Aus dem Koreanischen und mit einem Nachwort von Alissa Walser und An In Kil. Zarte Liebes- und andere Lebens-Geschichten aus dreißig Jahren in Korea. Die Liebe wird oft durch die Umstände nahezu unlebbar. Doch die Erzählungen entfalten eine sanfte Intensität. Eine fremde Welt? Beschrieben, überschrieben von den Erinnerungen an eine ferne Zeit historisch anmutender Verhältnisse, Umstände, Situationen im (immer noch) geteilten Korea: in einer Sprache, die an der Konvention zweifelt und von den Konventionen spricht, an denen ihre Figuren verzweifeln. Das unfallartige Aufeinandertreffen von Raum und Zeit, Geschlechtern und Gesetzen, Ideologien und Ideen, das uns in Deutschland, bis auf die Fremdheit der Namen, so fremd nicht sein kann...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2004
Kurz und knapp lobt Steffen Gnam den 1977 verstorbenen An Su Kil als herausragenden Erzähler. Er habe die "Grenzgänge und Wendepunkte der modernen koreanischen Literatur" mitgeprägt und in seiner Lebenszeit mehrere Einschnitte in der Geschichte seines Landes miterlebt: von der japanischen Annexion früh im Jahrhundert, über den Koreakrieg und bis zu den Studentenunruhen von 1960. All das geht ein in seine Erzählungen, die mittels "Rückblenden und raffinierten Blickwechseln zwischen den Biografien der Generationen" vermitteln und so kunstvoll die "Schicksalsfäden" eines Volkes spinnen. Über allem liegen dem Rezensenten zufolge ein "vage depressiver Grundton, Fatalismus und verhaltener Verfolgungswahn". Viele Geschichten - man vermutet, erfährt aber aus der Rezension leider nicht, ob sie aus verschiedenen Schaffensperioden zusammengestellt wurden - spielen in der ebenfalls japanisch besetzten Mandschurei, wo An Su Kil eine Zeitlang in den 30er Jahren als Emigrant lebte: "brüchige Idyllen", in denen "die koloniale Realität mit erschütternder Intensität" zutage trete. So gelte es hier einen Autoren zu entdecken, der "vielschichtige und sich erst bei genauem Lesen erschließende Einblicke in die Psyche eines geteilten Volkes" biete.
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