Roger Behrens

testcard #27: Rechtspop

Beiträge zur Popgeschichte
Cover: testcard #27: Rechtspop
Ventil Verlag, Mainz 2023
ISBN 9783931555269
Broschiert, 296 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Zukunft statt Vergangenheit, bunt statt braun, Plastik statt Kruppstahl, Spiel statt Arbeit, Mode statt Uniform, Witz statt Härte, Love statt Hass, Individualismus statt Volksgemeinschaft, Sexyness statt Männlichkeit, Rock'n'Roll statt Gleichschritt, Cool statt Kälte … Pop war einmal entstanden inmitten der Trümmer, die Faschismus und Krieg hinterlassen hatten: Mit der Verteidigung einer besseren Welt sollte der Fortschritt wieder in Gang gesetzt werden, um das Leben für alle "different and appealing" zu machen. Doch irgendwann ist Pop scharf rechts abgebogen. Faschismus - das war die geschlossene Gesellschaft des Gehorsams. Pop dagegen galt als antifaschistische Kultur - ohne den Antifaschismus politisch benennen zu müssen, ohne den Antifaschismus gesellschaftlich zu praktizieren; es reichten die entsprechenden Symbole. Was in den 1950ern aus den USA nach Europa kam, schien eine offene Gesellschaft zu versprechen, appellierte an die Mündigkeit - und erlaubte den Jugendlichen einen Ungehorsam, um sich auszuprobieren, um Neues zu wagen, um sich selbst zu entdecken. Heute haben sich die Zeichen umgekehrt, die Rechte hat den Pop für sich entdeckt. Doch wie ist es zu dieser Bedeutungsentwertung von Popkultur gekommen? Dieser Frage geht die testcard in zahlreichen Artikeln nach. Aus dem Inhalt: Rechte Frauen in der Popkultur, Menschenfeindlichkeit in rechter Meme-Culture, Filme von Steve Bannon, Diktatorenromane, Selbstoptimierung statt Solidarität, Stephan Trüby über rechte Räume, Identitäre Bewegung …

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.02.2024

Ganz glücklich wird Rezensent Julian Weber nicht mit dieser dicken neuen Testcard-Ausgabe, die sich ganz dem Rechtspop widmet. Zwar liest der Kritiker durchaus mit Interesse von einer Unkultur, die volkstümliche Schlager eines Andreas Gabalier, Nazirap von Chris Ares oder Pamphlete der Identitären Bewegung vereint. Weshalb die Autoren so weit gehen, auch das literische Genre des "Diktatorenromans" mitaufzunehmen, kann der Rezensent allerdings nicht nachvollziehen. Auch das Schreckensszenario, das etwa Frank Apunkt Schneider in seinem Beitrag ausmalt, indem er die Poplinke als "marginal" bezeichnet, dafür aber vor einer Okkupierung durch "popaffine Nazis" warnt, kann Weber nicht ganz teilen. Und wenn Steffen Greiner Esoterikern der Weimarer Republik Pop-Strategien unterstellt, kann sich der Kritiker das nur mit "begrifflicher Faulheit" erklären. Anderes, etwa Franziska Meiferts Text über die reaktionäre Entwicklung der russischen Popkultur seit den Neunzigern, liest Weber indes mit Gewinn.

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