Aus dem Italienischen von Alessia Radomski. Dieser Comic erzählt von einer Reise, die den italienischen Comiczeichner Zerocalcare im Sommer 2025 nach Ostdeutschland führt. Sein Ziel ist Jena - die Heimat der nicht-binären Antifaschist*in Maja T., die seit über einem Jahr in Ungarn isoliert in Untersuchungshaft sitzt und dem im Januar erwarteten Urteil entgegenblickt. Bis zu 24 Jahre Haft stehen im Raum. Auslieferung und Prozess werfen drängende Fragen auf: nach der Verfasstheit unserer Gesellschaft, globalisiertem Faschismus und nach dem, was wir landläufig als "Rechtsstaat" bezeichnen. Zerocalcare schreibt damit seine Auseinandersetzung mit dem Budapestkomplex fort. Im Mittelpunkt seiner Recherche steht Majas Jugend, ihr Weg, ihr Umfeld. Was bewegt junge Menschen in Ostdeutschland dazu, Antifaschist*innen zu werden? Auf der Suche nach dem, was Maja geprägt hat, stößt Zerocalcare unweigerlich auf die jüngste deutsche Geschichte. Eine Vergangenheit, gezeichnet von rechter Gewalt, den Morden des NSU, von Spuren, die bis nach Budapest reichen, und von politischen Verstrickungen zwischen Behörden und dem Neonazi-Milieu der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Er begegnet einem Deutschland, das ihm fremd ist - einem Land, das in Italien als Vorbild der Aufarbeitung gilt und das dennoch bei den Morden an MigrantInnen nur "Ausländerkriminalität" sieht und in zynischer Manier von "Dönermorden" spricht. Gleichzeitig wächst aus diesem Unrecht Widerstand: der beharrliche Protest migrantischer Communities und antifaschistisches Engagement. Zerocalcare folgt der Spur des vergossenen Blutes und fragt: Welche Verantwortung hat die deutsche Gesellschaft tatsächlich übernommen - und worüber schweigt sie bis heute?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.01.2026
Rezensentin Olga Hochweis scheint Zerocalcares neue Graphic Novel ziemlich gut zu gefallen. Sie beschäftigt sich mit der linken Aktivistin Maja T. aus Halle, die im Jahr 2023 in Budapest Neonazis körperlich attackiert haben soll und später unter fragwürdigen Umständen nach Ungarn abgeschoben wurde, wo ihr derzeit der Prozess gemacht wird. Zerocalcare aka Michele Rech zeichnet in schwarz-weiß gehaltenen, klar konturierten Panels nach, wie Maja T. durch die Aufklärung der NSU-Morde und die neuerliche Ausländerfeindlichkeit nach der Ankunft von Flüchtlingen aus Syrien im Jahr 2015 politisiert wurde. Keinen Hehl macht Zerocalcare aus seiner eigenen parteiischen Sicht auf die Dinge - er positioniert sich politisch klar links, womit die Rezensentin kein Problem hat. Freilich merkt sie am Ende an, dass der Widerstand gegen den aufkommenden Faschismus nicht gewalttätige Formen annehmen darf; ob die dynamisch und durchaus differenziert gestaltete Graphic Novel Zerocalcares zu einem ähnlichen Schluss kommt, bleibt offen.
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