Am Anfang steht Barbara. Barbara, die sich mit zweiundzwanzig im Fluss ertränkt. Ihr Tod, der im ganzen Dorf die Telefone schellen lässt, bringt die anderen zum Reden: ihren Bruder Adam, ihre Freundin Nora und Yann, den Eindringling, der aus der Stadt neu zugezogen war. Sie alle sind mit der Verstorbenen und den Zwillingen Annemarie und Hans zur Schule
gegangen. Es waren kinderreiche Zeiten, und die Enge im Elternhaus trieb die Kinder nach draußen. Doch unter den Erinnerungen an das Jagen über die Felder oder jenes Streichholzspiel auf dem Pausenhof liegt etwas anderes, Unausgesprochenes begraben: In einer unbeobachteten Nacht verübten sie ein Gewaltverbrechen an einem von ihnen.
Einen starken Sog auslösend, erzählt Mahlstrom die Geschichte sechs junger Menschen, die in einer dicht verwobenen Dorfgemeinschaft herangewachsen sind. Zugleich geschützt und bedroht von den engen Banden, sind sie im Erwachsenenleben angekommen und stecken doch noch knietief in ihrer Kindheit. Erst Barbaras Selbstmord bringt den Stein ins Rollen und zwingt die Übriggebliebenen, sich mehr als zehn Jahre nach dem Verbrechen dem Geschehenen zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2017
Gebannt hat Rezensentin Martina Läubli den zweiten Roman der bisher noch unter dem Namen Yael Pieren veröffentlichenden Schweizer Autorin Yael Inokai gelesen. Ein wenig "kantiger" noch als in ihrem Debüt "Storchenbiss" erscheint der Kritikerin die Sprache der jungen Autorin, mit ihrer ganz eigenen Mischung aus "Poesie und Präzision" kann sie Läubli einmal mehr begeistern. Wie Inokai in ihrer Geschichte um fünf Dorfjugendliche, die sich plötzlich an eine Gewalttat in ihrer Kindheit erinnert, das Ungeheuerliche ins Bewusstsein dringen lässt, hat die Rezensentin beeindruckt.
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