Mehr als je zuvor brauche unser von Konflikten geschüttelter Planet jene Qualitäten, die allein Europa in seiner mehr als zweitausendjährigen Geschichte erworben habe: seine Selbstkritik, seinen Drang zur Selbst-Transzendierung und zum Experiment; seine Einsicht, dass alternative und bessere Formen des menschlichen Miteinanders erreichbar seien, ebenso wie sein Engagement, Möglichkeiten und Wege zu suchen, das Erkannte in die Praxis umzusetzen. Europa sei sich heute jedoch seiner selbst und seiner Stellung in der sich schnell ändernden Welt unsicher, es sei ohne Visionen, eingeschränkt in seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten und ohne den Willen, sich seiner Berufung zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.08.2015
Martin Winter kennt und schätzt den britisch-polnischen Soziologen Zygmunt Bauman als einen jener "zornigen alten Männer", die von der Hoffnung auf eine bessere Welt, die sie nach 1945 schöpften, nicht lassen wollen. Und deswegen sieht er auch über einige historische Fehldeutungen hinweg, wenn Bauman in seiner neuen Streitschrift die verzagten Europäer zu mehr Abenteuerlust auffordert. Krisenbewältigung kann doch nicht alles gewesen sein! Bauman möchte Europa zu einem globalen Vorbild machen, für eine "umfassende, universale, humane Gesellschaft", die gegen Wirtschaft und Finanzen wieder den Menschen setzt. Wenn es Europa gäbe, seufzt Winter, wäre das vielleicht genau das Richtige...
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