Im Mittelpunkt des Bandes stehen Beiträge über die zeitgenössische Militarismuskritik, also die Auseinandersetzung mit dem preußisch-deutschen Militarismus in der Zeitspanne zwischen 1871 und 1945. Zwei weitere Beiträge bündeln empirische Forschungen über den preußisch-deutschen Militarismus in der Kaiserzeit, in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus. Vergleiche mit Frankreich und England schärfen den Blick für die Spezifika des preußisch-deutschen Militarismus. Eine andere Gruppe von Aufsätzen thematisiert Trends in der neueren nationalen und internationalen Militarismusdebatte sowie Aufgaben einer künftigen Militarismusforschung. Diese Theoriebeiträge dokumentieren zugleich den gelungenen Versuch einer - leider noch immer nicht selbstverständlichen - Kooperation von Historikern und Politikwissenschaftlern aus dem Bereich der Friedens- und Konfliktforschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.04.2009
Rudolf Walther ist vollauf überzeugt von diesem Buch Wolfram Wettes, den er als einen kritischen Militärhistoriker schätzt. Klug zeichne Wette darin nach, wie sich der Militarismus von einem gegen Bismarcks Reichsgründung aus Blut und Eisen gerichteten Kampfbegriff zu einer wissenschaftlichen Kategorie wurde, die sehr treffend ein entscheidendes Strukturelement der preußischen Großmacht und später des deutschen Staates beschrieb. Detailliert findet Walther in dem Buch sodann die "kriegerische Kultur" beschrieben, die Deutschland prägten, bis die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg sie dem Land austrieben. Dass die DDR-Propaganda den Militarismus wieder als Kampfbegriff gegen die Bundeswehr benutzten, findet Walther zwar schamlos, empfiehlt das Buch aber allen denjenigen, die - offenbar wie er selbst - einem neuen kriegerischen Kurs der deutschen Politik misstrauen.
Besonders den Frauen möchte Karl-Heinz Janssen dieses Buch ans Herz legen. Über Pazifistinnen und Frauenrechtlerinnen in Deutschland zwischen 1871 und 1945, so Janssen, sei hier viel zu erfahren. Das Bild des Militarismus und seiner Gegenbewegungen, wie es der Band zeichnet, dürfte allerdings auch das andere Geschlecht interessieren. Die erklärte Absicht des Buches jedenfalls, den Begriff des Militarismus in all seinen Facetten und dennoch in einer "Kontinuitätslinie vom preußisch-kaiserlichen zum nationalsozialistischen Militarismus" zu entwickeln, anerkennt der zum männlichen Geschlecht rechnende Rezensent. Die Beschaffenheit seiner "Nachdenklichkeit" angesichts einiger Kapitel aber bleibt uns leider verborgen.
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