftsteller Jürg Federspiel. Eine Besprechung widmet sich Stephan Kimmigs "fulminanter" Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" am Hamburger Thalia Theater.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2007

In einem Kommentar auf der ersten Seite der FAZ freut sich Verena Lueken nur halb über den Oscar für "Das Leben der anderen": "Niemand will vom deutschen Film offenbar, was etwa der mexikanische mit seinen drei Oscar-Anwärtern 'Children of Men', 'Babel' und 'Pans Labyrinth' in diesem Jahr zeigte: überwältigenden Bildreichtum, weltumspannende Thematiken, visuell komplexe Erzählstrategien. Vom deutschen Kino will man deutsche Themen, am besten aus der Geschichte des Landes, nichts Phantastisches, nichts Atemnehmendes, auch möglichst nichts Kontroversentaugliches, nichts Humoristisches und keinesfalls etwas Grenzgängerisches, wie es inzwischen durchaus Eingang in die Welt der Oscars gefunden hat."


Im Feuilleton freut sich Michael Althen über die Oscars für Martin Scorsese (bester Film, beste Regie): "Und bevor man nun sagt, das sei doch zu viel der Ehre für 'The Departed', sollte man lieber froh sein, dass nicht immer nur die Filme mit vermeintlich gewichtigen Themen ausgezeichnet werden, sondern gelegentlich einfach nur jenes inspirierte Handwerk, das Hollywood besser beherrscht als irgendwer sonst. Im Übrigen ist dies das erste Mal, dass ein Remake mit diesen Ehren ausgezeichnet wurde, denn 'The Departed' ist eine Neuverfilmung des Hongkong-Thrillers 'Infernal Affairs' von Andy Lau und Alan Mak aus dem Jahr 2002."

Weitere Artikel: Was die Wahlfreiheit in Erziehungssachen angeht, findet Patrick Bahners, dass es diese nur gibt, wenn Frauen fürs Zuhausebleiben genauso viel Geld bekommen wie für den Krippenplatz. Klaus Ungerer spottet über die EU, die ihren Bürgern im Auswärtigen Amt die Gelegenheit gab, mal zu sagen, was sie von Europa halten. In der Glosse erläutert Dirk Schümer, warum sich zwei Erben des Hauses von Savoyen jetzt vor Gericht darum streiten, wer das wahre Oberhaupt der einst königlichen Sippe ist. Julia Spinola gratuliert dem Geiger Gidon Kremer zum 60. Den Nachruf auf den Schweizer Schriftsteller Jürg Federspiel hat Pia Reinacher verfasst.

Auf der letzten Seite porträtiert Gina Thomas den Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe, der sich in London als seriöser Theaterschauspieler versucht. Mark Siemons hat den chinesischen Künstler Chao Hai in seinem Atelier besucht. Aus Spanien berichtet Paul Ingendaay von einem Torero, der sich mit 53 Jahren noch einmal in die Arena wagt - und von einer Studie, die zum Schluss kommt, dass die Stiere dank Endorphinausschüttung gar keine Schmerzen verspüren.

Besprochen werden die neue Platte des Rappers Ta'Raach, das Düsseldorfer Auftaktkonzert zur Deutschlandtournee der "genialen Musikpanscherin" Nelly Furtado, Stephan Kimmigs Kurzfassung von Schillers "Maria Stuart" im Hamburger Thalia Theater, eine Ausstellung der Videokünstlerin Aleksandra Polisiewicz, die Hitlers Architekturpläne für Warschau zeigt, und Ariane Grundies Romandebüt "Am Ende ich" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Perlentaucher, 27.02.2007

Timothy Garton Ash nennt im Perlentaucher sechs Gründe, Europa zu lieben. Einer davon ist die Freiheit: "Der Großteil der gegenwärtigen EU-Mitgliedsstaaten waren vor nicht allzu langer Zeit noch Dikaturen. Italiens Präsident Giorgio Napolitano kann sich sehr lebhaft an Mussolinis faschistisches Regime erinnern. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, wuchs in Portugal unter Salazars Diktatur auf. Der EU-Außenbeauftrager Javier Solana weiß noch, wie er Francos Polizei entwischte. Elf der siebenundzwanzig Regierungschefs, die sich im Frühjahr am Runden Tisch zum Europäischen Rat versammeln werden, einschließlich der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, waren vor weniger als zwanzig Jahren der kommunistischen Herrschaft unterworfen. Sie wissen, was Freiheit ist, weil sie wissen, was Unfreiheit ist." Garton Ashs europäische Vorschläge lassen sich hier diskutieren.

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Süddeutsche Zeitung, 27.02.2007

Jörg Häntzschel sucht auf der New Yorker Kunstmesse Armory Show nach Authentischem und findet doch immer wieder Pose. "Die grassierende Cleverness, das Können aber nicht Müssen macht einen großen Teil der ausgestellten Kunst so frustrierend. Hat schon mal jemand mit einer Schrotflinte auf ein Gemälde geschossen? Nein? Also mache ich das jetzt, fertig ist Bild samt sexy Videoarbeit. - Maoistische Propagandaästhetik sieht toll aus. Die könnte man doch zu einem 'Protestplakat' gegen die Kunstwelt umfunktionieren. So entstand Wang Guanjyis 'Art Museum No!' Oft genügt für ein Werk ein einziger Trick: Ersetze ein Material durch ein anderes, schon ist er fertig, der porzellanen dekorative Revolver."


Weiteres: Roger M. Buergel, der Leiter der zwölften documenta in Kassel, will mit einem dritten Weg zwischen Markt und Gegenwartskunst zu einer "ästhetischen Ethik des Miteinander" finden, wie Holger Liebs zu erklären versucht. Susan Vahabzadeh konstatiert bei der Oscarverleihung nach den politischen Appellen der Vergangenheit eine neue Gelassenheit der Hollywoodianer. Andrian Kreye identifiziert Al Gore, der für seinen Umweltfilm "Eine unbequeme Wahrheit" einen Oscar bekam, als Patron des "Green Glamour". Die fünf jungen Libanesen, die Spencer Platt auf dem World Press Photo 2006 verweigt hat, sind ihrem Land nicht so entfremdet wie es scheint, berichtet Sonja Zekri. Harald Eggebrecht schlägt das alte Odeon-Theater als Standort für die geplante Konzerthalle in München vor. Wolfgang Schreiber unterhält sich mit dem nun sechzigjährigen Geiger Gidon Kremer. Dirk Peitz resümiert, wie Musiker im Berliner Haus der Kulturen der Welt über "Wut, Musik und Widerstand" diskutiert haben.

Im Medienteil porträtiert Irmela Schwab die als Bloggerin bekannt gewordene Studienabbrecherin Katharina Borchert, die seit vergangenem Jahr als Online-Chefredakteurin der WAZ fungiert.

Besprochen werden Stephan Kimmigs Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" und Christian Pades Version von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", beide in Hamburg, die Ausstellung "Auktion 392" über den deutschen Kunsthandel zur Zeit des Nationalsozialismus im Leo Baeck Institute in Manhattan, ein Auftritt von Sting in München (Kristina Maidt-Zinke findet im beigestellten Interview heraus, warum er sich derzeit für Renaissancemusik interessiert), und Bücher, darunter Ingolf U. Dalferths Essay über "Das Böse", Judy Budnitz' Erzählungsband "Nice Big American Baby" sowie Dita von Teeses Wende-Bildband "Die Kunst der Burlesque/Die Kunst des Fetisch" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

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