Zoran Drvenkar

Cengiz und Locke

Ab 14 Jahren
Cover: Cengiz und Locke
Carlsen Verlag, Hamburg 2002
ISBN 9783551580740
Gebunden, 316 Seiten, 16,50 EUR

Klappentext

Cengiz und Locke leben in Berlin. Beide sind vierzehn Jahre alt und gehören zur selben Clique aus deutschen und türkischen Jugendlichen. Cengiz, der Mongole, kommt aus einem traditionellen Elternhaus, in dem sein despotischer Vater das Sagen hat. Locke, eigentlich Matthias lebt bei seiner depressiven Mutter, die Abend für Abend darauf wartet, dass Lockes Vater sich wieder bei ihr meldet. Bei einem missglückten Einbruch kommen die beiden sich näher. An nur einem Wochenende eskaliert die immer schon angespannte Situation mit der verfeindeten Clique - den verhassten Yugos. Alles beginnt mit einer Schießerei, Cengiz und Locke sind mittendrin - in Berlin und in einer Spirale der Gewalt, der sie sich nicht entziehen können...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2004

Hilde Elisabeth Menzel ist beeindruckt, "wie dicht" der Autor "dran ist" an den Berliner Kindern, die in dieser "knallharten" Geschichte einen Bandenkrieg mit jugoslawischen Kindern ausfechten. Erwachsene mögen damit ihre Schwierigkeiten haben, doch Jugendlichen, glaubt Menzel, werden von der "dichten, coolen Sprache" und den "kaputten Typen" fasziniert sein, auch wenn sie nicht zu einer Bande gehören. Schließlich ist es gut zu wissen, wie es in den Köpfen der gewalttätigen "Typen von nebenan" aussieht, findet Menzel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.05.2002

Die Luchs Jury hat ein neues Buch ausgewählt und Konrad Heidkamp stellt es vor. "Für wen?," lautet seine erste Frage, die Frage der "Bedenkenträger", für wen ist ein solches Buch geschrieben? Doch zuerst ein Abriss. Marco will seine Gang auf sich einschwören, doch alles läuft schief, ein Mädchen muss sterben und es scheint, als gäbe es keinerlei Optionen auf die Zukunft mehr. Zoran Dvrenkar schreibt einen Jugendroman, in dem aus der Szenesprache kunstvolle Monologe konstruiert werden, in dem die Perspektiven sich kreuzen und überlappen - dadurch erspart er sich den "auktorialen" Zeigefinger, lobt Heidkamp, und bleibt nah an seinen Figuren. "Die Differenz wird deutlich: zwischen den Kindergedanken und der coolen Sprache, der einsame Wolf ist immer Kind". Die "enge Verbindung aus Hilflosigkeit und Brutalität" tritt zutage, der Jugendliche fühlt sich "als Aussätziger und Held zugleich" und hat das berauschende Gefühl, zur Legende zu werden. Die Frage "für wen?" will Heidkamp aber nicht unbeantwortet lassen. "Müßige Frage", als wären Pferdebücher von Pferden oder für Pferde geschrieben. Er zeigt Cengiz, den 16-jährigen Türken, wie er "verzweifelt, zugleich glücklich durch die Straßen" läuft, und schließt: "Wem dieses Gefühl vertraut ist, für den ist dieses Buch."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Ein kleines Meisterwerk sei der Roman über zwei Jugendliche Absteiger in Berlin, die immer tiefer dem Sog ihrer Jugendgang erliegen, schreibt Siggi Seuss. Dabei sei Drvenkars Roman mehr als ein rasanter Jugendkrimi, da er auch die Lebensverhältnisse der Jugendlichen beleuchte, ohne diese zu Antihelden zu stilisieren. Drvenkar habe schon mit seinem Debütroman "Im Regen stehen" bewiesen, dass er das Cliquenmilieu aus eigener Anschauung kennt. Als auktorialer Erzähler habe er dem Roman ein mitreißendes Tempo verliehen, einem Rhythmus, dem man sich als Leser schwer entziehen könne, lobt Seuss.
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