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Martin Kohan: Sekundenlang

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05.02.2007. Eine winzige Zeitungsnotiz aus Buenos Aires, September 1923: Leiche in Hotelzimmer gefunden... Sollte das die beiden argentinischen Provinzjournalisten, die fünfzig Jahre später nach einem griffigen Sujet für einen Jubiläumsartikel ihres Blatts suchen, mehr interessieren als der mythische Boxkampf Luis Angel Firpo gegen Jack Dempsey in New York September 1923, bei dem der argentinische Herausforderer skandalös um den Sieg gebracht wurde? Lesen Sie einen Auszug aus dem Roman "Sekundenlang" des argentinischen Schriftstellers Martin Kohan.
Martin Kohan: Sekundenlang
Roman
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
271 Seiten, gebunden, Euro 19,80

Erscheint am 19. Feburar 2007

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Zum Buch: Knapper ging es nicht: Leiche in Hotelzimmer gefunden. Eine winzige Zeitungsnotiz aus Buenos Aires, September 1923. Sollte das die beiden argentinischen Provinzjournalisten, die fünfzig Jahre später nach einem griffigen Sujet für einen Jubiläumsartikel ihres Blatts suchen, mehr interessieren als der mythische Boxkampf Luis Angel Firpo gegen Jack Dempsey New York September 1923, bei dem der argentinische Herausforderer skandalös um den Sieg gebracht wurde? Mehr als das Gastspiel von Richard Strauss im selben Monat im Teatro Colon mit der bereits legendären Aufführung von Gustav Mahlers 1. Symphonie?
Sportredakteur Verani jedenfalls ist überzeugt, dass der Tod des Unbekannten mit dem Boxkampf zu tun hat. Die Versuche seines Kollegen vom Feuilleton, ihm Parallelen zwischen Boxkampf und Symphonien zu erläutern, lässt er stoisch über sich ergehen. Auch der subtile Clinch zwischen dem erfolgreichen Techniker Richard Strauss und dem genialisch tastenden Neuerer Gustav Mahler berührt ihn nicht sonderlich. Es müsste doch verdammtnochmal herauszukriegen sein, warum der Mann im Hotel, offenbar ein Ausländer, aufgeknüpft an der Decke hing. Hatte er sich bei dem Boxkampf fatal verwettet? Die Wirklichkeit - aber das erfährt der Leser erst sehr viel später von einem hellwachen Greis in Buenos Aires - ist um einiges zugespitzter.

Zum Autor: Martin Kohan wurde 1967 in Buenos Aires geboren und lebt dort bis heute. Er hat fünf Romane, zwei Bände mit Erzählungen und zwei große Essays (einen über Eva Peron und einen über Walter Benjamin) veröffentlicht. Mehrmals im Monat fliegt er von Buenos Aires in den Süden, wo er an der Universität von Patagonien - ebenso wie in der Hauptstadt - literarische Theorie lehrt.
(Foto Alejandra Lopez, Courtesy Suhrkamp Verlag)

Zum Übersetzer: Peter Kultzen, geboren 1962 in Hamburg, studierte Romanistik und Germanistik in München, Salamanca, Madrid und Berlin. Er lebt mit seiner Familie als Freier Lektor und Übersetzer spanisch- und portugiesischsprachiger Literatur in Berlin. Für den Perlentaucher sichtet und resümiert er Magazine aus Lateinamerika und von der Iberischen Halbinsel.

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